Wer über die künftige Hängebrücke „Neckarline“ läuft, kommt direkt beim Dominikanermuseum (rechts im Bild) raus – oder startet dort. Foto: Otto

Es wird gespart und gestrichen in Rottweil – und dann ist da ein Museum, das ein 700 000-Euro-Defizit verursacht, wie die Freien Wähler vorrechnen. Was sagt die Stadt dazu?

Das Dominikanermuseum am nördlichen Eingang der Innenstadt ist markant, bekannt – wird aber nicht gerade von Besuchern überrannt. Rund 4000 zahlende Interessierte sind es jährlich. Wobei die Besucherzahl für die Arbeit und Qualität eines Museums nicht das alleinige Kriterium ist.

 

Dennoch: Der immense finanzielle Aufwand für die Stadt ist den Freien Wählern seit langem ein Dorn im Auge – erst recht angesichts des harten Sparkurses, der auch den Bürgern viel abverlangt. Jetzt kocht die Debatte wieder hoch.

Das Dominikanermuseum als „heilige Kuh“ wolle man trotz großer Sparzwänge partout nicht anfassen, hatte FWV-Fraktionssprecher Peter Schellenberg in seiner Haushaltsrede ausführlich moniert. Es gebe heruntergerechnet zwei Besucher pro Stunde, die zahlen je sechs Euro Eintritt und dafür müsse die Stadt 175 Euro Rottweil je Besucher bezahlen, so seine Rechnung.

Seit der Eröffnung des Museums – 1992 als Zweigstelle des Landesmuseums – beiße man sich bei Verwaltung und dem Gemeinderat die Zähne aus, dabei werde die Stadt in der gesamten Vertragslaufzeit rund 40 Millionen Euro für den Betrieb des Museums bezahlt haben, dessen Gebäude und auch die Ausstellung der Römer der Stadt gar nicht gehöre. „Warum sollen wir denn dafür Miete bezahlen?“, stellte Schellenberg in den Raum.

Wirtschaftliche Situation verbessern

Das Dominikanermuseum als Millionengrab? Von Stadt und Gemeinderat unangetastet? Allein die „exorbitante Miete“ für die Abteilung Kunstraum stehe in keinem Verhältnis zum Nutzen, so die Freien Wähler.

Habe das Land vielleicht nicht selbst „eine interessantere Ausstellung“? Man habe „weitere gute Ideen, um die wirtschaftliche Situation zu verbessern und die Attraktivität zu erhöhen, so Schellenberg. Immerhin werde man das Thema ohnehin mal „ohne Scheuklappen“ angehen müssen, weil die Vertragslaufzeit mit dem Land ende.

Das sagt die Stadt

Wir fragen bei der Stadt nach, wie die dargelegten Zahlen und die Kritik insgesamt bewertet werden. Unsere Anfrage dazu vom vergangenen Donnerstag wird nun an diesem Mittwoch beantwortet. Stadtpressesprecher Tobias Hermann erinnert an die Ausgangslage der Stadt in den 70er Jahren. Damals seien die Sammlungen der Stadt im Stadtmuseum und in der Lorenzkapelle untergebracht gewesen – die beide erhebliche bauliche Mängel hatten.

Ausweg kam vom Land

Die Stadt Rottweil hatte kein Geld zum Bau eines neuen Museums. Einen Ausweg bot ein günstiges Abkommen mit dem Land zum Neubau des Dominikanermuseums. Das Land übernahm 60 Prozent, die Stadt 40 Prozent der Baukosten von 19,6 Millionen Mark. „Hinzu kam aber, dass das Land im Unterschied zu Gebäuden im Eigentum der Stadt auch sämtliche Unterhaltungskosten am Gebäude übernimmt. Dieser Verpflichtung kommt das Land bis heute nach“, so Hermann.

