In die sogenannte Herrgottsscheuer, der tiefsten Doline, geht es steil hinunter Foto: Andreas Straub

Mötzingens ehemaliger Bauhofleiter zeigte Interessierten zahlreiche Dolinen im Wald rund um den Ort und gab dabei auch die eine oder andere Anekdote zu den Senken zum Besten.

Dolinen sind großflächige, beckenförmige Senken in Karstlandschaften, die hauptsächlich durch Lösung von Kalkstein entstehen. Unterirdische Hohlräume fallen zusammen, das Erdreich rieselt nach. Der frühere Mötzinger Bauhofleiter Konrad Reinhardt zeigte einer 20-köpfigen Gruppe zahlreiche Dolinen im Wald bei Mötzingen.

 

Los ging es am Sportplatz, wo sich 20 Interessierte aus der Umgebung versammelt hatten. Der 68-Jährige legte ein sportliches Spaziertempo vor, und manch ein Teilnehmer schnaufte ordentlich, als er beim ersten Halt die Dolinen am Schotterwerk erläuterte.

Schon während seiner Berufstätigkeit hab er sich für Geologie interessiert, so Reinhardt: „Als Straßenbauer gehört das dazu.“ Anhand einer Karte der Mötzinger Markung zeigte er die vielen Dolinen auf der Markung.

Die „Herrgottscheuer“ ist zehn Meter tief

Über einen Trampelpfad vorbei am Dolinenfeld, das unter Naturschutz steht, führte er die Gruppe zur „Herrgottscheuer“, der größten Mötzinger Doline, die bei etwa 30 Metern Durchmesser eine Tiefe von zehn Metern aufweist. „In freier Feldflur werden die steilen Flanken der Dolinen meist nicht landwirtschaftlich genutzt“, sagte Reinhardt. Im Lauf der Zeit siedelten sich dort Sträucher und Bäume an. Die Dolinen werden so gelegentlich zu Waldinseln in der Feldflur, die Wild Deckung bieten.

„Wenn sie im freien Feld entstanden sind, haben die Bauern sie oft einfach mit Dreck gefüllt“, sagte Reinhardt über Dolinen im Offenland. Daher seien diese zumeist nicht sichtbar oder nur als Mulden zu erahnen. Auf Nachfrage eines Teilnehmers sagte er, vermutlich wüssten die meisten schon, worum es sich handelt: „Aber mit ein paar Kubikmetern Dreck ist der Acker wieder eben.“

Der frühere Bauhofleiter und Hobby-Geologe Konrad Reinhardt führte zu Mötzinger Dolinen. Foto: Andreas Straub

Die Verfüllung der Dolinen war und ist deren größte Bedrohung, sagt Reinhardt. „Insbesondere die Verfüllung mit Hausmüll oder organischen Abfällen ist im Hinblick auf den Schutz des Grundwassers ein unverantwortliches, gedankenloses Vorgehen“, fügt er hinzu. Schließlich bestehe in den Dolinen eine direkte Verbindung zum Karstsystem; eine nennenswerte Filterung findet so gut wie nicht statt. Schadstoffe können so direkt ins Grundwasser gelangen.

So fließt das Wasser von Mötzingen beispielsweise in die Bronnbachquelle in Rottenburg, die als Trinkwasserquelle genutzt wird. Ein früher beschriebenes Schluckloch (Ponor) am Grunde der Doline ist heute allerdings verfüllt. Farbtests ergaben laut Reinhardt, dass das Wasser für die gut zwölf Kilometer lange Strecke 2,7 Tage benötigt.

Namensgeber soll ein Dackel gewesen sein

Die Führung ging schließlich zum Pommerlesloch. Diese Höhle zählt mit einer Gesamttiefe von rund 51 Metern zu den bedeutendsten Höhlen der Muschelkalkzone in der Region. Der Name der Höhle geht einer örtlichen Sage zufolge auf einen Dackel namens Pommerle zurück, der einst in die Höhle gestürzt sein soll, erzählte Reinhardt.

Der Eingang zur Höhle ist durch einen Zaun und ein stabiles Metallgitter gesichert, um Spaziergänger zu schützen. Die Höhle war mehrfach Schauplatz tragischer Unfälle. Um 1910 stürzte ein Student des Nagolder Lehrerseminars in die Tiefe und kam dabei ums Leben. Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs starb ein weiterer Mann unter ungeklärten Umständen im Schacht.

Ein spektakulärer Rettungsfall ereignete sich 1965, als ein Wanderer in die Höhle stürzte und drei Tage lang um Hilfe rief, bis spielende Kinder seine Rufe hörten. Er konnte lebend vom ersten Absatz geborgen werden.

Vom Pommerlesloch ging es zurück zum Mötzinger Sportplatz.