Gruppenbild mit Schirmherren beim Dollenbergdialog (von links): Klaus Mangold, Botschafter Stephan Steinlein, Günther Oettinger, Dollenbergchef Meinrad Schmiederer und Dialogchef Willi Stächele Foto: Bühler

Für Botschafter Stephan Steinlein werden die kommenden Jahre die „Schicksalsjahre der EU“ sein. Das brachte er beim Dollenbergdialog in Bad Peterstal-Griesbach zum Ausdruck.

Hoher Besuch ist beim Dollenbergdialog längst nicht mehr selten. Diesmal war Stephan Steinlein, deutscher Botschafter in Frankreich, zu Gast, der ein aktuelles Bild von der Lage in Frankreich zeichnete und der deutsch-französischen Partnerschaft in der Europäischen Union (EU) höchste Priorität einräumte. Wörtlich: „Ohne eine Einigung von Paris und Berlin geht in Europa nichts voran. Und wenn Polen noch dabei ist – umso besser.“

 

Die nächsten Jahre, so Steinlein weiter, würden die Schicksalsjahre der EU werden. Gerade in einer von kurzfristigen „Erregungszyklen“ geprägten Zeit müsse sich die Europäische Union bewähren. Doch derzeit sei die Verunsicherung in Frankreich groß. Die Finanzen und die überbordende Verschuldung, die politische Landschaft, das Selbstverständnis, das Erstarken von Parteien am linken und am rechten Rand und anderes mehr stellten die „grande nation“ vor ernste Krisen und zwängen zu tiefgreifenden Reformen.

25 junge Leute zu Gast im Spiegelsaal

Eine bessere Zusammenarbeit von Frankreich und Deutschland könne eine Hilfe sein und würde auch die EU stärken, so Botschafter Steinlein, der auch schon Büroleiter von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (SPD) war.

Wieder hatte der Dollenbergdialog 25 junge Leute aus unterschiedlichen Schulen, Universitäten und Berufen in den Spiegelsaal eingeladen, wo sie den Luxus eines Fünf-Sterne-Superior-Hotels bei einem Vier-Gänge-Menü von Zwei-Sterne-Koch Martin Herrmann genossen.

Vor allem an die jungen Gäste richteten sich die beiden Schirmherren des Dialogs, der ehemalige Diplomat und Wirtschaftsmanager Klaus Mangold sowie Baden-Württembergs früherer Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU), in kurzen Referaten.

Vergleich mit China und den USA

Beide verwiesen mit internationalen Vergleichen auf die prekäre Situation der deutschen Wirtschaft, von der zunehmend Unternehmen ihre Produktion ins Ausland verlegen würden. „Das Geschäftsmodell Deutschland zeigt Schwächen“, meinte Mangold, während Oettinger provozierend fragte, ob Europa überhaupt noch relevant sei.

„Deutschland arbeitet zu wenig“, waren sich beide Referenten einig mit Vergleichen der jährlichen Arbeitsstunden in Staaten wie China, USA, Polen oder in asiatischen Ländern. Gleichzeitig drohten in Deutschland die Lohnkosten weiter zu steigen. Dennoch finde die Wirtschaft in Deutschland gute Voraussetzungen durch eine Top-Ausbildung im dualen System und habe durchaus Zukunft, wenn sie die vorhandenen Chancen besser, schneller und konsequenter nutzen würden.