Landratsamt belegt frühere Wohnungen von Militärangehörigen der französischen Streitkräfte in Donaueschingen.
Donaueschingen - Voraussichtlich schon ab Januar stehen in Donaueschingen 230 weitere Plätze in früheren Wohnungen von Militärangehörigen der französischen Streitkräfte für die Unterbringung von Flüchtlingen zur Verfügung.
Vor genau einem Jahr am 9. Dezember waren die ersten nach Donaueschingen gekommen: Asylsuchende vor allem aus Pakistan, Sri Lanka, Syrien, Irak und aus dem Iran. Inzwischen ist die Unterkunft für 100 Menschen im Sternensaal der Katholischen Kirche in der Käferstraße 43 nahezu ausgelastet.
Das Landratsamt Villingen sah sich angesichts der monatlichen Zuteilungsquote durch das Land von 78 Personen und den bereits belegten 600 von 755 zur Verfügungen stehenden Plätzen im Schwarzwald-Baar-Kreis zum Handeln gezwungen, wie der Villinger Sozialamtsleiter Jan Hauser und Dezernatsleiter Jürgen Stach gestern im Donaueschinger Rathaus erläuterten. Rund 77.000 Asylbewerber kamen im vergangenen Jahr nach Deutschland, 13 Prozent hiervon muss Baden-Württemberg aufnehmen. Waren es im November 2013 noch 326 Asylbewerber im Kreisgebiet gewesen, so rechnet die Villinger Behörde mit einem Bedarf von rund 1200 Plätzen zum Jahresende 2015.
Derzeit stehen in St. Georgen 70 Plätze, in Maria Tann 96 Plätze und in den drei Villinger Unterkünften insgesamt 489 Plätze zur Verfügung. "Wenn wir keine zusätzlichen Plätze zur Verfügung stellen können, droht die Schließung der Kreissporthallen für diese Zwecke, sagt Stach.
Erschwerend komme hinzu, dass die gesetzlichen Vorgaben ab Januar 2016 zur räumlichen Unterbringung von derzeit 4,5 Quadratmetern je Flüchtling zuzüglich der Gemeinschaftsflächen auf künftig sieben angehoben werden. "Da hatten wir einige Hausaufgaben in der Kreisverwaltung zu machen", blickt der Dezernatsleiter zurück.
Somit habe sich die Möglichkeit auf die ehemaligen Soldaten-Wohnungen der französischen Streitkräfte in der Emil–Rehmann–Straße 1. Hansjakobstraße 1 und 3 sowie Hans–Thoma–Straße 1 und 3 zugreifen zu können genau zur richtigen Zeit eröffnet. Von den möglichen 295 Plätzen sollen jedoch lediglich 230 genutzt werden, versichern die Villinger Behördenvertreter.
Nach einem langen Suchlauf und Verhandlungen mit der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) habe man vertraglich eine sehr gute Ausgangsbasis ohne Mietzins mit der Option einer Kündigung jeweils zum Quartalsende aushandeln können. Eine weitere Aufnahmestelle soll es neben der des Regierungspräsidiums in Freiburg in Donaueschingen nicht geben.
Dort sollen lediglich Individualwohnen für Familien in Wohnungen aber auch Einzelunterkünfte eingerichtet werden.
In einem Gebäude in der Friedhofstraße 14 werde im Hinblick auf die Anzahl der zu Betreuenden eine zentrale Verwatungsstelle eingerichtet. Zwei Vollzeitstellen habe das Landratsamt dafür vorgesehen, das einmalig 12 565 Euro für jeden neuen Flüchtling vom Land erhält. Hiervon werden Unterbringung in den Liegenschaften, Personalaufwand, Sozial- wie auch Krankenleistungen und Sprachunterricht für den Zeitraum eines halben Jahres abgedeckt. Die Betreuung soll neben den ehrenamtlichen Gruppierungen vor allem durch Mitarbeiter des DRK erfolgen.
Dass dies noch nicht das Ende der Fahnenstange sei, ließen die Villinger Vertreter ebenfalls unschwer erkennen: Man sei weiter auf der Suche nach Unterbringungsmöglichen. Im Städtedreick mit Hüfingen und Bräunlingen stehe bislang lediglich die Anschlussunterbringung im Vordergrund.
Für Bürgermeister Bernhard Kaiser ist es deshalb ein Anliegen, dass die Verteilung von Massenunterkünften nicht von wenigen Kommunen allein geschultert wird, wie er betonte.
Donaueschingens OB Erik Pauly hatte im Vorfeld der Verhandlungen und "konstruktiven Gespräche" mit dem Villinger Landrat sich erbeten, die Konversionsflächen nicht einzuplanen. Pauly setzt zudem auf eine gute Stimmung unter den Donaueschingern und wirbt dafür, Patenschaften zu übernehmen.
So haben der Fußballverein SSC bereits ein Turnier oder Lehrer den Deutschunterricht organisiert. Und: Heute lädt der Donaueschinger Arbeitskreis Asyl ab 15 Uhr in den Sternensaal zu einem Advents-Nachmittag bei Kaffee, Tee und Plätzchen mit den Bewohnern in gemütlicher Runde ein. Am kommenden Dienstag wird das Thema im Gemeinderat auf der Tagesordnung stehen.