Jährlich landen 1,3 Milliarden Tonnen Lebensmittel im Müll. Viele davon könnten jedoch noch anderweitig verwendet werden, da sie eigentlich noch in Ordnung sind. Foto: Burgi

Was noch gut ist, wandert möglichst nicht in die Tonne. Gute Planung und Profit für die Tafeln.

Donaueschingen - Fünf Prozent aller weggeworfenen Lebensmittel in Deutschland gehen auf das Konto von Supermärkten, das entspricht etwa 650.000 Tonnen Abfall.

Doch obwohl dies ein sehr geringer Prozentsatz ist, gibt es neben Geschäften, die versuchen alles zu verwerten - selbst das, was für den Handel unbrauchbar ist - natürlich auch Konzerne und Läden, welche nicht ganz so nachhaltig gesinnt sind und in Nahrung nur Profit sehen. Dazu haben wir uns bei Discountern und kleineren Geschäften in der Gegend informiert.

Edeka Südwest

"Unser Großhandelsunternehmen, unsere Produktionsbetriebe sowie unsere Kaufleute sind schon aus wirtschaftlichen Gründen daran interessiert, durch gute Disposition die Menge der aussortierten Lebensmittel so gering wie möglich zu halten", erklärt Florian Heitzmann, Pressesprecher von Edeka Südwest. Dabei setze man auf die langjährige Erfahrung der Mitarbeiter. "Bevor Lebensmittel dennoch weggeworfen werden müssen, nutzen wir andere Möglichkeiten, diese einer Verwendung zuzuführen. Hierbei arbeiten wir beispielsweise seit Jahren erfolgreich mit den örtlichen Tafeln zusammen."

Rewe

"Die Rewe Group engagiert sich seit Jahrzehnten erfolgreich dafür, dass so wenig Lebensmittel wie möglich vernichtet werden müssen. Mittlerweile verkaufen die Supermärkte (Rewe) und Discountfilialen (Penny) im Jahresdurchschnitt bis zu 99 Prozent ihrer Lebensmittel. Das Gros des verbleibenden Prozents stellen Rewe und Penny kostenlos den bundesweit über 940 lokalen Tafel-Initiativen zur Verfügung", sagt Kristina Schütz, Pressesprecherin der Rewe Group. Das gelte für Lebensmittel, die nicht mehr verkauft, aber dennoch bedenkenlos verzehrt werden können. Dazu zähle etwa der Joghurt, dessen Mindesthaltbarkeitsdatum zeitnah ablaufe, oder der Apfel mit einer Druckstelle. Grundsätzlich handele es sich um frische und/oder unverpackte Lebensmittel wie Milch, Joghurt sowie Obst und Gemüse. "Nicht an die Tafeln abgegeben werden Lebensmittel, die Mängel haben, verdorben sind. Hier hat ein Handelsunternehmen keinen Handlungsspielraum – Verbraucherschutz geht vor", so Schütz.

Metzgerei Holwegler

Der Betrieb setzt auf Transparenz und die gute Zusammenarbeit mit Landwirten aus der Nähe. "Wir versuchen möglichst alles vom Tier zu verwerten, da Nachhaltigkeit äußerst wichtig ist", sagt Martina Holwegler. Die Haut vom Rind werde in die Lederherstellung gegeben, Knochen würden an die Industrie, beispielsweise für die Herstellung von synthetischen Fetten verkauft. In die Medizin wiederum gehe der Schweinedarm für Heparin. Zweimal die Woche gehe es für sie dann in die Hundefutterfabrik, um die letzten Reste verwerten zu lassen. Da sie ihr Vieh selber schlachten, obwohl dies ziemlich kostenineffizient sei und viel Aufwand benötige, hätten sie einen verstärkten Respekt vor dem Tier und würden es nicht fertigbringen ein Tier zu schlachten, welches danach im Müll lande. Auch wenn sie einen Laden betreibe, in dem Frische ein Schlüssel zum Erfolg sei, lasse sich das Fleisch für die nächste Woche entweder einfrieren oder vakuumieren. Auf diesem Weg schaffe es die Metzgerei erfolgreich, ihre Lebensmittelabfälle gegen null pegelnd zu halten.

Lebensmittelmarkt Rahn

In dem Minimarkt Georg Rahn halten sich Lebensmittelabfälle in Grenzen, so Geschäftsführer Timm Kursch. Doch es sei sehr situationsabhängig, da beispielsweise im Sommer Sachen schneller ungenießbar werden und sich die Bedürfnisse und Anzahl der Kunden stetig ändere, erklärt er. Der Großteil der Abfälle bestehe aus Obst, Gemüse und Milchprodukten. Oft werde behauptet, dass in Supermärkten das Obst bei jeder kleinen Macke verkaufsuntauglich werde. Hier werde es jedoch für den Eigenbedarf verwendet.

Timm Kursch möchte Kunden den bewussten Konsum vermitteln

Auch wenn der Laden nichts an Organisationen wie die Tafel spende, würden so die meisten der noch genießbaren ladenuntauglichen Lebensmitteln verwertet. Jedoch sei der Supermarkt indes für eine Veränderung bereit und versuche Abfällen durch bessere Kalkulation vorzubeugen. "Wichtig ist auch, dem Kunden einen bewussten Konsum zu vermitteln", so Kursch. Das sei ein weiteres Ziel, das angestrebt werde.

Reformhaus Klink

"Wir hatten auch Brot, das übrig geblieben ist. Das haben wir dann günstig verkauft, und es wurde auch angenommen. Jetzt haben wir den Bestand entsprechend reduziert", sagt Karin Weißhaar vom Reformhaus Klink. Das Bewusstsein, wenig verkommen zu lassen, sei im Laden, wie auch bei den Kunden präsent. "Es ist ja auch die Frage, ob man auch noch abends die Regale mit Backwaren gefüllt haben muss, oder nicht einfach etwas reduziert."

Saisonartikel werden oft zu Sonderpreisen angeboten

Im Laden gebe es viele Saisonartikel, die dann auch mal liegen bleiben: "Wir achten verstärkt darauf, dass etwas, sollte es noch einige Wochen haltbar sein, dann zu einem Sonderpreis angeboten wird", so Weißhaar. Bei manchen Kunden sei das kein Problem, andere hingegen seien sehr sensibel. Ist das Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) überschritten, werde fortgeworfen. "Wir erklären das dann auch. Ein verschlossener Joghurt ist auch drei Wochen nach MHD noch gut. Wenn er dann geöffnet wird, sollte er allerdings schnell verbraucht werden." Problematisch seien frisches Fleisch und Öle, die schnell ranzig werden können.

Auch wenn zumeist die großen Supermärkte und Discounter für die große Menge an Lebensmittelabfällen angeklagt werden, fällt auf diese laut einer Studie des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft lediglich ein Prozentsatz von fünf Prozent zu. Den Großteil bilden mit stolzen 61 Prozent, das entspricht etwa acht Millionen Tonnen, die Haushalte. Jedoch ist zu erwähnen, dass die meisten Abfälle im Haushalt aus dem Supermarkt kommen.

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