Die Surfer auf dem Riedsee werden die letzten Sommertage sicherlich noch intensiv nutzen. Foto: Hahnel

Tief "Yvette" beschert auf dem Riedsee 6,5 Beaufort und gilt als Herausforderung

Von Florian Hahnel

Tief "Yvette" zum Sommerausklang – den Surfern auf dem Hüfinger Riedsee wurden noch einige knackige Stunden bei 22 Grad Wassertemperatur bereitet. Kurzzeitig blies "Yvette" mit sechseinhalb Beaufort.

Am Spitzentag waren 14 Windsurfer und sechs Kiter auf dem Wasser und erreichten teils Geschwindigkeiten von 50 Stundenkilometer. Lange hat man auf dem Riedsee keine "Spin-Outs" (Strömung reißt an der Finne ab, Brett dreht sich um 90 Grad) mehr gesehen – nun sollte es wieder einmal sein.

Zumindest bei ihrem Zug über die Baar gab sich Yvette extrem "löchrig" und war schwer zu fahren, sehr oft verdreifachte sich die Windgeschwindigkeit in superkurzen und manchmal nur wenige Sekunden währenden Böen. Die "Sturmphase" hielt immerhin eine knappe halbe Stunde, Surfer mit Neuner-Segel und Kiter mit zwölf Quadratmeter über sich waren am Rande ihrer körperlichen Leistungsfähigkeit.

Mit nur zwei Schlägen schaffte es ein Windsurfer von der Ufermitte des großen Riedsees bis 40 Meter an die Anlegestelle der Kiesbagger – "Yvette" bog sich dabei sogar um und über die kleine und gewöhnlich schützende "Schwanen-Halbinsel"; das hat Seltenheitswert.

Die Anfang des Monats voll in ihrem Element gewesenen Kiter mussten die Leichtwindmatten eingepackt lassen, doch selbst mit acht und zehn Quadratmeter messenden aufblasbaren Tube-Kites war so mancher zum Bodysurfen gezwungen und kam nicht mehr aufs Brett, besser gesagt, Wakeboard.

Surfer Lars Winheller fehlte diesmal, der Villinger urlaubt in Südfrankreich und mailte auf die Baar: " Bei uns manchmal neun Beaufort (80 Stundenkilometer), mehr als viereinhalb Quadratmeter nicht fahrbar." Winheller ist einer der wenigen "Riedsee-Locals", die mit ihrem Sport und ihrer Leidenschaft auch ein paar Euro verdienen. Der 33jährige Kunststofftechniker baut Finnen-Prototypen aus extrem leichter Kohlefaser, sein erstes Stück entstand vor 13 Jahren, damals noch in Zusammenarbeit mit dem "Bodensee-Guru" und Boardfabrikanten Günter Lorch.

Dass sich Windsurfer und Kiter auf dem doch recht kleinen Riedsee immer näher kommen, war nur eine Frage der Zeit, richtiggehend voll ist es auf dem Binnengewässer selten. Die beiden verwandten Funsportarten "verbinden" auch die hin und wieder zutage tretenden unterschiedlichen Weltanschauungen: Windsurfen ist von den legeren 1970er Jahren geprägt, Kitesurfen von den härteren 90er Jahren.

Das SUP-Paddeln ist als neuester Trend der Surferszene vor einem Monat am Riedsee angekommen. Eine Touristenfamilie ließ eine leichte Dreieinhalb-Meter-Planke ins Wasser, stellte sich darauf und legte mit dem Monopaddel mehr oder weniger schwungvoll los.

Und wie geht´s mit den Riedsee-Kitern weiter? Auch sie werden wohl schon im nächsten Wasser-Jahr einem internen Trend folgen und den Schwachwindbereich vollends abdecken. Unhooked (Kitebar nur in den Händen) bei säuselnden zwei Windstärken auf einem vom Wellenreiten bekannten Longboard cruisen – das spricht auch Damen und Kinder sowie generell jene an, welche von allzu deftigen Kiteszenen abgeschreckt sind.

Überlegungen zum Longboard-Kiten auf dem Riedsee sind schon angestellt, auch die Erstbefahrung der Donau per SUP soll stattfinden – zur Schneeschmelze 2011.

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