Frankreich zieht seine Soldaten aus Donaueschingen ab. Foto: Filipp

Infanterieregiment in Donaueschingen wird aufgelöst. Zieht Jägerbataillon 292 in Zollernalb-Kaserne nach Meßstetten?

Paris/Donaueschingen - Frankreich löst ein in Donaueschingen (Schwarzwald-Baar-Kreis) stationiertes Infanterieregiment auf. Die zur Deutsch-Französischen Brigade gehörenden Soldaten werden im kommenden Jahr in die Heimat zurückkehren müssen, wie das Verteidigungsministerium in Paris am Donnerstag mitteilte. Hintergrund seien die geplanten Einsparungen im Militärhaushalt. Betroffen sind nach Angaben einer Sprecherin 827 Soldaten und 150 Zivilangestellte. Insgesamt gehören knapp 4800 Soldaten zur Deutsch-Französischen Brigade.

„Ich bedauere die französische Entscheidung“, kommentierte Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU). Damit werde der letzte in Deutschland stationierte rein französische Verband aufgelöst. Das Regiment habe einen langjährigen und erfolgreichen Beitrag zur gelebten deutsch-französischen Freundschaft geleistet.

Über ein möglichen Abzug der Soldaten war schon vor einigen Wochen spekuliert worden. Militärs warnten damals vor einer Schwächung der Deutsch-Französischen Brigade, zu der das 110. Infanterieregiment in Donaueschingen zählt.

Wichtiges Symbol der deutsch-französischen Zusammenarbeit

Um den Verlust auszugleichen, werde ein in Frankreich stationiertes Regiment mit noch höherer Einsatzkraft bereitgestellt, teilte das französische Verteidigungsministerium nun mit. Grundsätzlich werde Frankreich künftig genauso viele Militärs in Deutschland stationiert haben wie Deutschland in Frankreich. Dies seien rund 500.

Über eine Optimierung der Deutsch-Französischen Brigade gibt es den Angaben aus Paris zufolge derzeit Gespräche mit Berlin. „Die Weiterentwicklung der Deutsch-Französischen Brigade hinsichtlich Wirksamkeit und Einsatzperspektive ist und bleibt gemeinsames Anliegen beider Nationen und auch weiterhin Gegenstand des fortgesetzten Austausches“, teilte de Maizière mit. Die Brigade gilt als ein wichtiges Symbol der deutsch-französischen Zusammenarbeit. Sie wurde 1987 von Helmut Kohl und François Mitterrand ins Leben gerufen und umfasst rund 5000 Soldaten.

Für Donaueschingen ist die Entscheidung ein schwerer Schlag. Das deutsche und französische Militär sei für die 21.000 Einwohner zählende Stadt im Schwarzwald sowie für die Region ein wichtiger Arbeitgeber und Wirtschaftsmotor, hatte Bürgermeister Bernhard Kaiser gesagt, als es vor kurzem wieder Spekulationen über den Abzug der Soldaten gab. Kaiser hatte die deutsche Regierung aufgefordert, sich für den Erhalt der Brigade und des Standorts Donaueschingen einzusetzen. Das Regiment war seit 1964 in Donaueschingen stationiert und seit 1989 der Deutsch-Französischen Brigade unterstellt.

Jägerbataillon 292 nach Meßstetten?

Auch für das ebenfalls in Donaueschingen stationierte Jägerbataillon 292 könnte der Abzug Konsequenzen haben: Laut Südwestrundfunk ist es möglich, dass es in die frei gewordene Zollernalb-Kaserne nach Meßstetten umzieht.

Seite 2: Gedrückte Stimmung in Donaueschingen

(dpa/lsw)

Donaueschingen - Viele Soldaten der Deutsch-Französischen Brigade in Donaueschingen (Schwarzwald-Baar-Kreis) haben enttäuscht auf den Abzug von knapp 1000 französischen Kameraden reagiert. „Das sind gerade sehr gemischte Gefühle - das ist ja auch nachvollziehbar“, sagte eine Sprecherin der Brigade am Donnerstag. „Für viele hängt hier natürlich auch eine private Existenz dran. Aber das gehört zum Soldatenberuf - auch die deutschen Soldaten werden regelmäßig versetzt.“

Die Soldaten waren kurz zuvor darüber informiert worden, dass Frankreich sein in Donaueschingen stationiertes 110. Infanterieregiment auflöst. 827 Soldaten und 150 Zivilangestellte müssten im kommenden Jahr in ihre Heimat zurückkehren. Hintergrund sind Einsparungen im französischen Militärhaushalt.

Seite 3: Kretschmann sieht Garnisonsstandort nicht gefährdet

(dpa/lsw)

Donaueschingen - Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) ist zuversichtlich, dass Donaueschingen trotz des Abzugs von fast 1000 französischen Soldaten Garnisonsstadt bleibt. Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) habe erst vor kurzem zugesichert, dass das deutsche Jägerbataillon 292 in Donaueschingen stationiert bleibe, sagte er am Donnerstag in Stuttgart.

„Diese Zusage von Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière steht. Das ist gut und ein Trost für die Stadt Donaueschingen und für das Land“, sagte Kretschmann. Dieses deutsche Bataillon besteht aus 650 Soldaten und 80 Zivilbeschäftigten.

Trotzdem bedauere er den Abzug der französischen Soldaten des 110. Infanterieregiments, sagte Kretschmann. „Das Regiment ist ein wichtiger Bestandteil der deutsch-französischen Brigade.“

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