Foto: Marc Eich

110. Infanterieregiment ab sofort aufgelöst. Oberbürgermeister Erik Pauly hält den Auflösungsentschluss für falsch.

Donaueschingen - "Ein Stück Geschichte ist abgeschlossen." Colonel Olivier Waché, Kommandeur des 110. Infanterieregiments, muss einen Schlussstrich unter eine lange Historie ziehen. Heute wird die Regimentsfahne an den Generalin-spekteur übergeben, das 110. ist dann Geschichte.

Oberbürgermeister Erik Pauly erhielt gestern Abend bei seiner Rede nach der Abschiedsparade Applaus für den Satz: "Aus vielerlei Gründen halte ich den Auflösungsentschluss für falsch." Er sprach damit an, was viele denken. Er äußerte sich dahingehend, dass man die Deutsch-Französische Brigade mit dem Standort Donaueschingen auch als politisches Freundschaftssymbol sehen müsse und dies sei mehr als nur Finanzen.

Er selbst hat als Reserveoffizier eine besondere Beziehung zur Deutsch-Französischen Brigade. Denn einen Teil seines Militärdienstes leistete er in Böblingen ab. Er sei damals beim Antrittsappell dabei gewesen, als die Brigade gegründet wurden und die Barretts der jeweiligen Teiltruppen in einheitliche getauscht wurden.

"Der französische Soldat gehört zum Stadtbild dazu", kommentierte er das Selbstverständnis vieler Donau-eschinger in ihrem Bezug auf das Militär.

Colonel Olivier Waché nannte die Auflösung eine schwierige Mission, vor allem da sein 110. Infanterieregiment ab heute nicht mehr existieren wird, somit geht eine fast 300 Jahre währende Geschichte zu Ende. Er zeigte sich aber auch überzeugt, dass die Soldaten in anderen Einheiten Karriere machen werden und die Erfahrungen aus Donaueschingen, mitnehmen werden.

Zum Abschluss erhielt die Stadt Donaueschingen von "ihren" Franzosen noch ein Andenken: ein großes Bild, welches das Abzeichen des 110. darstellt. Viele Donau-eschinger waren gestern zu der Verabschiedung gekommen. Zunächst traf man sich am Musikantenbrunnen, dort spielte die Militärmusik "Musique de la 9ème Brigade d’infanterie de Marine". Sie begeisterten die Zuhörer mit ihrer ungewöhnlichen Zusammenstellung der Instrumente. Da es eine bretonische Einheit ist, waren unter anderem Dudelsäcke zu hören. In Begleitung ihres Spiels marschierten dann die Franzosen aus der Kaserne vorbei, bis zum Appellplatz auf dem Parkplatz vor den Donauhallen. Dort gab es die offizielle Verabschiedung der Militärs.

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