Der Autohersteller will innerhalb von zwei, drei Jahren das komplette System drehen, sagte Mercedes-Chef Ola Källenius beim Dollenberg-Dialog. Und: Noch in den nächsten Wochen soll eine neue Generation von Mercedes-Elektroautos vorgestellt werden.
Der Dollenberg-Dialog holte mit seiner ersten Veranstaltung im neuen Jahr die politische Diskussion zurück zu einem Thema, das die Menschen im Land der Autobauer bewegt: zur Lage der Autowirtschaft.
Dazu sprach vor einem bis auf den allerletzten Platz besetzten Spiegelsaal der derzeit wohl prominenteste Vertreter der Branche, Ola Källenius (Jahrgang 1969), schwedisch-deutscher Manager, seit 2019 Vorstandsvorsitzender von Mercedes-Benz.
Källenius beschrieb in einem Kurzvortrag nicht nur den Weg seines Unternehmens in die neue elektrische Welt, wie er es nannte, sondern weitete auch den Blick auf den europäischen und globalen Automarkt, auf dem China mit ungeheurer Wachstumsdynamik seinen Platz suche. Die deutsche und europäische Wirtschaft müsse im internationalen Vergleich wieder an Wettbewerbsfähigkeit gewinnen, wolle sie mit dieser Dynamik mithalten.
Mut auf europäischer Ebene
Källenius sprach mit der Erfahrung eines Managers, der die Automobilbranche in internationalen Gremien vertritt. Der Markt werde sich, so prophezeite er, in sechs bis sieben Jahren konsolidieren. Die Veränderungen aber verlangten auf europäischer Ebene viel politischen Mut.
Das Auto, die Erfindung vor 138 Jahren, werde derzeit neu erfunden. Dabei sei die Frage des Antriebs für Mercedes kein Thema mehr. Die Entwicklung führe konsequent zum E-Auto, zu einem Wagen vollgepackt mit digitaler Power dank Supercomputer.
Investitionen in Forschung und Entwicklung
Für Mercedes bedeute dies kompromissloses Bekennen zur maximalen Qualität, Investitionen in Forschung und Entwicklung bei einem Kostenstruktur-Programm von großer Effizienz. Noch nie seien bei Mercedes die Investitionen in neue Technologien auf so hohem Niveau gewesen wie im Jahr 2024.
Das Unternehmen mache einen grundlegenden Wandel durch: „Wir häuten uns bei laufendem Geschäft, werden so in zwei bis drei Jahren das komplette System drehen.“
Zulieferer in Baden-Württemberg
Eingangs hatte Källenius den mittelständischen Zulieferbetrieben für die Autoindustrie in Baden-Württemberg gedankt. Ohne sie könne ein Unternehmen wie Mercedes nicht bestehen. Allerdings stehe die deutsche Zulieferer-Industrie vor harten fünf Jahren, in denen die vorbildlichen Klein- und Mittelbetriebe wohl länger Bestand hätten als die großen.
Für Mercedes-Fahrer und solche, die es werden wollen, hatte Källenius in der ausgedehnten Fragerunde ein paar gute Nachrichten. Noch Anfang dieses Jahres werde eine neue Generation von Mercedes-Elektroautos vorgestellt: „Und auch den Verbrennungsmotor entwickeln wir weiter.“ Dafür gab es spontanen Beifall aus dem nahezu atemlos lauschenden Auditorium.
Weniger Bürokratie
Mit Hinweisen auf die aktuelle Politik leitete Ex-Minister Willi Stächele (CDU) als routinierter Moderator über zum zweiten Referat, mit dem Dieter Salomon, Ex-Bürgermeister von Freiburg, den Normenkontrollrat vorstellte, den er als Vorsitzender leitet. Das ehrenamtlich agierende Beratungsgremium wurde von der grün-schwarzen Landesregierung eingesetzt, um die Bürokratie auf Landesebene einzudämmen.
Es sei dem Kontrollrat gelungen, einige „Gesetzesmonster“ im Kräftegerangel der Regierungsparteien zu verhindern oder zu mildern. Als Beispiel nannte er die Vorschrift zu Beschaffungen für Verwaltungen. Ziel des Kontrollrats sei es auch, sowohl die Ministerien und Verwaltungen als auch die Öffentlichkeit für weniger Bürokratie zu sensibilisieren.