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Donaueschingen An Drückjagd im Längewaldscheiden sich die Geister

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Rund 250 Jäger werden an der Drückjagd am Samstag teilnehmen und dabei in den Waldgebieten von Hondingen, Fürstenberg und Neudingen auf einer Fläche von 3000 Hektar Wildtiere ins Visier nehmen. Foto: Gentsch

Donaueschingen - Beim Thema Jagd scheiden sich die Geister. Männer und Frauen, die mit einem Jagdgewehr auf Wildtiere anlegen, polarisieren.

Die Einen betrachten die Jagd als notwendige Methode, das natürliche Gleichgewicht im Wald aufrechtzuerhalten. Oder wiederherzustellen. Forstämter und Jäger sehen sich in der Pflicht, den Wald und Landwirte vor zu großen Schäden durch Wildtiere zu bewahren. Zudem wird die Jagd oftmals als Hobby betrieben, die Jäger haben Spaß daran. Tierschützer fordern dagegen die Abschaffung der Jagd: Sie wollen die Natur wieder sich selbst überlassen und das Töten durch den Menschen stoppen. Ihrer Ansicht nach würden sich die Populationen ohne das Eingreifen des Menschen selbst regulieren.

Am Samstag findet nun im Längewald eine revierübergreifende Drückjagd statt und es stellt sich die Frage: Handelt es sich um Naturschutz oder Tierquälerei?

Bei der Veranstaltung am Samstag wird auf der gesamten Länge – also in den Waldgebieten der Gemarkungen Hondingen, Fürstenberg und Neudingen – auf einer Fläche von 3000 Hektar gejagt, wie Fürstenberg-Forst-Betriebsleiter Jens Borchers berichtet. Rund 250 Jäger sind daran beteiligt und agieren nicht nur auf ihrem eigenen Jagdgrund, sondern revierübergreifend.

Im Visier steht das Schalenwild: Sika-, Rehwild und Wildschweine sind zum Abschuss freigegeben. Beim Sikawild handele es sich um eine aus Japan eingeführte Hirschart, die besonders große Schäden im Wald anrichte. Laut Borchers sei der Wildschweinbestand im Schwarzwald und auf der Baar so hoch wie wahrscheinlich noch nie, weshalb großer Handlungsbedarf bestehe, insbesondere, da die afrikanische Schweinepest inzwischen bis in den deutsch-belgischen Grenzbereich vorgedrungen sei. Bei der Jagd soll nun so viel Wild wie möglich erlegt werden, denn Borchers ist der Meinung: "Tendenziell wird von allem zu wenig geschossen."

Konzept soll in den kommenden Jahren beibehalten werden

Fürstenberg-Forst und das Kreisforstamt Schwarzwald-Baar initiieren mit der Jagd am Samstag zum ersten Mal eine revierübergreifende Drückjagd im Längewald und wollen dieses Konzept in den kommenden Jahren beibehalten. Im Gegensatz zur Treibjagd werden die Tiere dabei überwiegend von Hunden eher langsam in Bewegung gesetzt: "Das Wild kennt ja die Grenzen der Jagdgebiete nicht. Wenn die Jäger also einzelne Bewegungsjagden veranstalten, passiert es oftmals, dass sich die Tiere ins angrenzende Gebiet flüchten, wodurch längst nicht so effektiv gejagt werden kann", erörtert Borchers. Zumal insbesondere Wildschweine große Strecken zurücklegen könnten. Auch für die Tiere sei eine einmalige große Jagd deutlich schonender als sie immer wieder in verschiedenen Gebieten aufzuhetzen. "Der Trend geht allgemein zu revierübergreifenden Jagden."

Von 8 Uhr bis 15 Uhr ist deshalb am Samstag das gesamte Gebiet des Längewaldes für die Bevölkerung gesperrt. Auch Waldbesucher, die ihr eigenes Brennholz schlagen und abtransportieren möchten, werden gebeten, auf einen anderen Tag auszuweichen.

Landesnaturschutzverband: Gerhard Bronner, Leiter des Landesnaturschutzverbandes Baden-Württemberg, teilt die Meinung der Forstverwaltung: "Für die Tiere, die bei der Jagd getötet werden, ist es natürlich egal: Sie sind am Ende tot. Für alle anderen ist die einmalige Aufregung allerdings schonender." Vor allem sei die effektivere Jagdweise positiv zu bewerten, da der zu hohe Wildbestand eine ernst zu nehmende Bedrohung für den Wald darstelle, so Bronner.

Der Badische Landwirtschaftliche Hauptverband fordert seit Jahren eine effizientere Regulierung der Wildschweinpopulationen. "Eine solche Jagd, auf der revierübergreifend agiert wird, empfinden wir als durchweg positiv. Das Vorhaben hat Vorbildcharakter und so hoffen wir, dass sich Jäger in anderen Regionen daran ein Beispiel nehmen und ebenfalls kooperieren werden", erklärt der stellvertretende Hauptgeschäftsführer Michael Nödl.

