Die heimischen Wälder sind ihre Leidenschaft: Simon Fesenmeyer (links) und sein Vater, der Förster Hans-Peter Fesenmeyer. Hans-Peter ist in sechster Generation Förster im Donaueschinger Stadtwald. Simon könnte die siebte Generation bilden. Foto: Lutz Rademacher

Hans-Peter Fesenmeyer aus Hubertshofen ist Förster in sechster Generation im Donaueschinger Stadtwald. Und während er noch lange nicht ans Aufhören denkt, steht die siebte Generation bereits in den Startlöchern.

Donaueschingen-Hubertshofen - Sohn Simon absolviert seit 2019 in Erfurt das Studium Forstwirtschaft und Ökosystem-Management und ist bereit, in die Fußstapfen seines Vaters zu treten und die nun schon 184 Jahre andauernde Tradition in einigen Jahren fortzusetzen.

Familientradition seit 182 Jahren

Die Geschichte begann, als Markus Fesenmeyer 1837 seinen Dienst als Waldhüter bei der Großherzoglichen Bezirksförsterei Donaueschingen antrat. Sein Revier waren die Gemeindewaldungen Donaueschingen Oberholz, nahe Hubertshofen. Nach 25 Jahren Dienst bat er im Jahr 1862 den Gemeinderat, aufgrund fortgeschrittenen Alters und angeschlagener Gesundheit, seinen Dienst an seinen Sohn Leonard Fesenmeyer abtreten zu dürfen, der bereits als Hilfshüter arbeitete. Die Stelle wurde ihm 1865 übertragen, zugleich wurde er als Jagdaufseher verpflichtet. 1902 verpflichtete der Gemeinderat dessen Sohn Fridolin Fesenmeyer als Hilfsforstwart. Und 1908 wurde dieser Nachfolger seines Vaters. Ende 1912 wurde der Gemeinderat aufgefordert, die bis dahin vakante Stelle des Hilfswaldhüters neu zu besetzen. Zunächst wurde Fridolin Fesenmeyers Sohn Karl vorgeschlagen. Doch dies scheiterte an seiner starken Kurzsichtigkeit. So bekam sein Bruder Richard 1913 die Stelle.

Richard-Fesenmeyer-Hütte

1927 ging Fridolin Fesenmeyer mit 76 Jahren in den Ruhestand. Richard Fesenmeyer wurde zum Forstwart für das Oberholz benannt, nachdem er auf eigene Kosten eine Ausbildung absolviert hatte. 1939 wurde er in den Dienstgrad eines Revierförsters versetzt. 1953 ging er in den Ruhestand. Fünf Monate später kamen er und seine Frau Pauline bei einem Autounfall ums Leben. Ihm zu Ehren erhielt die Hütte, die er noch selbst geplant hatte und die heute dem Forst dient, den Namen Richard-Fesenmeyer-Hütte.

Bereits seit 1936 hatte Erich Fesenmeyer im Revier seines Vaters als Holzhauer gearbeitet. Nach einer Fortbildung zum Waldfacharbeiter wurde er 1951 Hilfsforstwart. Er bildete sich zum Forstwart weiter und übernahm 1954 das Revier seines Vaters. Mit dem Ruhestand von Oberforstwart Ratzer 1969 wurde sein Revier um den Hubertshofener Wald erweitert.

Von Kindesbeinen in den Wald begleitet

Mit dem heute noch tätigen Förster Hans-Peter Fesenmeyer ging nach Erich Fesenmeyers Ruhestand die sechste Generation der Familie an den Start. 1985 wurde ihm das Revier Obere Waldungen mit 760 Hektar übertragen, 1998 kamen zusätzliche Flächen bei Wolterdingen dazu, insgesamt sind es 1280 Hektar. Hans-Peter Fesenmeyer fühlt sich wohl, er hat den Schritt nie bereut. Vor allem das Aufgabengebiet sei so vielseitig, habe viele Sparten vom Wegebau über die Pflanzung, Verbiss-Schutz, Pflegemaßnahmen, Einschlagen von Bäumen oder die Naturverjüngung bis hin zum Kontakt mit den Jägern.

