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Donaueschingen Im Hochgebirge gegen die Krankheit gekämpft

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Foto: Privat Foto: Schwarzwälder Bote

Susanne Rothweiler ist zurück: aus dem Urlaub, aus der Krankheit und aus der Ungewissheit. Die Donaueschingerin versprüht Zuversicht und hat wieder Pläne.

Donaueschingen (wur). Ziemlich genau ein Jahr nach dem Tag, der ihre Pläne zerstob. Die 52-Jährige mit den wuscheligen, kurzen schwarzen Haaren ist in Donaueschingen bekannt. Ihr halbes Leben hat sie als Gastronomin verbracht, hat 1994 bis 1998 den "Hallodri" in Donaueschingen geführt und 1998 das "Frank" in Hüfingen übernommen. Schön sei die Zeit im Landgasthof gewesen. Als Reminiszenz an ihre Heimatstadt Heidelberg habe sie auf der Baar gar einen Biergarten etabliert, sagt sie lachend.

Im März 2019 war Schluss. Zu zeitintensiv die Aufgabe. Und weil auch die Töchter kein Interesse am zehrenden Job in der Gastronomie zeigten, wurde das "Frank" verkauft und die scheidende Wirtin gedachte, sich ein Sabbatjahr auf Reisen zu gönnen.

Das lief gut an. Mit Ehemann Tilmann ging es nach Marokko, mit den Töchtern Sophie (23), Lucia (20) und Anne (18) in die Provence und mit ihrem Vater nach Polen. Mitte September sollte es nach Bhutan nach Fernost gehen, doch da kam der 3. September 2019. Eine Darmspiegelung, eigentlich eine Routineuntersuchung, zeitigte eine erschütternde Diagnose: Darmkrebs. Aus heiterem Himmel und völlig unfassbar für Rothweiler, denn "es ging mir zu der Zeit wirklich gut."

Zerstoben waren die Fernostpläne. Binnen sechs Tagen stand die OP an, nach deren Ergebnis aber feststand, dass wegen befallener Lymphknoten eine Chemotherapie unumgänglich wäre. Der lange Weg zur Gesundung begann. Ob in Onkologie, Inneren Medizin oder Tagesklinik: Überall hätten sich die Mitarbeiter schnell, umsichtig und aufopferungsvoll um sie gekümmert, blickt sie dankbar zurück.

Halt fand sie auch in der Familie. Bei Ehemann und Töchtern. "Die gingen alle anders mit meiner Krankheit um", erzählt sie und nimmt einen Band im Taschenbuchformat mit schwarz-weißem Einband auf. "Das ist mein Krebstagebuch", sagt sie und beginnt zu blättern. Sophie hat viele Bilder einklebt. Lustiges, Nachdenkliches. Ihre Mutter hat ihre Erfahrungen handschriftliche eingefügt.

Erste Chemo 14. Oktober: Das steht auf dem Zettel, auf dem sie das letzte Jahr chronologisch zusammenfasst. Elf weitere Chemotherapien sollten bis März folgen. Elf Phasen, in denen der Medikamentencocktail alles durcheinander wirbelte. "Es gab Tiefs", blickt Rothweiler zurück. Tage etwa, wenn man schon nach dem Duschen völlig erschöpft ist und in der Tagesklinik ein knochenharter Tag zu durchbringen ist. "Diese Dauermüdigkeit musste ich akzeptieren" blickt sie zurück. Sie hat es geschafft und sich die Frage, warum sie es traf, nie gestellt.

Es war um das Jahresende herum, als sie sich auf halbem Weg der Chemostrecke ein Versprechen abnahm: Wenn sie am Ende der Chemo metastasenfrei sei, würde sie in Norwegen den Olavsweg laufen. Dieses Ziel machte ihr den Rest der Therapie leichter. Im Mai war sie glücklich über die Diagnose: Der Weg nach Norwegen war aus ihrer Warte frei, doch das Land noch coronabedingt geschlossen.

Im Juli schließlich konnte sie sich auf den Weg machen auf den Pilgerweg, auf dem sich, auch mangels Massenquartiere, nur etwa ein Fünftel der normalen Zahl an Wanderern bewegten. "Tagsüber lief ich meist allein", sagt sie. Für sie genau das Richtige, sagt sie. Abends hätte sie in den Unterkünften, Zimmer oder Hütten so viele Gesellschaft gehabt, wie sie es sich wünschte.

Als Nebenwirkung der Chemo hat sie sich eine Polyneuropathie zugezogen. Das ist eine Gefühlstaubheit in Fingerspitzen und Zehen, "die hoffentlich noch weggeht". Über Bretter und Holzstege lief sie deshalb langsamer als gewohnt, kam aber auf ihrem Weg durch eine grandiose Natur in 32 Tagen auf einen Schnitt von 20 Kilometern. "Ich wollte einfach herausfinden, wo meine Grenzen sind", sagt sie rückblickend und schwärmt von hilfsbereiten Menschen und dem Hochgebirge Dovrefjell als schönstes und bewegendes Naturerlebnis.

Groß auch ein kurzer Moment: An der Allmannroysa-Steinpyramide legte sie einen Stein ab, den sie die gesamte Wanderung mitgeführt hat. Als Danksagung für die Reise und symbolisch, um mit dem Stein die Erkrankung abzulegen.

Eine Woche nach der Rückkehr aus dem Norden, ist der Garten in Ordnung – "nur die Rosen gefallen mir dieses Jahr nicht" , ist der Rucksack in der Reinigung, ist die Kleidung gewaschen.

Ab Oktober studiert sie Journalismus

Gewandert wird nächstes Jahr in Japan. Mit ihrer Freundin Lore Junginger will sie den 88-Tempel-Weg unter die Stiefel nehmen. Der Termin muss in die Semesterferien fallen. Denn ab Oktober studiert Rothweiler Journalismus in Stuttgart.

Der 643 Kilometer lange Pilgerweg führt von Oslo nach Trondheim und gilt als Pendant zum bekannteren Jakobsweg in Spanien. Er überwindet auf seinem Weg von Süden nach Norden rund 22000 Höhenmeter. Ziel der Pilger ist der Nidarosdom der zu Ehren des heiligen Olav errichtet wurde. Der Pilgerweg ging nach der Reformation in Vergessenheit, wurde erst 1997 wiedereröffnet und 2010 zur Europäischen Kulturstraße ernannt.

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