Überduchschnittlich viele Eicheln und Bucheckern

Solche Großjagden seien dieses Jahr besonders notwendig, da es im Wald überdurchschnittlich viele Eicheln und Bucheckern gebe, die den Wildschweinen zur Nahrung dienen: "Ein einzelner Jäger streut normalerweise etwas Mais aus, um die Tiere anzulocken, bevor er ihnen auf dem Hochsitz auflauert. Durch das große natürliche Nahrungsangebot geht diese Taktik aber oftmals nicht auf, weshalb auf Einzeljagden kaum Tiere erlegt werden."

Gleichzeitig sei es wichtig, so Nödl, dass es keine sogenannten Gebietsbeschränkungen gebe. Den Jägern müssten alle Tiere zum Beschuss freigegeben werden, unabhängig von Größe und Geschlecht. Davon ausgenommen seien Bachen mit Frischlingen. "Wir möchten auch das Land an seine Zusagen erinnern, die Jäger bei der Vermarktung des Fleisches stärker zu unterstützen", mahnt Nödl an. Wildschweinfleisch sei in der Bevölkerung nach wie vor nicht sehr beliebt. Die irrationale Angst vor der afrikanischen Schweinepest, die tatsächlich nicht auf den Menschen übertragbar sei, tue dabei ihr Übriges.

Landwirte fürchten die Auswirkungen der Schweinepest

Für die Landwirte sei die Reduzierung der Wildschweinbestände aus zweierlei Gründen dringend erforderlich: Zum einen müssten sie sich tatsächlich vor der weiteren Ausbreitung der Schweinepest fürchten, und zum anderen sei es dieses Jahr zu enormen Schäden auf Wiesen und Feldern durch Wildschweine gekommen, wie Nödl berichtet: "Die Wildschweine durchwühlen die Wiesen auf der Suche nach Engerlingen und Würmen und zerstören dabei die Grasnarbe." Fatal in einem Sommer, in dem das Gras aufgrund der Hitze sowieso kaum gewachsen sei. Den Bauern fehle die Nahrung für ihre Tiere.

"Wir lehnen jede Art von Jagd ab. Die Bewegungsjagden sind jedoch nachweislich eine besonders grausame Methode, denn entgegen des Ehren-Kodex der Jäger wird oftmals auf Tiere in Bewegung geschossen. Da ist es viel schwieriger, einen tödlichen Treffer zu erzielen, und so führen viele Tiere einen langen Todeskampf." Nadja Michler, Fachreferentin für Wildtiere bei der Tierschutzorganisation Peta, setzt sich für das Wohl der Wildtiere ein, die genau wie domestizierte Arten unter das Tierschutzgesetz fallen. Nach einer Studie der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz, deren Mitglieder zugleich als Jäger und im Tierschutz aktiv sind, seien beispielsweise bei Drückjagden in Hessen zwei Drittel der Wildschweine nicht durch einen gezielten Blattschuss getötet worden, sondern hätten Waidwund-, Keulen- oder Laufschüsse aufgewiesen.

Beim Rehwild seien Bauchschüsse bei zwei Drittel der Weibchen und einem Drittel der Männchen entdeckt worden. "Das Wild kämpft bis zum Schluss. So kommt es vor, dass Tiere mit schwersten Verletzungen der Eingeweide oder gebrochenen Beinen stundenlang durch den Wald flüchten", beschreibt Michler die Folgen. Zusätzlich bedeute der Einsatz von Hunden, die sich zum Teil in die verletzten Tiere verbeißen würden, für diese enorme Qualen und Stress. Dabei gebe es wissenschaftliche Studien, so Michler, die belegten, dass die Jagd den Wildbestand nicht regulieren könne beziehungsweise sogar erhöhe: "In Deutschland werden immer mehr Wildschweine geschossen, gleichzeitig nimmt der Bestand konstant zu. Das liegt mitunter daran, dass die Tiere durch die Jagd früher geschlechtsreif werden und sich somit vermehrt fortpflanzen."

Tierschützer fordern das Ende der Hobbyjagd

In jagdfreien Gebieten sei bereits bewiesen worden, dass sich die Bestände durch die drei Faktoren Klima, Krankheit und Nahrungssuche selbst am besten regulieren würden. Hinzu komme, dass bei den Veranstaltungen hauptsächlich Hobbyjäger agieren würden. "In Deutschland stehen 380 000 Hobbyjäger etwa 1000 Berufsjägern gegenüber. Die Jagd ist eine Art Sport, für die man im Internet Plätze buchen kann. Viele dieser Hobbyjäger schrecken nicht davor zurück, auch auf Tiere in Bewegung zu schießen. Deshalb fordern wir als ersten Schritt das Ende der Hobbyjagd", verdeutlicht die Referentin ihren Standpunkt und fügt an: "Im 21. Jahrhundert und im Rahmen der Tierschutzgesetze haben solche Veranstaltungen nichts mehr zu suchen."

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