Donaueschingen - Widerstand weckt die jüngst im Gemeinderat gefällte Entscheidung, die Brücke über die Breg bei Allmendshofen nicht adäquat, sondern lediglich durch eine Fußgänger- und Radbrücke zu ersetzen.

Die angerostete Stahlbrücke macht auf den ersten Blick nicht den Eindruck, dass sie beim nächsten Windstoß einstürzen könnte, und sie stemmte noch im vergangenen Sommer Traktoren mit schweren Anhängern. Doch es zweifelt niemand das Expertengutachten und die damit seit Jahresbeginn einhergehende Sperrung des 120 Jahre alten Viadukts über die Breg in Allmendshofen durch die Stadtverwaltung an. Denn schon lange ist deren Baufälligkeit bekannt und schon seit einigen Jahren genossen nur noch die einheimischen Landwirte das Überfahrtsrecht.

Der Gemeinderat hat nun entschieden, diese Brücke lediglich durch eine Fußgänger- und Radbrücke zu ersetzen. Es sind wieder einmal die Kosten, die zu dieser in Allmendshofen unpopulären Mehrheitsentscheidung geführt haben. Rund 400 000 Euro soll die kleine Brücke kosten, mit 800 000 Euro müsste man für eine große Brücke kalkulieren, hieß es in der Ratsvorlage der Verwaltung. Und da der Haushalt in diesem Jahr auf Kante genäht ist, entschied man sich nach längerer Diskussion letztlich für die billige Variante.

Reaktionen blieben nicht aus: Mehrfach trafen sich bis zum 20 Allmendshofener zu Gesprächen im Rathaus, weil man diese Entscheidung nicht akzeptieren wollte. Zwar sei der Umweg über den Zubringer und die Georg-Mall-Brücke von der Strecke her zumutbar, nicht aber wegen des dichten Verkehrs. Aus dem Dorfkern in Richtung Hüfingen abbiegen sei fast unmöglich und gefährlich, sagt Hans-Jörg Fritschi, einer Landwirte, mit Verweis auf die täglich über 4200 Fahrzeuge auf der Friedrich-Ebert-Straße, so viele wie auf dem Hindenburgring. Die kleine Traktor-Demo vor einer Woche zeigte sehr schnell, dass sich der Verkehr umgehend anstaut, wenn ein langsamer Traktor hier unterwegs ist.

Der nächste Schritt ist nun eine Bürgerversammlung am kommenden Dienstag, 29. März, 20 Uhr, im Rathaus. Die roten Einladungen wurden bereits in den Häusern verteilt. Und OB Erik Pauly und einige Fraktionsvertreter haben bereits zugesagt.

Und in der Versammlung wird schnell deutlich werden, dass die Brücke nur das Tüpfelchen auf dem i der Enttäuschungen und Unzufriedenheiten in Allmendshofen ist. Seit Jahren habe die Stadt im Stadtteil keine größere Investition mehr getätigt. Den DJK-Kunstrasen habe man zwar zur Hälfte subventioniert, doch im Dorf selbst fällt dem Betrachter nur der langsame Zerfall des schmucken Rathauses auf. "Seit Jahren warten wir auf die Sanierung, die nun endlich kommt. Aber über Jahre wurde sie immer wieder geschoben und bei den jüngsten Haushaltsberatungen gab es ja erneut einen Vertagungsantrag", kritisiert Fritschi den Umgang mit Allmendshofen, das leider keinen Ortschaftsrat wie andere Stadtteile habe.

Auch bei der Abholzaktion der Bahn am Eisenbahnweg vor vier Jahren, als die Bahn zur Streckensicherung die Kronen von Fichten kappte und den verdorrenden Rest lange stehen ließ, fühlten sich die Allmendshofener von der Stadt allein gelassen.

Info: Vorgeschichte

Unter den Nationalsozialisten gab es im ganzen Land Zwangseingemeindungen. Schon 1933 wurde Allmendshofen in die Stadt Donaueschingen eingemeindet, Aufen kam 1935 hinzu. Die übrigen Stadtteile folgten in der Gemeinde- und Kreisreform der 1970er-Jahre. Dennoch haben Dorf und Bürger mit seinen Aushängeschildern DJK und MGV den eigenständigen Charakter bewahrt. Der Zusammenhalt wird auch bei der Fasnet deutlich, wenn Allmendshofen zwei von sechs Motivwagen stellt. Und da sind ja auch noch die Schlauchlosen, wie sich die ehemaligen Feuerwehrmänner nennen. 1996 sollte der Löschzug der Kernstadtfeuerwehr einverleibt werden. Damit war man einst nicht einverstanden, und man quittierte geschlossen den Dienst.