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Donaueschingen Katastrophensituation im Wald

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Bestandsaufnahme bei Aasen: Manfred Fünfgeld, Frieder Dinkelaker und Balin. Foto: Wursthorn

Donaueschingen - Das Hitzejahr 2018 mit enormer Trockenheit blieb der Forstwirtschaft in unangenehmer Erinnerung.

Aus den Extrembelastungen des Vorjahrs ergab sich eine Hypothek, mit der der Baumbestand in diesem Jahr klarkommen muss. Und die eine vermeintlich stabile Sommer-Prognose binnen weniger Wochen in den Krisenmodus kippt.

Wie geht es dem Wald 2019? Eine Standortbestimmung mit dem Donaueschinger Revierleiter Manfred Fünfgeld und dem Leiter des Kreisforstamtes, Frieder Dinkel­aker. Die Gemarkung Aasen gehört zu Fünfgelds Zuständigkeitsbereich. Deshalb zeigt er, ein paar Fahrminuten hinter dem Schützenhaus im Distrikt "Hungerbühl" überraschend positive Ergebnisse aus den Anpflanzungen. Gut 20 000 junge Bäumchen pflanzen Fünfgeld und seine drei Mitarbeiter pro Jahr an vielen Stellen.

Am Hungerbühl wurden im Frühling rund 2000 kleine Weißtannen gepflanzt. Nun wachsen auf dieser 0,6 Hektar großen, von Holunder und Brombeerhecken befreiten Fläche knapp 30 Zentimeter große Bäumchen. Mit jeweils einem Meter Abstand, in Reihen, die wiederum zwei Meter auseinander liegen. Überragt werden die Bäumchen von 100 Jahre alten Fichten.

Fichte soll durch Tanne ergänzt werden

Die Fichte, bisher Brotbaum im Schwarzwald und auf der Baar, soll durch die Tanne ergänzt werden. Auch Douglasien, Lärchen, und ein zunehmender Anteil an einheimischen Laubbäumen, sollen den heimischen Forst im anstehenden Klimawandel krisensicher machen. Einen Königsweg gibt es nicht. "Die Sorten müssen sich für den vorgeschlagenen Standort eignen", nennt Dinkelaker zumindest eine Erfolgserfordernis. Eines der Risiken, denen das Baumwachstum unterliegt, heißt Schalenwild. Rehe haben die dünnen Pflänzchen zum Fressen gerne. Erstaunlich deshalb, dass hier kein Schutzzaun den Tannenvorbau umgibt. Die Erklärung heißt Regiejagd. Das Revier wurde nicht an einen Jagdpächter verpachtet, sondern blieb in Bejagung durch den Mitarbeiter des städtischen Forsts. Hobby und Pflicht verbinden sich dort in einer intensiven fürs Wild überraschenden Bejagung – mit mehr als doppelt so vielen Rehabschüssen je Hektar als im Regelfall.

Nur ein Bruchteil der Schößlinge entwickelt sich zu mächtigen Bäumen. Nagetiere, aber auch Schneebruch, Trockenheit oder Schatten können die kleinen Tannen absterben lassen. Empfindlich sind auch Kirsche, Bergahorn, Buche oder Stileiche. Allesamt Laubbäume, die zur Durchmischung der Kulturen gepflanzt werden.

Sturm Lothar hat 1999 ein Fichtenwäldchen abrasiert

Manchmal greift die Natur den Forstwirten unter die Arme. Im Güth heißt der nächste Haltepunkt. Ein Waldstück mit halbhohen Fichten. Fünfgeld bückt sich und pflückt ein Sternchen. So heißen die Keimblätter der Tanne. Mitten zwischen den Fichten haben sich unzählige Jährlinge einer Tanne aus der Nachbarschaft durch den weichen Waldboden geschoben. Auch hier ist dieser positive Überraschung intensiver Bejagung geschuldet.

Auf Zufälle darf Fünfgeld unterhalb des Truppenübungsplatzes Grüningen nicht hoffen. Hier hat Sturm Lothar 1999 ein Fichtenwäldchen abrasiert, einzelne Kiefern bezeugen den früheren Baumbestand. Diese der Sonne ausgesetzte Freifläche mit trockenem, steinigem Boden muss der 54-Jährige aufforsten. Wir stapfen bergauf. Halbmeterhohe Jungpflanzen stecken zum Schutz in Wachstumshüllen aus Plastik. Buchen und Lärchen grünen gesund, Douglasien fallen im braunen Herbstkleid ins Auge. Die Anhöhe ist Fünfgelds Kummerfläche.

