Die Zukunft: Die Kinder des deutsch-französischen Kindergartens und der Schule singen die Europahymne und setzen so ein Zeichen für Freiheit, Frieden und Solidarität. Die deutsch-französische Freundschaft wird weiter bestehen, auch wenn die französischen Soldaten und ihre Familien nicht mehr in der Stadt präsent sind. Foto: Jakober

Letzter Appell für Soldaten und Zivilangestellte in Donaueschingen hat familiären Charakter. Freundschaft wird weiterleben.

Donaueschingen - Mit den militärischen Regeln wurde es nicht mehr ganz so genau genommen: Schließlich galt es auch mehr Zivilangestellte als Soldaten zu verabschieden.

Und so hatte der letzte Appell einen familiären Charakter. Zwar werden noch einige Franzosen bis im Juli in der Stadt bleiben, doch es war die letzte Möglichkeit noch einmal gemeinsam zusammenzukommen und Abschied zu nehmen von der Stadt, die für viele Jahre ein Zuhause war und in der die deutsch-französische Freundschaft erst aufgebaut und anschließend in unmittelbarer Nachbarschaft gelebt wurde. Und auch wenn die Nachricht aus Paris, dass der letzte französische Standort auf deutschem Boden aufgelöst werden soll, schon eineinhalb Jahr alt ist, wehmütig stimmt die Tatsache auch noch heute. 70 Jahre französische Präsenz gehen zu Ende, aber die Freundschaft, dessen sind sich viele sicher, wird erhalten bleiben.

Aus Feinden und Besatzern sind Freunde geworden

OB Erik Pauly: "Es ist eine traurige Stunde, in der wir unsere französischen Freunde verabschieden müssen", sagte er. Nirgendwo anders könnte besser betrachtet werden, wie aus Erzfeinden erst Besatzer und dann Freunde geworden sind. "Es war ein trauriger Anlass, als die Fahne vom Fahnenmasten heruntergeholt werden musste. Aber in unserem Herzen wird sie weiter wehen." Donaueschingen werde die französischen Freunde immer in guter Erinnerung behalten.
Erinnerungen bleiben als wesentliches Element bestehen

Oberst Franck Catany: "Ich habe erlebt, als französische Truppen noch von Berlin bis Konstanz verteilt waren", sagt Catany. Dass nun der letzte Standort auf deutschem Boden aufgelöst wird, sei – auch wenn es traurig stimme – ein markanter Punkt in der deutsch-französischen Geschichte. Denn schließlich seien die 70 Jahre der militärischen Präsenz in der Stadt nicht von Anfang an durch Zusammenarbeit geprägt gewesen.

Oberstleutnant Alexander Stühmer: Freiheit, die man sich gegenseitig zugesteht, lasse den Wert einer Beziehung steigen. "Und es ist ein Zeichen von Vertrauen, wenn in Paris entschieden wird, uns unsere Freiheit wiederzugeben." Zwar sei die Kaserne durch den Abzug der Franzosen mit anderen Regeln, Schwerpunkten und Standards deutscher geworden, aber die Zusammenarbeit wird fortgesetzt.

So waren vor kurzem beispielsweise ein Zug des ersten Infanterieregimentes in Donaueschingen. Gemeinsam wurden deutsche und französische Soldaten ausgebildet. Diese Integrationstrainings werden auch zukünftig fortgesetzt. Und die französische Fahne, die gestern zwar vom Masten heruntergeholt wurde wird sie an anderer Stelle in der Kaserne wieder wehen. "Die Erinnerungen bleiben und das ist das Wesentliche", sagt Stühmer und fügt hinzu. Freundschaften würden umso intensiver, je weiter weg der Andere ist. "Es ist wie mit der Heimat, die man auch erst zu schätzen weiß, wenn man weg ist."

Wie sehr der europäische Gedanke aus der Donaueschinger Kaserne hinaus getragen wird, zeigte der Nachwuchs aus dem französischen Kindergarten und der Schule, als die Kinder das Europalied anstimmten. Und das Protokoll unterbrochen wurde, damit die gerührten Erwachsenen ordentliche Applaus spenden konnten. Lange wehten die deutsche und die französische Fahne am Exerzierplatz. Seit gestern ist dort nur noch die deutsche Fahne zu sehen.

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