Kerstin Tritschler organisiert nicht nur seit 13 Jahren das Poloturnier, sie sorgt auch für weihnachtliches Ambiente im Marstall. Fotos: privat Foto: Schwarzwälder Bote

Historie: Fürstliches Gebäude war einst ein Landesgestüt / Anstehendes Poloturnier lässt erahnen, wie es einst hier zuging

Jede Pferdebox ist belegt, ein geschäftiges Treiben und der typische Duft liegt in der Luft. Es ist Zeit für das Poloturnier des Fürstenhauses.

Donaueschingen (jak). Im Hof des Marstalls wird gegrillt, das Leben pulsiert. Doch man kennt den Marstall auch anders: Zur Adventszeit verwandelt sich das historische Gebäude in ein wahres Weihnachtswunderland. "Der Marstall hat zwei unterschiedliche Leben", weiß Kerstin Tritschler, die sowohl das Poloturnier, als auch die Weihnachtswelt organisiert.

Von Oktober bis Januar stehen die Zeichen auf Weihnachtswelt: Rund zwei Monate braucht sie fürs Dekorieren und sechs Wochen für den Abbau. Und von März bis September ziehen die Polopferde, die über den Winter im Schafstall ihre trainingsfreie Zeit genießen, in den Marstall.

Wenn das Poloturnier ansteht, lässt sich erahnen, wie es einst früher hier zugegangen ist, als Pferde Fortbewegungsmittel, aber auch Prestigobjekt waren.

Denn der Marstall hatte die Bedeutung eine Landesgestütes – hier wurden die Pferde für das ganze Fürstentum gezüchtet. Der erste bekannte Marstall wurde von Graf Heinrich VIII. von Fürstenberg erbaut – allerdings auf der anderen Seite des Schlosses. 1729 – nach der Erhebung Donaueschingens zur Residenzstadt – ließ Josef Wilhelm Ernst den Marstall erweitern und auch viele Verwaltungsgebäude in Donaueschingen erbauen.

Während Josef Wilhelm Ernst jedoch nie wirklich in Donaueschingen wohnte, bezog sein Sohn Josef Wentzel das Schloss. Und da dieser lieber auf einen Schlosspark blicken wollte, als auf viele Wirtschaftsgebäude, wurde der Marstall 1779 auf die andere Seite des Schlosses verlegt. Schließlich war es sein Ziel, die Residenz zu einem repräsentativen Schmuckstück aufzuwerten.

Während der Vater hatte Verwaltungsgebäude bauen lassen, war der Sohn ein typischer Barock-Fürst und errichtete Schlösser für die Jagd und den Marstall für die Pferde. Dabei ging es nicht nur um die Jagd und die Fortbewegung des Fürsten: Der Marstall war in erster Linie auf Nützlichkeit ausgerichtet. Das Pferd stand im Vordergrund – wer mehr als 100 Pferde im Stall hatte, der brauchte keine bunten Malereien und ähnliches zu Repräsentationszwecken. "Es gab nichts, was nicht dem Pferd gedient hätte", erklärt Andreas Wilts, Archivar des Fürstenhauses.

Doch das sollte sich ändern: Durch die Mediatisierung 1806 war der Marstall kein Landesgestüt mehr. Als Fortbewegungsmittel für längere Strecken gab es die Eisenbahn. Das Automobil hielt Einzug. "Zu diesem Zeitpunkt hatte das Pferd längst an Bedeutung verloren", erläutert Wilts. Von 1875 bis 1879 wurde der Marstall umgebaut und auf die neuen Bedürfnisse angepasst. Die Zahl der Ställe wurde reduziert und der Fokus wurde auf repräsentativen Schmuck und schöne Bemalungen gelegt.