Von Kindesbeinen an hatte Hans-Peter Fesenmeyer den Vater in den Wald begleitet. Damals wurde ihm klar, dass er später unbedingt einen Beruf im Freien ausüben, auf keinen Fall den ganzen Tag in einem Büro verbringen wollte. Doch es gab auch eine Alternative. Der Vater seiner Mutter war Postbote, auch das schien ihm interessant, weil dieser immer von seinen Erlebnissen erzählte. Doch Vater Erich vermittelte ihm eine Lehrstelle – natürlich im Forst. Es war im Nachbarrevier bei Walter Kohler und der Beruf machte Hans-Peter auf Anhieb Spaß.

Nach der Bundeswehrzeit folgten Gespräche mit der Stadt Donaueschingen, die ihn unterstützte und ihm in Aussicht stellte, das Revier nach bestandener Prüfung als Forsttechniker zu übernehmen. Mit einem guten Abschluss konnte Hans-Peter Fesenmeyer die Stadt schließlich überzeugen. Obligatorisch war der Jagdschein, den er nebenher machte. So erfolgte nach einer kurzen Übergangszeit zum Jahreswechsel 1984/85 die bisher letzte Übergabe des Reviers von einer Generation der Familie auf die nächste.

Vielseitige Aufgabe reizt auch aktuelle Generation

Auch Simon Fesenmeyer hat seinen Vater von klein auf im Wald begleitet. Heute sagt er, er habe nie daran gedacht, einen anderen Beruf zu ergreifen als seine Vorfahren. Mitschüler erinnern sich, dass er schon in der Grundschule davon geschwärmt habe. Er war ständig mit dem Vater im Wald unterwegs, so habe er vieles schon im Vorfeld gelernt, während er die Realschule besuchte und 2014 mit Erfolg abschloss. Während er dann eine Waldarbeiterlehre machte, schildert Simon Fesenmeyer, habe ihn der Wald immer mehr fasziniert, im Hinterkopf auch immer wieder mit dem Gedanken: Das haben schon viele Generationen gemacht, es muss etwas ganz Besonderes sein.

Und während der Ausbildung wurde ihm immer mehr bewusst, wie vielseitig die Aufgabe ist. "Wenn man selbst im Wald arbeitet, ist das noch einmal ganz anders", schwärmt er.

Nach der Ausbildung zum Forstwirt holte er die Fachhochschulreife nach und studiert seit 2019 in Erfurt. Parallel dazu hat er den Jagdschein erworben. Er will später die Familientradition weiterführen – im selben Revier wie seine Vorfahren.

Nach Abschluss des Studiums muss er ein Trainee-Programm (Anwärterjahre) durchlaufen. Doch wenn Hans-Peter Fesenmeyer in den Ruhestand geht, wird Simon sich bewerben. Die Entscheidung obliegt dann der Stadtverwaltung und dem Gemeinderat. Bis dahin genießt er Spaziergänge mit seinem Vater im Oberholz, wo noch viele alte Bäume stehen, die sein Urahne Markus Fesenmeyer gepflanzt hat.

Markus Fesenmeyer, 1865 bis 1908: Leonard Fesenmeyer, 1908 bis 1927: Fridolin Fesenmeyer, 1927 bis 1953: Richard Fesenmeyer, 1954 bis 1984: Erich Fesenmeyer, seit 1985: Hans-Peter Fesenmeyer.

Der Bachelor-Studiengang Forstwirtschaft und Ökosystem-Management an der Fachhochschule Erfurt, den Simon Fesenmeyer studiert, soll vermitteln, wie man Artenvielfalt fördert und wie Holz ökonomisch, ökologisch und sozial zur Verfügung gestellt werden kann. Schwerpunkte sind Ökologie, Forstmessung, Bodenkunde, Botanik, Waldschutz, Wildtiermanagement, Holzmarktlehre, Waldbau, Jagd und Ästhetik.