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Donaueschingen Günstig bedeutet nicht minderwertig

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Filialleiterin Petra Höfler (von links), Saskia Reichmann und Christine Tobert sorgen für den reibungslosen Ablauf im Donaueschinger Secondo. Fotos: Simon Foto: Schwarzwälder Bote

Ein paar Mal geklopft, mit dem Schraubenzieher gedreht, geschickte Handgriffe. und die Eckbank ist in ihre Einzelteile zerlegt.

Donaueschingen (guy). Eugen Allerborn und Holger Roßbach machen das nicht zum ersten Mal. Allerborn ist bereits etwa zehn Jahre für das Donaueschinger Sozialkaufhaus Secondo im Kreisgebiet unterwegs, um sich Möbel anzuschauen und eventuell mitzunehmen.

Roßbach fährt erst seit einem halben Jahr. Davor war er für den Hermes-Versand unterwegs, bis sich der damalige Chef mit den Gehältern aus dem Staub gemacht hat: "Eigentlich bin ich gelernter Maurer. Das Handwerkliche habe ich hier auch ein bisschen", erklärt Roßbach.

Nicht alles geht mit: Auf dem Tagesplan stehen drei Touren, um neues Material für das Kaufhaus beim Donaucenter zu bekommen. Die Mitarbeiter von Secondo kommen nicht, um Sperrmüll abzuholen. Die Geräte oder Möbelstücke sollen in einem guten Zustand sein, am besten auch noch modisch, dem Zeitgeist entsprechend: "Manche werden da ganz pampig wenn wir sagen, dass wir etwas nicht mitnehmen", sagt Roßbach. So etwa auch, als ein Kunde darauf besteht, ein altes Kinderbett mitzunehmen. "Das stand jedoch zwei Jahre draußen und war entsprechend vergammelt", so Roßbach.

"Es sind alles Spenden, die hier bei uns eingehen. Unser Dank ist die kostenlose Abholung. Wer mal ein Sofa aus dem dritten Stock nach unten geschleppt hat, weiß das zu schätzen", erklärt Petra Höfler, Leiterin der Secondo-Filiale in Donauschingen. Das Unternehmen ist ein Zweckbetrieb des gemeinnützigen Vereins Inova, dessen Schwerpunkt auf der Unterstützung sozial benachteiligter Menschen liegt. Dazu bietet Secondo Langzeitarbeitslosen und Menschen mit Behinderung Beratung, Qualifizierung und Beschäftigung an. "Die Idee dahinter wurde in Donaueschingen sehr gut angenommen. Die Stadt braucht so ein Haus", sagt Höfler. Das Geschäft läuft. Nächstes Jahr kann der Betrieb sein zehnjähriges Bestehen feiern, am 4. April 2019 ist es soweit.

Roßbach und Allerborn sind derweil mit dem Kleinlaster in Marbach angekommen. Ein Sofa, ein Sessel und ein Doppelbett sollen in Augenschein genommen werden. "Bevor wir etwas abholen, schauen wir es uns erstmal an und beurteilen, ob es etwas für uns ist", erklärt Roßbach. Das Sofa ist ein Volltreffer. Die Familie zieht um, es passt nicht mehr zum Stil der neuen Wohnung, sieht allerdings aus wie neu.

Wie viel es für Kunden Secondo Kosten wird? "Ich schätze mal, dafür verlangen wir etwa 160 bis 180 Euro – es soll ja nicht lange bei uns stehen bleiben", so Roßbach. Ein Schnäppchen. Beim Schlafzimmer sieht das schon anders aus. Das Bett ist aus Holz. Schlicht, aus den Siebzigern. Es wird nicht mitgenommen: "Das könnten wir nicht hoch ansetzen, da würde sich der Aufwand nicht lohnen. Zudem kauft niemand derzeit diesen Stil."

Schwierige Beurteilung

In der Zeit bei Secondo hat Roßbach schon einiges erlebt, darunter auch Situationen, in denen er den Kopf schütteln musste: "Wir haben mal eine Wohnung ausgeräumt, da waren die Möbel gerade ein halbes Jahr alt. Da haben wir alles mitgenommen." Bei der Beurteilung müsse man sich immer fragen: Würde man es selbst auch kaufen?

Vor dem Geschäft in Donaueschingen hat an diese Morgen jemand zwei große Spiegel abgeladen – ohne Anmeldung. Das ist dort nicht gerne gesehen und auch ein Problem: "Es ist ein leidiges Thema, wenn hier Zeug abgelegt wird. Das ist ein großes Problem", sagt die Filialleiterin. Gleiches gilt für die Parkplätze vor dem Haus. Davon gibt es nicht viele: "Durch einige Baumfällungen hat sich das ein wenig entschärft. So richtig fruchtet das jedoch nicht. Die Plätze werden oft zugeparkt", so Höfler.

Allerborn und Roßbach betreten ein Haus bei Schwenningen. Der Besitzer ist in einem Pflegeheim, die Kinder haben das Gebäude verkauft. Jetzt müssen nur die alten Möbel entsorgt werden. Eine Angelegenheit, die auch für die Arbeiter von Secondo oftmals emotional wird: "Manchmal blutet einem da schon das Herz, aber wir können eben nicht alles mitnehmen", sagt Roßbach. Viele Kunden kämen zu einem solchen Termin gar nicht erst dazu, die Bindung sei noch zu hoch. Eine Eckbank, fünf Stühle und eine Stehlampe gehen mit: "Das ist was für Fans", freut sich Roßbach.

Stammkunden hat Secondo einige: "Wir haben Kunden, die schauen am Tag zweimal bei uns rein. Wir bekommen ja schnell neues Material, und das Angebot verändert sich", erklärt Höfler. Manche Kunden seien auch gezielt auf der Suche nach einem bestimmten Stil. Jeden Tag sei man mit etwa vier bis fünf Abholungen beschäftigt. Das neue Material werde dann ausgezeichnet und komme sofort in den Verkaufsraum. Petra Höfler ist mit Liebe dabei. Besonders, wenn geholfen werden kann: "Die Arbeit mit besonderem Klientel ist anstrengend, aber es sind Schicksale dabei, da ziehe ich den Hut, dass es wieder klappt."

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