Das Band ist zerschnitten: Ab Sommer werden sich die französischen Soldaten aus Donaueschingen verabschieden. Ein herber Schlag, wie Bürgermeister Kaiser formuliert und Momente wie hier im Juni 2009 mit Bürgermeister Emil Blessing und OB Thorsten Frei endgültig der Vergangenheit angehören. Foto: Filipp Foto: Schwarzwälder-Bote

Deutsch-Französische-Brigade: Abzug der Franzosen wird ab Sommer 2014 viele Lücken hinterlassen

Von Franz-J. Filipp Donaueschingen. Ein schrecklich trauriger Tag für Donaueschingen: Das französische Verteidigungsministerium wird bereits im Sommer kommenden Jahres den Abzug des 110. Infanterieregiments im Zuge der Neustrukturierung und aus haushaltspolitischen Zwängen umsetzen. 827 Soldaten, 150 Zivilangestellte und rund 1000 Zivilisten sind von der Entscheidung betroffen. "Das ist eine riesige Zäsur für Donaueschingen, uns wird das Herz herausgerissen", so Donaueschingens Bürgermeister Bernhard Kaiser Minuten nach der Bekanntgabe der Entscheidung, die er absolut nicht verstehen könne.

Am Donnerstag hatte ihn die französische Standortverwaltung darüber informiert, sich mittags kurzfristig für ein Gespräch im Rathaus zur Verfügung zu halten.

Um 12.19 Uhr gab das französische Verteidigungsministerium eine Erklärung heraus, kurz darauf informierten ihn und Tobias Butsch von der Stabsstelle die Militärs persönlich über den Abzug. Seit Monaten habe man dies immer wieder fürchten müssen, sagte Kaiser, bis zur letzten Stunde aber auch gehofft, den Traditionsverband mit über 400 Jahren Geschichte zu erhalten. Eine Hiobsbotschaft gleich mit dazu für den Übersetzer am Rande der Runde, der für den Dialog ins Rathaus geeilt war: Sein Job wird im kommenden Jahr damit hinfällig sein.

Noch im Januar hatte man das Jubiläum 50 Jahre Elyseé-Vertrag unter besonderen Vorzeichen gefeiert und im Veranstaltungskalender der Stadt für 2014 ist bereits der 50. Jahrestag der Stationierung des 110. Infanterieregiments als Feier vermerkt.

Den 25. Jahrestag der Deutsch-Französischen-Brigade (DFB) wird man dennoch begehen können, da mit dem deutschen Jägerbataillon 292 ein Verband der Brigade in Donaueschingen verbleiben wird. Nicht zuletzt ein Verdienst des Abgeordneten Thorsten Frei (CDU), der in den vergangenen Wochen Gespräche auf höchster politischer Ebene in dieser Sache geführt habe, so Kaiser, der sich auf solide und abgesicherte Aussagen von Verteidigungsminister Thomas de Maizière am Donnerstag beruft. Auch an der im Juli vom Gemeinderat auf den Weg gebrachten Erweiterung des militärischen Übungsgeländes bei Grüningen und Aufen auf 170 Hektar Fläche mit Erneuerung der Schießanlage werde festgehalten.

Kein guter Tag für die DFB, kein guter Tag für die deutsch-französische Freundschaft, fasste der CDU-Bundestagsabgeordneter Thorsten Frei zusammen. Der frühere Donaueschinger OB hatte sich seit 2004 für den Standort Donaueschingen auf politischer Ebene eingesetzt. Damals schon wackelte mit der Reform des früheren Verteidigungsministers Peter Struck (SPD) der Standort des deutschen Jägerbataillons. In den Jahren 2008 und 2009 ging die Zitterpartie weiter.

Das stabile Fundament zweier Bündnispartner, von Angela Merkel und Nicolas Sarkozy 2009 gelegt, sei damit nicht mehr vorhanden, konstatierte Frei. Ein französisches Regiment irgendwo in Frankreich, dem die DFB unterstellt werde, könne auch nicht der Ausgleich und Nachlass einer gemeinsamen Verteidigungstrategie sein, die so ihrer Grundlage beraubt werde. Letztendlich habe sich diese Entwicklung aber in den vergangenen Monaten abgezeichnet durch die von Frankreich angestrebten Strukturreformen, die auch im französischen Weißbuch der Armee nachzulesen sind: 24 000 Soldaten einsparen. Jede Nation treffe in eigener Souveränität ihre Standortentscheidungen, so Frei. Aus Sicht des Abgeordneten hat die Bundesregierung alles unternommen, die Brigade in ihrer Struktur zu erhalten.

Frei ließ unschwer erkennen, dass es französische Lebensart in der bisher gewohnten Weise damit in Donaueschingen nicht mehr geben wird und nur noch in Müllheim und Illkirch-Graffenstaden Soldaten beider Nationen in einer Garnison künftig vereint sind.

Große Herausforderung für Stadtentwicklung

Ab Sommer 2014 soll der Rückzug umgesetzt werden, der nicht ohne wirtschaftliche Auswirkungen bleiben wird, denn aufgelöst wird damit auch ein ganzes Quartier mit Wohnungen, einer französischen Schule und anderen Einrichtungen der Bündnispartner rund um den Kasernenkomplex.

Donaueschingen verliert damit nicht nur Kaufkraft, sondern auch ein Stück Frankreich im Herzen der Stadt, sagte Kaiser. Zudem werden auch viele Dienstleister, Ärzte und Vereine durch den Wegzug der Franzosen betroffen sein. Einschnitte in gewachsene Strukturen und Freundschaften sind damit unweigerlich die Folge.

Rund 15 Hektar Fläche des frei werdenden Quartiers werden somit zur städtebaulichen Herausforderung, da die Gebäude sehr schnell frei werden. "Für uns geht es darum, das Heft des Handeln zu halten", skizzierte Donaueschingens Bürgermeister.

Ein erster Schritt werde es deshalb sein, Grundstücke rasch zu übernehmen. Eine Aufgabe, die sich auch sehr stark in die Finanzplanung und Stadtentwicklungsplanung über Jahre auswirken werde. Auswirkungen auf die Einwohnerzahl werde der Abzug nicht haben, wie Frei versicherte, da die Franzosen zum größten Teil in Donaueschingen nicht mit Erstwohnsitz gemeldet sind.

Auch Villingen wird schließlich von den jüngsten Entscheidungen tangiert. Mit voraussichtlich 300 Einwohnern weniger müsse die Baar-Metropole dann womöglich rechnen müssen, so Kaiser.

Anders als in Immendingen, wo das Verteidigungsministerium vom Bürgermeister selbst um eine Schließung der Kaserne gebeten wurde, um es dem Daimler-Konzern anzubieten, stemmt sich die Donaueschinger Verwaltungsspitze nun gegen die Standortschwächung, die mit der Schließung in Immendingen in den Jahren 2014/2015 und der Verlegung der Soldaten schließlich nach Stetten am kalten Markt bis zur Schließung des Übungsplatzes im Jahr 2017 in die nächste Runde geht.

In einer derzeit kritischen und aufgeheizten Atmosphäre auf politischer Ebene sei es aber nicht angezeigt, über möglich Verschiebungen und Kompensation zu spekulieren, erklärte Thorsten Frei. Man werde also abwarten müssen, um in weitere und klärende Gesprächen eintreten zu können. Alle Schritte werden sich jedoch an militärischen Prioritäten orientieren. Donaueschingens Fraktionssprecher werden am Montag darüber beraten, der Gemeinderat thematisiert die Entwicklung in der Sitzung am Dienstag.

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