Das Rondel, ursprünglich zum Satteln, Einspannen und als Repräsentationshalle für den Pferdeverkauf genutzt, wurde durch Mauern abgetrennt, erhielt einen Kuppelbau und wurde "historisierend" ausgemalt. Und noch heute ist die Anspannhalle Aushängeschild des Marstalls. "In dem Moment, in dem Einrichtungen ihre wirkliche Funktion verlieren, erhalten sie eine repräsentative Funktion", erklärt Wilts. Einziges Pferd in diesem Raum bleibt die große Pferdeskulptur aus Gusseisen auf einem schweren Marmorsockel.

Glanzvoll muss auch die ehemalige Reithalle gewesen sein. Als 1850 das Hoftheater, in dem auch eine Reithalle untergebracht war, abbrannte, entschied man sich, eine neue Reithalle zu bauen. Prunkvoll ausgemalt, mit Loge und Terracotta-Reliefs versehen, konnte im Winter geritten werden, und es gab Reitdarbietungen mit musikalischer Begleitung. Es war auch ein Veranstaltungsort für Donaueschingen, denn das Fürstenhaus stellte die Reithalle der Stadt und den Vereinen für große Anlässe zur Verfügung. So auch am 20. März 1955 für ein Konzert der Donaueschinger Liedertafal. Es war der letzte Tag der Reithalle, die damals völlig abbrannte, selbst die Grundmauern mussten abgetragen werden. Einziges Überbleibsel sind die Wappen, die die neue Reithalle zum Sennhof hin zieren.

Die Teams: Acht Teams der Medium Goal Klasse werden am kommenden Wochenende im Schlosspark um den Gold- und Silberpokal kämpfen. In diesem Jahr treten folgende Teams an: Maserati/Gohm, Fürstenberg Brauerei, Bad Dürrheimer, Pierre Lang, Trigema, Berenberg, Octogone und AHG/Land Rover. Ein Team besteht aus vier Spielern. Am Turnierwochenende werden rund 160 Polopferde im Einsatz sein.

Der Spielplan: Freitag, 13. Juli 2018: 14 Uhr Spiel 1: Team Maserati/Gohm, in diesem Team spielt Ebprinz Christian zu Fürstenberg, vs. Team Fürstenberg Brauerei; 15.15 Uhr Team Bad Dürrheimer vs. Team Octogone; 16.30 Uhr Spiel 3: Team Pierre Lang vs. Team Trigema; 17.45 Uhr Spiel 4: Team Berenberg vs. Team ahg/Land Rover.

Samstag, 14. Juli: Wer in den Spielen um 11 Uhr, 12.15 Uhr, 14.45 Uhr und 16 Uhr antritt, hängt von den Platzierungen am Freitagabend ab. Sonntag, 15. Juli, 11 Uhr Spiel um Platz 3 im Silver Cup, 12.15 Uhr Spiel um Platz 3 im Gold Cup, 14.45 Uhr Finale Silver Cup, 16 Uhr Finale Gold Cup. Siegerehrung ist gegen 17 Uhr.

Besucher: Der Eintritt ist frei. Direkt am Poloplatz stehen Parkplätze zur Verfügung. "Wir freuen uns sehr, wenn uns viele begeisterte Zuschauer anfeuern. Hier bei uns herrscht ein fröhliches Miteinander von Zuschauern, Pferden, Spielern, Grooms, Kindern, Hunden. Wir möchten Polo so leben, wie es in Argentinien gelebt wird: als jahrhundertealter Mannschaftssport, der alle Generationen begeistert und einbindet", lädt Christian Erbprinz zu Fürstenberg Interessierte ein.

Polo in Donaueschingen: Das Poloturnier des Fürstenhauses wird in diesem Jahr die einzige Möglichkeit sein, Polosport in Donaueschingen auf Wettkampfbasis zu sehen. Denn aufgrund des vorgezogenen Termins für das Reitturnier, das vom 16. bis zum 19. August im Schlosspark stattfinden wird, fällt das Poloturnier dieses Jahr aus. Es wäre aufgrund der kurzen Pausen und der anderen Turniere, die traditionell besucht werden, eine zu große Anstrengung für die Polopferde gewesen.