Drei Experten erklären die Welt beim Dollenbergdialog und erwarten von der Politik Einsicht und Tempo.
Ex-Minister Willi Stächele (CDU) hatte den Bogen der Themen weit gespannt zum letzten Dollenbergdialog unter seiner Ära als Abgeordneter des Landes. Dabei war die Richtung klar: Es ging um die Zukunft des Landes und der Menschen in Baden-Württemberg.
Wieder nutzten zahlreiche junge Leute die Gelegenheit, Kurzreferate von Fachleuten im professionellen Ambiente und bei allen Annehmlichkeiten eines Fünf-Sterne-Superior-Hotels zu hören und zu diskutieren. Die Zweisterneküche von Martin Herrmann ließ dazu ein erlesenes Vier-Gang-Menü servieren. Das wussten unter den knapp 100 Gästen aus Wirtschaft, Wissenschaft, Mittelstand und Politik neben Schirmherr und Politikwissenschaftler Klaus Mangold auch die CDU-Landtagsabgeordneten Sabine Hartmann-Müller und Ulli Hockenberger zu schätzen.
„Bildung ist unser wichtigster Rohstoff.“: Das ist die Überzeugung von Unternehmer Dieter Schwarz, Gründer der Schwarzgruppe mit den Handelsketten Lidl und Kaufland. Seine Dieter Schwarz-Stiftung in Heilbronn hat seit 1999 ein ganzes Imperium an Bildungseinrichtungen für Menschen jeden Alters aufgebaut und baut weiter daran.
Ausländische Kräfte
Bildung, Forschung und Unternehmertum sind laut Schwarz für die Zukunftsfähigkeit eines Landes von entscheidender Bedeutung. Über die Stiftung informierte deren Leiterin, Bärbel Renner. Mit dem ganzheitlichen Ansatz von Schwarz soll nach ihren Worten die deutsche Wettbewerbsfähigkeit auch mit ausländischen Kräften gestärkt werden. In Heilbronn wächst derzeit ein 30 Hektar großer Innovationspark für anwendungsorientierte Künstliche Intelligenz (KI) der Schwarz-Stiftung empor.
In einem internationalen Netz bewegt sich auch in – oder gerade trotz – Krisen und Kriege der DAAD, der Deutsche Akademische Austauschdienst. Er ist die 100 Jahre alte weltweit größte Förderorganisation für den internationalen Austausch von Studenten und Wissenschaftlern.
Kontakte halten in Zeiten des Konflikts
Deren Generalsekretär Kai Sicks gab einen konzentrierten Überblick über den Einsatz dieser weltweit umspannenden Organisation, die im Übrigen auch eng mit der Schwarz-Stiftung arbeitet. Die DAAD versuche auch in Zeiten des Konflikts Kontakte zu halten, nachhaltig zu pflegen und Potenziale zu sichern, dabei auch internationale Fachkräfte nach Deutschland zu holen und deren Bleibezeiten zu verlängern. Derzeit bestehe – gerade auch aus den USA – starkes wissenschaftliches Interesse, nach Deutschland zu kommen, sagte Sicks.
Nach derartigen Aussichten klang das, was Dietrich Birk als Hauptgeschäftsführer des Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) zu sagen hatte, gar nicht mehr so hoffnungsvoll. Viele Unternehmer und Mittelständler des Landes fühlten sich von der aktuellen Politik nicht mehr verstanden und vertreten.
Politisches Gezerre
Die wirtschaftliche Entwicklung stagniere, es müsse endlich gelingen, wieder wettbewerbsfähige Bedingungen zu schaffen. Die Politik müsse umgehend in Sachen Ausbildung, Steuer- und Sozialpolitik politisch handeln.
Geradezu flehentlich rief Birk auf, endlich das wenig bringende politische Gezerre um Kleinigkeiten einzustellen und gemeinsam mit allen demokratischen Parteien, Gewerkschaften und Arbeitgebern in einer konzentrierten Aktion wieder wirtschaftliche Sicherheit und Entwicklungsmöglichkeiten zu gewinnen. Dazu seien Einsicht und Tempo vonnöten.