Welcher Baum eignet sich? Heimische Herkunft und Anpassung an den Standort sind Kriterien, die nach 2018 durchaus in Frage stehen. Die Esche hat sich mit ihrer rätselhafte Pilzkrankheit aus dem Favoritenkreis gespielt, selbst die hochgelobte Buche und die Tanne zeigen Stresssymptome. Im April und Mai hat es im Wald kräftig geregnet. "Trotzdem wurde lediglich die obere, rund 30 Zentimeter starke Bodenschicht getränkt", verweist Fünfgeld auf einen trügerischen Eindruck von außen. Für Jungbäume habe dieser Regen ausgereicht, aber die hohen Tannen mit ihren tiefen Wurzeln darben. Dass die Niederschläge im Frühsommer nicht ausreichten, war selbst in Aasen, wegen des Bodenprofils generell gut mit Wasser versorgt, zu sehen. Als die Hitze einsetzte, hat auch dort der Boden Risse bekommen.

"Gesunde Fichten ertränken Borkenkäfer mit Harz"

Bis Mitte Juli sei die Situation im Donaueschinger Stadtwald noch überschaubar gewesen, sagt Dinkelaker, während er den Grüninger Kapellenbuck an der alten Klengener Straße ansteuert. Damals konnte man sich auf das Aufarbeiten einzelner, kleiner Käfernester und die ständige Überwachung der bedrohten Waldbestände konzentrieren. Das sollte sich rasend schnell ändern. Auch weil sich Bäume nach Extremjahren wie 2018 keineswegs sofort erholen. "Gesunde Fichten ertränken den Borkenkäfer mit ihrem Harz", benennt Dinkelaker den natürlichen Abwehrmechanismus. Aber nicht in diesem Jahr. Am Waldrand liegen gut 50 mächtige Fichtenstämme. Eilends gefällt, entastet und aus dem Wald gezogen. Bereit für den Abtransport.

Fünfgeld blättert ein Stück Rinde ab. Darunter wuseln in den Holzgängen weiße Buchdrucker-Raupen und hellbraune, bald flugbereite Jungkäfer. Dicht an dicht. Hunderte. Vor zwei Wochen habe er zwei Bäume entdeckt, aus deren Stamm Bohrmehl rieselte, erzählt Fünfgeld. Alarm. Kurz darauf waren gut 40 Bäume in der Nachbarschaft befallen. Die nächste Generation Borkenkäfer. Alles musste raus. Gut 500 Festmeter Problemholz hat Fünfgeld, mit 2000 rechnet er. In den nächsten Tagen steht ihm in Neudingen ein Fremdunternehmer mit Vollernter zur Verfügung. Nächste Baustelle.

Katastrophensituation als "an die Grenzen gehend"

Trockenheit, Borkenkäfer, Klimawandel: Frieder Dinkelaker leitet des Kreisforstamt. Der Beamte beschreibt die gegenwärtige Katastrophensituation als "an die Grenzen gehend". Mit den leistungsfähigen Forstbetrieben auf der Baar sei die Krise aber zu bewältigen. Ohne ein Umdenken könne dies nicht geschehen. Dabei müsse die Aussicht auf die gewohnt guten Einnahmen aus dem Holzverkauf momentan hintan gestellt werden. Der Kampf gegen den Borkenkäfer und die Erholung und Umgestaltung des Waldes hätten momentan Priorität. Die Stadt beschäftigt zwei Revierleiter. Manfred Fünfgeld betreut die Reviere Donaueschingen, Aasen, Neudingen Heidenhofen, Pfohren und Grüningen mit einer Gesamtfläche von rund 1200 Hektar. Sein Kollege Hans-Peter Fesenmeyer ist für Wolterdingen und Hubertshofen zuständig. Sein Gebiet umfasst rund 1350 Hektar. Beide Revierförster haben jeweils drei Mitarbeiter zur Verfügung. Der Schwarzwald-Baar-Kreis ist mit einer Waldfläche von 47 000 Hektar, entsprechend 47 Prozent der Fläche, überdurchschnittlich dicht bewaldet. Im Landesschnitt sind 38 Prozent der Fläche bewaldet. Das Kreisforstamt ist auf 18 Gemarkungen mit rund 39 000 Hektar zuständig, Das städtische Forstamt Villingen-Schwenningen betreut die eigenen Forstflächen und den Wald von Unterkirnach auf insgesamt 8000 Hektar Fläche.

Der Privatwald umfasst mit 3115 Betrieben 45 Prozent der Fläche, dicht gefolgt vom Kommunalwald mit 42 Prozent der Fläche und dem Staatswald mit 13 Prozent.

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