Ghosthunter (Geisterjäger) wie Michael Zajons aus Donaueschingen zieht es an gruselige Orte. Sie untersuchen sie und berichten davon im Internet. Foto: Zajons

Donaueschinger besucht Spuk-Orte in ganz Europa. Michael Zajons ist Teil der Ghosthunter-Szene, die sich dem Grusel hingibt.

Donaueschingen - Am heutigen Halloween-Tag sieht man so manch gruselige Gestalt. Manche Menschen suchen den Spuk das ganze Jahr über. So auch ein Donaueschinger "Geisterjäger", der zu Ghosthunter-Szene gehört.

Geheimnisvolle Plätze aufzustöbern, sie nach akribischer Recherche zu beschreiben und auf einer Homepage zu dokumentieren: Diesem Hobby haben sich immer mehr Anhänger verschrieben. Sie gehen auf die Jagd nach den Schatten von gestern.

Eine Gänsehaut bei den Szenarien vor Ort und der Austausch untereinander auf Internetseiten ist den mittlerweile rund 6000 Gleichgesinnten in Deutschland der Lohn ihrer Angst.

Ihnen geht es dabei jedoch nicht um angespitzte Pfähle, die, wie im Film, durchs Herz der Vampire getrieben den schaurig-schönen Reiz ausmachen. Die Passion, auf den Spuren des Verfalls zu wandeln, ist für die selbst ernannten Ghosthunter (Geisterjäger) vielmehr ein vergnügliches Hobby.

Einer, der solche Momente genießt, ist der Donaueschinger Michael Zajons. Der gebürtige Gelsenkirchener und Augenoptiker hat bereits im Kindesalter seine Vorliebe für das Schauerliche entdeckt. Während andere Jungen in seinem Alter auf Bäume kraxelten, suchte er die Stille verwunschener Zechen und Fabrikhallen.

Er stößt auf eine magische Villa in Dortmund

Die Frage, ob es übernatürliche Phänomene wirklich gibt, ließ ihn vor neun Jahren im Internet recherchieren und nach unheimlichen, menschenleeren Orten forschen. Dabei stieß er auf eine verlassene Villa bei Dortmund, die als ein solcher magischer und vom Spuk beseelter Ort beschrieben wurde. So soll den Erzählungen nach in Hohensyburg ein Pfarrer seine Familie umgebracht und dann sich selbst gerichtet haben. Das Anwesen gilt seitdem als Spukhaus.

Die Neugier packte den 32-Jährigen, woraufhin es ihn in dunkle Kellerecken und von Spinnweben verhangene Dachböden zog – Orte, an denen "normale" Menschen denken: Nichts wie weg hier. Die Suche nach immer neuen Stätten der Angst ist so zu seinem Hobby geworden – einer Freizeitbeschäftigung, die seine Frau Katharina und Tochter Cindya nicht ganz teilen.

Seine Leidenschaft für das Gruselige und Verwunschene führte Zajons inzwischen nach England, Belgien und sogar nach Rumänien, die Heimat Draculas. Über 500 solcher Orte hat er bereist und die Fotoaufnahmen und Beschreibungen auf seiner Website veröffentlicht.

Auch Makabres lässt sich dort finden: Etwa Tuberkulosekliniken, die es dem Hobby-Ghosthunter nach eigener Aussage besonders angetan haben. Dabei lässt so eine Reise in die Vergangenheit stets auch so manch düsteres Menschenschicksal aufleben, wie etwa in ehemaligen Heilanstalten aus der NS-Zeit. Und was da alles in den verfallenen Gebäuden rumliegt: In einer alten Veterinärklinik in Belgien hat Zajons im Untergeschoss Tierpräparate in Glaskästen entdeckt, die noch genau so in den Regalen standen wie zu dem Zeitpunkt, als die Wissenschaftler das Haus verlassen haben. Das war wohl das Unheimlichste, was er je erlebt habe.

Bei seinen Streifzügen richtet Zajos sich stets nach dem Ehrenkodex der Ghosthunter-Szene: Nimm nichts mit, außer Erinnerungen – in diesem Fall fotografische. Denn ein bisschen Angst haben die Ghosthunter dann doch: Werden die Orte bekannt, kommt es häufig zu Vandalismus.

Seine Ausrüstung sind Geigerzähler und Infrarotlichtkamera

Inzwischen bietet "Lao", so der Codename des Donaueschingers in einschlägigen Foren, als Teamleader von www.ortederangst.de auch seine Dienste an, um das Paranormale auf Anfrage zu ergründen. Mit einem EMF-Meter – dem Geigerzähler für Ghosthunter – untersucht er das Magnetfeld an Spukorten, nimmt Bewegungen per Infrarotlichtkamera auf und lässt sich von Betroffenen die Hintergründe erzählen. Gruselgeschichten eben.

Weitere Informationen: 

www.ortederangst.de