Erneut Gast beim Dollenbergdialog: Bruno Kahl, Botschafter am Heiligen Stuhl in Rom (Mitte), mit Patron Meinrad Schmiederer (links) und Exminister Willi Stächele. Foto: Hannes Kuhnert

Die Zahl der Christen wachse weltweit, berichtete Bruno Kahl, Botschafter am Heiligen Stuhl in Rom, beim Dollenbergdialog in Bad Peterstal-Griesbach.

Erlebt Europa eine Renaissance der christlichen Kirche? Diese Überzeugung vertrat jedenfalls Bruno Kahl, deutscher Botschafter am Heiligen Stuhl in Rom, beim Dollenbergdialog im Relais und Chateaux-Hotel in Bad Peterstal-Griesbach. Dort begrüßte ihn Dialog-Chef Willi Stächele (CDU) zum zweiten Mal als Redner.

 

Der promovierte Jurist Bruno Kahl hat eine ungewöhnliche Karriere hingelegt. Er war Abteilungsleiter im Bundeskanzleramt und im Bundesfinanzministerium und danach, von 2016 bis 2025, Präsident des Bundesnachrichtendienstes (BND). Dort erreichte ihn im September letzten Jahres der Ruf als Botschafter in Rom – eine Aufgabe, mit der Kahl wohl schon länger liebäugelt hatte.

Im lockeren Plauderton

Als Präsident des BND war er bereits vor Jahren Referent beim Dollenbergdialog gewesen. Jetzt war es sein erstes Gastreferat als Botschafter. Er sprach ohne Manuskript im lockeren Plauderton über seine neuen Aufgaben, die er in drei Bereiche einteilte: „Ich muss Berlin erklären, wie der Vatikan tickt und die Kernpunkte deutscher Politik dem Vatikan vermitteln.“ Seine zweite Aufgabe sei die eines Reisebüros: „Jeder will den Papst sehen.“ Seine dritte Aufgabe sei Gastgebersein für die katholische Kirche in Deutschland.

US-Soldaten in Venezuela

Kahl schilderte den US-amerikanischen Papst Leo XIV als einen „ganz irdischen Menschen, nahbar, zugänglich und sehr nett“. Der Papst sei ein guter, disziplinierter Zuhörer, seine Botschaften seien eher gemäßigt, aber klar. Er habe zum Beispiel unmittelbar nach dem Eingreifen von US-Soldaten in Venezuela Oppositionsführerin María Corina Machado zu einer Audienz empfangen.

„In Sachen Diplomatie brennt nichts an“, beschrieb der Botschafter das gute Verhältnis zwischen dem Vatikan und Berlin. Dies treffe nicht auf das Verhältnis zwischen Rom und der deutschen katholischen Kirche mit dem Synodalen Weg zu.

Verfolgung von Christen

Der heilige Vater nehme sich „die deutschen Sorgen sehr zu Herzen“ und widme ihr „hochrangige Wahrnehmung“. Kahl war überzeugt, dass es letztlich nicht zum Bruch, „sondern zu einer friedlich-schiedlichen Lösung kommen werde“.

In einer intensiven Fragerunde ging es um die weltweite Christenverfolgung, die den Papst sehr bewege, wie Kahl antwortete. Die Zahl der Christen aber wachse weltweit, in Europa gäbe es sogar viele Anzeichen für eine christliche Renaissance. Auf die Frage nach einer sozialen Verarmung der Gesellschaft, vermutete der Botschafter, dass Papst Leo XIV eine Sozial-Enzyklika erarbeiten werde.

Den Dankesworten von Willi Stächele und Dollenberg- Patron Meinrad Schmiederer begegnete der Botschafter mit den Worten, dass diese mit dem Dialog „eine ganz tolle Institution ins Leben gerufen haben. Und dazu das gute Essen.“