Foto: Schwarzwälder Bote

Betrugsversuche: Ob Enkeltrick oder Gewinnversprechen: Laut Polizeipräsidium häufen sich die Fälle

Ob im Raum Villingen-Schwenningen oder auf der Baar: In den vergangenen Wochen und Monaten häufen sich die Betrugsversuche; die Polizei meldet immer wieder neue Fälle. Die Maschen der Gauner reichen vom Enkeltrick bis zum Callcenter-Betrug.

Ob im Raum Villingen-Schwenningen oder auf der Baar: In den vergangenen Wochen und Monaten häufen sich Betrugsversuche; die Polizei meldet immer neue Fälle.

Donaueschingen/Hüfingen/Bräunlingen (jsi). Während es meist bei Versuchen bleibt, schaffen es die Gauner aber auch, manche ihrer Opfer zu täuschen und ihnen einen empfindlichen finanziellen Schaden zuzufügen.

Wie viele Betrugsversuche es im laufenden Jahr auf der Baar gibt, kann das zuständige Polizeipräsidium Konstanz derzeit nicht sagen. Denn für 2021 liegen laut des Sprechers Jörg Kluge noch keine verifizierbaren Zahlen vor. Material gebe es daher nur für den Bereich des Gesamtpräsidiums Konstanz aus der frisch vorgestellten Polizeikriminalstatistik 2020.

Aus dem Ausland

"Leider gibt es das Problem, dass die Fälle der Betrugsanrufe über das Telefon als sogenannte Auslandsstraftaten zählen, da der Tatort – also der Sitz des Anrufers – regelmäßig im Ausland ist", erklärt Kluge. Auslandsstraftaten ließen sich bei der Polizei statistisch nicht nach Gemeinden aufbereiten; Jörg Kluge kann aus diesem Grund lediglich Angaben für das gesamte Präsidium Konstanz machen.

Beim Phänomen des "falschen Polizeibeamten" zeige sich ein leichter Anstieg um sieben Prozent, "ansonsten sind die Zahlen von 2019 auf 2020 gering rückläufig". Nicht nur auf der Baar seien gewisse Betrugsmaschen besonders verbreitet: das Deliktsfeld "angeblicher Polizeibeamter" hat Kluge zufolge mit über 70 Prozent den höchsten Anteil beim Callcenter-Betrug. "Die weiteren Taten beziehen sich auf Gewinnversprechen, Enkeltrick, Schockanrufe und weitere."

Meist sind es Banden

Überwiegend handele es sich um Verbrecherbanden. Die professionell organisierten Banden mit Sitz im Ausland, so Kluge, operieren mit Helfern in Deutschland, die in die entsprechenden Bezugsräume beordert werden. Dort holen sie laut des Sprechers Geld und Wertsachen ab.

Längst nicht alle Betrugsfälle werden der Polizei gemeldet, vor allem dann nicht, wenn diese erfolgreich verliefen. "Allen Geschädigten sind die Vorfälle in der Regel sehr unangenehm, da spielen Scham und ein Gefühl der Hilflosigkeit eine Rolle", sagt Jörg Kluge. Das sei insbesondere dann der Fall, "wenn Familienschmuck übergeben wurde, oder wenn das übergebene Bargeld zusätzlich noch weiteren Familienangehörigen gehörte".

Außerdem sei eben dieses Verhalten zu beobachten, wenn schlechte Familienverhältnisse bestünden, weil dann womöglich der Vorwurf im Raum stünde, man wolle nur Aufmerksamkeit mit dem eigenen Schicksal erregen. Darüber hinaus würden sich auch Menschen mit höherer Bildung – zum Beispiel ehemalige Professoren oder Ärzte – längst nicht immer melden. Betrügern begegnet die Polizei durch klassische Ermittlungsarbeit, informiert Jörg Kluge. Als Stichwörter nennt er die Vernehmung, Hinweise der Nachbarschaft oder die Fahndung. Zudem seien sämtliche Polizeidienststellen in Deutschland im ständigen Informationsaustausch. Für das Präsidium Konstanz treffe das vor allem auf die Zusammenarbeit mit der Schweizer Polizei zu.

"In zehn Fällen konnten die Taten geklärt werden, die Schadenssumme beim Callcenter-Betrug liegt bei über 600 000 Euro", sagt Kluge zur Auswertung der Kriminalstatistik 2020. Zu modernen Techniken, die der Polizei zur Verfügung stehen, könne er "natürlich aus taktischen Gründen keine Angaben machen".

Telefonbetrug: Eine Seniorin aus Donaueschingen hat sich am Montag, 18. Januar, nicht von einem Enkeltrick überlisten lassen. Die 81-Jährige wurde laut Polizei von einer Unbekannten angerufen, die sich als ihre Nichte ausgegeben hatte. Ein paar Tage zuvor wollte ein Mann zwei Frauen Geld abluchsen, als er sich als Mitarbeiter des Landratsamts Stuttgart und der Kriminalpolizei Stuttgart ausgegeben hatte.

Arbeitssuche: Ein Unbekannter klingelte am Sonntag, 21. Februar, bei einem 52-Jährigen und fragte nach Arbeit. Dieser hatte laut Polizeiangaben tatsächlich Arbeit zu vergeben, bot dem Mann für vier Tage einen Job bei sich an, und gab ihm auch direkt einen Vorschuss über 350 Euro, die er für die Begleichung Mietschulden erben hatte. Den Arbeitsdienst trat er jedoch in der Folge nie an.

Trickdieb: In Wolterdingen wurde am Dienstag, 16. Februar, eine 74-Jährige auf perfide Art und Weise von einem Trickdieb bestohlen. Der Polizei zufolge kam sie mit dem Auto vom Einkaufen nach Hause, parkte vor ihrer Garage, als der Mann sich näherte. Mithilfe eines Ablenkmanövers entwendete er zwei EC-Karten aus ihrer Geldbörse. Das Fehlen bemerkte die Frau erst, als bereits ein vierstelliger Betrag abgehoben war.

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