Imo Usak mit der Siegerurkunde von SÜDWEST PRESSE und Schwarzwälder Bote Foto: Lea Irion

Imo Usak ist Chef des Orient Imbiss in Balingen. Mit 700 Stimmen gewann er den Dönertest unserer Zeitung. Wir waren zu Besuch.

Als die Presse zu Besuch kommt, fährt Imo Usak gerade mit dem Auto nach Spanien. Er hat Glück; in Balingen regnet es seit Stunden, die Temperaturen sind abgesackt. Yusuf Usak, Imos Vater, sitzt an seiner Statt im Orient Imbiss. Die Siegerurkunde nahm der Sohn bereits am Freitag eilig entgegen, gerade noch rechtzeitig vorm zweiwöchigen Urlaub. Und jetzt, am Montagnachmittag, hat der Vater viel zu erzählen.

 

Er sitzt im hinteren Eck des Orient Imbiss, dort lässt es sich ungestört reden. Um den Tisch herum hängen Fotos, die meisten davon zeigen Vereine, etwa die Weilstetter Lochenfüchse. Klassische Werbung habe er nie geschaltet, sagt Usak. „Ich bin auf die Vereine zugegangen.“ Er baute Netzwerke auf, sei viel unter Leuten gewesen. Der Erfolg, sagt Usak, kam danach.

2004 markierte das Jahr, in dem er den Imbiss von der Familie Yumusak übernahm. Bereits seit 1992 bot das Lokal in der Dammstraße 7 orientalische Gastronomie, einst als türkisches Café. „Mein Sohn wurde damals gerade eingeschult“, erinnert sich Usak. Es war Imo Usak, der heutige Betreiber des „Orient“. Imo hat zwei Brüder, das Dreiergespann wuchs im Laden des Vaters auf. Der inzwischen 29-Jährige übernahm im Januar 2025 das Geschäft von Yusuf Usaks Bruder Musa, der den Orient Imbiss seit 2017 geleitet hatte.

Mit Herz und Liebe

Das Kulinarische scheint der Familie ganz allgemein in die Wiege gelegt worden zu sein. Yusuf Usak arbeitete lange in der Schömberger Waldschenke. Das, was er heute kann, habe er dort gelernt. „Dönerläden gibt es inzwischen viele“, sagt Usak. „Aber es geht darum, mit Herz und Liebe zu kochen. Geld stand für mich nie im Vordergrund.“ Hielten sich Preis und Leistung nicht die Waage, bliebe auch die Kundschaft aus. Und in Zeiten, in denen sich die Leute ihren Fünf-Euro-Döner zurückwünschen, sei es noch schwieriger.

Sicher ist man sich im Orient Imbiss nur dahingehend, dass die Qualität nicht leiden soll. Seit Jahren beziehe man Fleisch vom selben Lieferanten. Ein Döner für fünf Euro müsste also halb so groß sein, damit sich der Preis rentiere, aber davon würde ja niemand satt. Daher bleibe man beim bewährten Schichtfleisch. „Die Menschen sind heutzutage gut informiert“, lacht Usak. Er wisse schon, dass sich die Kunden ihren Döner danach aussuchten, ob ein Drehspieß mit teurem Schichtfleisch oder billigerem Hackfleisch hinter der Theke brutzelt.

Deswegen macht man es bei den Usaks lieber richtig. Was macht den besten Döner Balingens denn noch aus, neben Schichtfleisch und frischem Gemüse? Das genaue Rezept schiebt Yusuf Usak nicht über den Tisch, aber er lässt wissen, dass er die Soße seit jeher selbst mache. Quark käme rein, Joghurt, Crème fraîche, selbst gemachte Würzmischungen. Kein Schabernack. Er wisse, dass viele Menschen auf Allergien achten müssen. Je kürzer also die Zutatenliste, desto besser.

Nächste Generation

Mit den umliegenden Imbissen sei man derweil befreundet. „Ich weiß, wie schwierig die Branche ist“, sagt Usak. Mit manchen habe er auch schon zusammengearbeitet. Usak ist seit 23 Jahren im Business, er wisse, wie hart es manchmal sei. „Ein Privatleben hast du kaum noch“, erinnert er sich. Freunde zu sehen, Sport zu treiben, eine Auszeit zu nehmen – in der Gastronomie kaum möglich, wenn das Geschäft laufen soll. „Ohne meine Frau Zeliha wäre es nicht gegangen. Auch wegen der drei Kinder.“

Mitten im Interview steht ein Mann vom Nachbartisch auf. „Ich habe mit einem Ohr mitgehört“, sagt er. Yusuf Usak erkennt ihn auf Anhieb. Der Mann im grünen Oberteil erzählt davon, wie er bereits als Kind hierherkam und Kebab bestellte. An diesem Montagnachmittag ist er als Vater hier, sein Sohn sitzt noch am Tisch und isst die letzten Pommes. Als beide weg sind, sagt Yusuf Usak: „Das ist, was ich meinte. Wir haben zu 90 Prozent Stammkunden. Es ist alles wie eine große Familie.“

Draußen regnet es noch, während Yusuf Usak im hinteren Eck des Imbiss seine Geschichte zu Ende erzählt. Dass mit Imo die nächste Generation am Ruder steht und der jüngste Bruder bereits mit anpackt, scheint hier der natürliche Lauf der Dinge zu sein. In einer Branche, die sich ständig dreht, setzen die Usaks auf Beständigkeit – Urkunde hin oder her.