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Donaueschingen Gewalt gegenüber Polizisten nimmt zu

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Foto: Rehder

Donaueschingen - Es ist der 16. Februar 2018. Ein 17-Jähriger wird in Donaueschingen von der Polizei überprüft, nachdem er bei einem Ladendiebstahl erwischt wurde. Plötzlich geht es sehr schnell. Der Jugendliche geht auf eine Polizistin los, verletzt sie mit sechs Faustschlägen.

Was wie ein herausragendes Einzelszenario klingt, ist ein Umstand, der für Polizisten immer häufiger zum täglichen Geschäft gehört: Die Gewalt gegenüber der Polizei nimmt zu.

"Was muss in einem Menschen vorgehen, dass so etwas passiert?", fragt sich Thomas Knörr, Leiter des Polizeireviers Donaueschingen. Gott sei Dank habe die Beamtin eine Schutzausrüstung getragen. Die köperlichen Schmerzen aus dieser Tat halten sich in Grenzen, was dabei mit der Psyche passiert, komme auf die jeweilige Person an: "Manch einer verkraftet das mit links, ein anderer hat Jahre mit der Bewältigung zu kämpfen", so Knörr.

Eine Tendenz zur steigenden Gewalt sei erkennbar. Auch die Zahlen deuten in diese Richtung. 3583 Angriffe meldete die Landesstatistik 2013, im Jahr 2017 wurden 4330 Fälle registriert. Zahlen für 2018 wurden bislang nicht veröffentlicht.

Nicht nur die Polizei beschäftigt sich mit der Frage, worin die Ursachen zu sehen sind. Knörr vermutet eine Vielzahl verschiedener Faktoren: "Es wird erwartet, dass sich die Beamten mit allen Hintergründen auskennen. Das geht nicht." Heutzutage lebe man in einer multikulturellen Gesellschaft, mit unterschiedlichen kulturellen Hintergründen. "Bei uns ist vieles gesetzlich geregelt, in anderen Ländern mag das nicht unbedingt zu Recht und Ordnung zählen", sagt der Revierleiter.

Generell sei festzustellen, dass die staatliche Autorität ein Stück weit verloren gegangen sei: "Schauen sie in den schulischen Bereich, oder was sich Mitarbeiter des Finanzamtes anhören dürfen", so Knörr. Woran das liege, könne er jedoch nicht benennen. Wohl aber, das die Welt im Laufe der vergangenen Jahrzehnte ein komplizierterer Ort geworden ist: "Da spielt sicher auch die Erziehung eine Rolle. Wie trete ich etwa einem Beamten gegenüber. Das fängt schon an bei dem Begriff ›Bulle‹." Klar gebe es vielleicht auch Kollegen, die sich im Ton vergreifen. Allerdings wünsche sich Knörr eine Begegnung von Beamten und "polizeilichem Gegenüber", dass sie auf Augenhöhe passiere. "Wir gehen davon aus und treten entsprechend auf. Dass ein Wort manchmal das andere ergibt, ist klar. Ich würde mir aber wünschen, dass der ›Freund und Helfer‹ auch in der breiten Schicht wieder so gesehen wird." Entsprechend sei der Auftrag auch im Polizeigesetz verankert. Es gehe darum, Schaden von der Bevölkerung abzuwehren. Dafür gebe es einen konkreten staatlichen Auftrag, der nicht zu unterdrücken sei: "Wir sind für die Sicherheit der Bürger da."

Dabei sei es auch nicht bei jedem Einsatz der Fall, dass es gewaltsam ablaufe: "Ich kann nicht sagen, dass bei 100 Prozent rund 80 davon in Gewalt enden. Der Großteil verhält sich korrekt", so Knörr. Wenn etwas passiere, dann seien meist Alkohol und Drogen im Spiel. Die Hemmschwelle sinkt. Davon werde auch vieles nicht in der Statistik erfasst: "Sozialeinsätze im häuslichen Bereich nehmen zu. Da treten wir als Schlichter auf und meistens gibt es dabei gar keine Straftat."

Wie gehen die Beamten damit um? Die Konsequenz liegt nicht nur in einem auf besondere Fälle ausgelegten Training, bei dem die jeweiligen Reaktionen geübt werden, sondern auch in einer Anpassung der Ausrüstung. "Ein Teleskopschlagstock wäre vor 15 Jahren undenkbar gewesen. Heute ist er mit dabei", erklärt Knörr. Dennoch bekomme den kein Beamter ohne entsprechende Schulung. "Zudem ist im Hinterkopf immer vorhanden, das grundsätzlich das mildeste Mittel anzuwenden ist." Wenn allerdings das Leben eines Kollegen bedroht werde, "dann überlegt er nicht, ob er anschließend disziplinarrechtlich belangt wird." Umgekehrt werde es auch immer sauber aufgearbeitet, wenn ein Polizist daneben gelangt habe.

Ein weiterer Punkt wird die Bodycam sein, die auch Beamte in Donaueschingen in Zukunft einsetzen können. Dabei handelt es sich um kleine Schulterkameras, die konstant aufzeichnen und löschen, bis der jeweilige Beamte einen Knopf drückt, dann wird das Material festgehalten. "Wir erhoffen uns davon, dass unser Gegenüber erkennt, dass eine Aufzeichnung seines Verhaltens stattfindet und es dadurch zumindest im Bereich der Normen bleibt. Diese Erwartungshaltung darf er haben, wir allerdings auch." Das Material diene anschließend lediglich zur Beweissicherung.

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