Aber: Voraussetzung sei gewesen, dass die Stadt die laufenden Personal- und Betriebskosten übernimmt. „Bei der genannten Summe von rund 700 000 Euro handelt es sich also nicht um eine ‚Miete‘, die die Stadt an das Land abführt, sondern um die Personal- und Betriebskosten des Museums. Dies sind Kosten, die beim Betrieb eines ‚eigenen‘ Museums ohnehin anfallen würden.“

Vertragsverlängerung beschlossen

Wie die Stadt erinnert, ist die Verlängerung des Vertrags mit dem Land schon beschlossen: „ Der Vertrag läuft bis 2030 und verlängert sich automatisch um weitere zehn Jahre, wenn er nicht von einer der beiden Seiten zwei Jahre vor Ablauf gekündigt wird. Am 12. November 2025 hat der Gemeinderat in öffentlicher Sitzung das Thema beraten und eine Fortführung des Vertrages mit dem Land beschlossen.“

Ein Ende des Vertrags wäre mit erheblichen Nachteilen verbunden, wird mit Blick auf die Gebäudeunterhaltskosten, die Kosten für die Restaurierung und Konservierung der Ausstellungsstücke und nicht zuletzt auf das Ende als Zweigmuseum des Landes und der „damit verbundenen überregionalen Strahlkraft“ betont.

Sprechen die angeführten Besucherzahlen für die „Strahlkraft“? Dazu erklärt die Stadt, dass das Museum im Jahr 2024 genau 4137 zahlende Besucher hatte, insgesamt waren es 12 284 Besucher. Schüler haben freien Eintritt – 164 Schulklassen waren 2024 im Museum und es gab 141 Workshops.

Depotkosten wären immens

Sollte das Museum nicht mehr allein auf eigene Kosten betrieben werden können, müssten ein Großteil der Ausstellungsstücke auf Kosten der Stadt eingelagert werden. „Denn die Sammlung Dursch gehört vollständig, die römische Abteilung zu großen Teilen der Stadt Rottweil. Die Depotkosten wären immens.“

Für das Gebäude, das eigens als Museum gebaut wurde und dem Land gehört, müsste darüber hinaus eine Nachnutzung gefunden werden. Eine Kostenübernahme der Personal- und weiteren Betriebskosten durch das Land zur Entlastung der Stadt sei nicht realistisch.

Ob nicht zumindest – wie auch beispielsweise bei der Stadtbücherei – an Stellschrauben gedreht werden könnte, um das Defizit nach unten zu schrauben, das geht aus der Stellungnahme der Stadt nicht hervor. Dass der Museumsbetrieb – wie bei öffentlichen Einrichtungen meist der Fall – ein massives Defizit zur Folge hat, bleibt unbestritten.

Bringt die Neckarline mehr Besucher?

Die Stadt rechnet immerhin damit, dass die Besucherzahlen durch die Eröffnung der Hängebrücke in direkter Nachbarschaft steigen werden. Wer über die „Neckarline“ will, der startet entweder direkt am Museum, oder läuft von der anderen Seite aus unmittelbar darauf zu.

Ende April ist Eröffnung – zum Jahresende wird dann also nicht nur der Blick auf die Zahl der Brückenbesucher, sondern auch auf die der Museumsbesucher interessant.

Das Dominikanermuseum
wurde 1992 mit einer Ausstellungsfläche von rund 1400 qm als Zweigmuseum des Württembergischen Landesmuseums mit zwei Schwerpunkten – Römer und mittelalterliche Skulpturen – eröffnet. Heute ist die Abteilung Römisches Rottweil – Arae flaviae Zweigmuseum des Archäologischen Landesmuseums Baden-Württemberg. Die Abteilung Sakrale Kunst des Mittelalters – Sammlung Dursch ist Zweigmuseum des Landesmuseums Württemberg. Im Jahr 2009 wurde anstelle des ehemaligen Dominikanerforums der Kunstraum Rottweil – Museum der Gegenwart neu geschafften, der in einer Trägergemeinschaft aus Stadt, Landkreis, Kreissparkasse und Forum Kunst Wechselausstellungen zur Gegenwartskunst zeigt.