Beim Dollenberg-Dialog in Bad Peterstal-Griesbach ging es dieses Mal um Kriege und deren Folgen sowie um den Kampf ums Überleben.
„Schwere Kost“ befürchtete Exminister Willi Stächele (CDU) bei der Begrüßung zum Dialog im „Relais & Chateaux“-Hotel Dollenberg. Er bezog sich auf die drei Referenten und deren Thema „Friedenssicherung weltweit aber auch bei uns“.
Und diese boten dann auch schwere Kost. In seinem politischen Rundumschlag setzte Stächele zuvor „großes Vertrauen in Merz und Klingbeil“, freute sich über die „gemeinsame Stimme in Europa“ und dass Baden-Württemberg in der neuen Bundesregierung so stark vertreten sei.
Kampf ums tägliche Brot
Zunächst berichteten Generaloberin Josephine Toy und Schwester Innocente Izere von den katholischen Bene Teretiya Schwestern im afrikanischen Burundi von ihren täglichen Einsätzen. An die 500 Schwestern helfen in Kindergärten, Schulen, Krankenhäusern und Gesundheitszentren jungen und alten Menschen in Not, versuchen deren Entwicklung und Bildung zu fördern, stärken Frauen und vermitteln Ausbildungen. Dabei gelte es fast immer, zunächst den Kampf ums tägliche Brot zu bestehen. Burundi, das Partnerland Baden-Württembergs, zählt zu den drei ärmsten Ländern der Erde.
Andere Töne schlug Oberst a.D. Joachim Fallert vom Bundeswehr Landeskommando Baden-Württemberg an. Er stellte den „Operationsplan Deutschland“ vor, der den Weg von der Abschreckung zur Verteidigung ebnen sowie die Verteidigung und Bündnisfähigkeit neu ausrichtet soll. Der mehr als 1000 Seiten zählende Plan regelt laut Fallert „das, was in Deutschland getan werden muss, um den Frieden zu sichern“.
Ukrainische Kinder, die an Krebs erkrankt sind
Als Drehscheibe und Aufmarschland komme nach dem Plan der deutschen zivilen und militärischen Verteidigung die Aufgabe zu, internationalen Streitkräften Platz zu schaffen und sie zu versorgen. Fallert zur politischen Lage: „Putin will die Nato testen. Dazu wäre jetzt die beste Gelegenheit, da die Nato (dank Trump) schwächelt.“ Er folgerte: „Wir stehen am Anfang einer sehr schmerzhaften Entwicklung und müssen Dinge tun, von denen wir geglaubt haben, sie nie tun zu müssen. Wir müssen aufrüsten.“
Mit den Folgen des russischen Angriffs auf die Ukraine befasste sich auch die dritte Referentin, Alexandra Müller, Leitende Kinderärztin an der Uniklinik Freiburg. Sie hat mit Unterstützung die Uni Safer Ukrain mit aufgebaut, eine Einrichtung, die ukrainischen Kindern, die an Krebs erkrankt sind, lebensnotwendige Versorgung in Kliniken außerhalb der Ukraine ermöglicht. Die Einrichtung arbeitet mit ukrainischen Kliniken zusammen.
Patienten evakuiert
Hilfreich bewährt habe sich die frühe Vernetzung mit internationalen Verbänden mit dem gleichen Ziel. Bisher konnten mehr als 1700 Patienten in 18 Ländern der EU und Nordamerika evakuiert werden. Müller berichtete, dass in der Ukraine durch gezielte Angriffe mehr als 2000 Gesundheitszentren getroffen wurden.
Eingangs hatten sich die „RoboS“ vorgestellt, eine Schülergruppe des Oberkircher Hans-Furler-Gymnasiums, die sich mehrfach für die Finals von weltweiten Roboter-Wettbewerben qualifiziert hat. Ende Mai ist ein Finale in Los Angeles. Deswegen bat Stächele mit Dollenberg-Patron Meinrad Schmiederer die Gäste, das Trinkgeld in eine Spendenbox für die „RoboS“ zu werfen. Der Dialog-Verein wolle den gleichen Betrag für die Bene Teretiya Schwestern drauflegen.