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Donaueschingen Keine Betreuung für kranke Kinder

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Hatschi! Triefende Nasen sind bei Kindergartenkindern vor allem in der kalten Jahreszeit Dauerzustand. Die fünfjährige Greta übt schon mal das Naseputzen – der nächste Schnupfen kommt bestimmt. Foto: Göbel

Donaueschingen - Seit Ende Juni dürfen alle Kinder wieder in Krippen und Kindergärten betreut werden. Oft ist die Wiedersehensfreude aber von nur kurzer Dauer. Kinder mit Krankheitssymptomen dürfen nicht betreut werden.

Das war auch bisher nicht anders, vor allem bei Fieber. Doch je nach Einrichtung reicht aktuell schon eine laufende Nase, um nicht in die Krippe oder den Kindergarten gehen zu dürfen.

Das bekommen auch die Kinderarztpraxen zu spüren. Der Andrang ist derzeit immens, die Wartezimmer voll und Eltern blicken mit Sorge auf den Herbst, laufen doch bei den Kleinsten auch ohne Corona-Pandemie die Nasen von Oktober bis März beinahe durchgehend. Acht bis zwölf leichte Infekte pro Jahr sind normal, so die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin, muss das "unerfahrene" kindliche Immunsystem doch erst einmal lernen, mit den zahllosen Erregern zurecht zu kommen.

Blick auf den Herbst

Doch wie sich Beruf und Familie in der Erkältungssaison im Herbst vereinbaren lassen sollen, wenn Kinder schon wegen eines Schnupfens nicht in die Kita dürfen – das fragen sich derzeit viele. Ein erstes Statement dazu gab es vergangenen Freitag aus Stuttgart, nachdem auf Anregung von Kultusministerin Susanne Eisenmann und Gesundheitsminister Manne Lucha ein Fachgespräch zu eben jenem Thema stattgefunden hatte. "Ein Schnupfen ohne weitere Krankheitszeichen ist aber noch kein grundsätzlicher Ausschlussgrund für einen Kita- oder Schulbesuch", heißt es darin abschließend.

"Es ist eigentlich Quatsch, ein Kind mit laufender Nase zu Hause zu lassen", sagt Kinderärztin Claudia Burkhardt, die zusammen mit Andreas Schmidt eine Gemeinschaftspraxis in Donaueschingen betreibt. Dennoch: Eine Patentlösung werde es wohl nicht geben, gibt sie zu bedenken, zumal Covid-19 bei Kindern häufig symptomlos verlaufe. "Für Kinder, die mit Risikopatienten zusammenleben, kann das natürlich gefährlich werden." Im Zweifelsfall müsse man die Kinder zu Hause behalten. Sie bekommt die Verunsicherung in der täglichen Arbeit deutlich zu spüren: Viele Eltern kämen in die Praxis mit der Bitte um eine Bescheinigung, wonach das Kind betreut werden könne. Die Stimmung schwanke dabei zwischen verzweifelt, aggressiv und genervt, fasst die Kinderärztin zusammen. "Die Eltern wollen eine Absicherung, die wir aber letztlich nicht geben können. Eine ganz schwierige Situation." Selbst ein Abstrich sei nur eine Momentaufnahme. "Und wir können nicht jedes Kind abstreichen."

Das sagt eine Kinderärztin: Claudia Burkhardt blickt mit Skepsis auf die kommenden Monate. In der Erkältungssaison behandle die Praxis – je nach personeller Besetzung – 100 bis 120 Kinder am Tag. "Da kann man sich vorstellen, wie es aussieht, wenn jeder banale Schnupfen in der Praxis landet", sagt die Kinderärztin. "Mir graut es vor dem Herbst."

Das sagt ein Vater: Wie schnell die Betreuung wieder enden kann, hat Familie Heizmann aus Pfohren erfahren müssen. Kaum war der jüngste Sohn wieder in der Kita, ging es mit laufender Nase und Husten los. "Er durfte nicht in den Kindergarten und uns wurde gesagt, dass wir zwingend zum Kinderarzt gehen sollten", schildert Vater Tony Heizmann. Weil die Praxis überfüllt war, habe die Familie erst zwei Tage später einen Termin erhalten. Zwar bekamen sie ein Attest für ihren Jüngsten, wonach er in die Kita hätte gehen dürfen, behielten den Dreijährigen dann aber den Rest der Woche zu Hause.

Priorisierung

"Im ersten Moment habe ich schon die Augen verdreht, aber ich verstehe es schon", sagt Tony Heizmann. Die Einrichtungen würden verständlicherweise auf Nummer sicher gehen wollen. "Und wo fängt man an, wo hört man auf?" Aus Elternsicht sei die Regelung mehr als lästig, aus Sicht der Einrichtungen nachvollziehbar. "Es sollte einheitliche Richtlinien geben", findet der dreifache Vater. Auch er blickt mit Sorge auf die Zeit nach den Schulferien. "Ich hoffe, dass sich das Infektionsgeschehen dann in Grenzen hält."

Das sagt die Stadtverwaltung: Kinder mit lediglich einem Schnupfen würden von den städtischen Einrichtungen in der Regel nicht nach Hause geschickt, sagt Beatrix Grüninger, Pressesprecherin der Stadt Donaueschingen. Es sei denn, es treten in diesem Zusammenhang auffällige und weitere Symptome auf.

Die Wiedereinführung des Regelbetriebs in den Kindertageseinrichtungen unter Pandemiebedingungen sei nur unter der Voraussetzung ermöglicht worden, dass ausschließlich gesunde Kinder ohne Anzeichen von Covid-19 die Betreuungseinrichtung besuchen. Der Schutz der Gesundheit – sowohl für Kinder als auch für andere Personen – genieße nach wie vor oberste Priorität.

So soll es laufen: Deshalb gelte auch weiterhin, dass Kinder, denen es sichtlich nicht gut geht, die einen kranken, erschöpften oder leidigen Eindruck machen, zu Hause bleiben sollten. Sollten Symptome wie Husten, Fieber, Halsschmerzen, Störung des Geruchs- oder Geschmackssinns auftreten, sollen Kinder von den Eltern von der jeweiligen Einrichtung abgeholt werden. Im Dialog mit Kinder- oder Hausarzt soll dann das weitere Vorgehen besprochen werden. So sehe es auch die Empfehlung des Kommunalverbands für Jugend und Soziales, der Unfallkasse Baden-Württemberg sowie des Landesgesundheitsamtes vor.

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