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Dobel Onkel Gerhard war das große Vorbild

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"Theaterstück" zum Abschied beim Kameradschaftsabend, bei dem Oliver Grässle (von rechts) und Werner Stängle sich selbst spielen. In der Mitte ist "Angela Merkel" zu Boden gegangen, dahinter steht grübelnd "Bürgermeister Christoph Schaack". Foto: privat Foto: Schwarzwälder Bote

Statt Festakt mit Gruß-worten gab es zur Verabschiedung von Feuerwehrkommandant Werner Stängle und seinem Stellvertreter Oliver Grässle aus ihren Führungsämtern einen Kameradschaftsabend mit maßgeschneidertem Alternativprogramm.

Dobel. In einem Theaterstück der Feuerwehraktiven wurden die "Legenden im Ruhestand", Werner Stängle und Oliver Grässle, von keinen Geringeren als "Bundeskanzlerin Merkel" und "Landesvater Kretschmann" verabschiedet. "Gigantisch" und "phänomenal" befanden Stängle und Grässle die Aufführung: "Wir haben lange nicht mehr so gelacht."

20 Jahre war Hauptbrandmeister Stängle, 55 Jahre alt, Kommandant, 13davon Oberbrandmeister Grässle, 39 Jahre, sein Stellvertreter. Davor waren beide über mehrere Jahre Jugendleiter. 25 Jahre ist Grässle bereits bei der Wehr aktiv, Stängle sogar 36 Jahre. "Inoffiziell 40 Jahre", merkt dieser an, "aber zu meiner Jugendzeit gab es noch keine Jugendwehr. Also zählt der Eintritt ab 18 Jahren." Obwohl Stängle bereits mit 14 Jahren bei den Aktiven mitübte – auf seinen ausdrücklichen Wunsch.

Die Initialzündung war ein Brandereignis Mitte der 1970er-Jahre. "Ich erlebte als Bub unmittelbar mit, wie ein Haus in der Höhenstraße lichterloh brannte. Der Bewohner, ein alter Mann, wollte das Haus trotz Lebensgefahr nicht verlassen. Da haben ihn die couragierten Feuerwehrkameraden zu viert samt Stuhl, auf dem er saß, nach draußen getragen. Damals beschloss ich: So möchte ich auch werden!"

Ereignisreiche Jahre

Sein Onkel Gerhard war als Feuerwehrmann großes Vorbild. Vater Ernst trat auf Drängen von Sohn Werner ein. Stängles Sohn Moritz ist mittlerweile stellvertretender Jugendleiter und die Neffen sind in Nachbargemeinden bei der Feuerwehr. Grässle kommt "überhaupt nicht aus einer Feuerwehrfamilie". Aber Stängles waren gute Nachbarn im Ort, und so wurde der Schüler Oliver von Stängle, mittlerweile Jugendleiter in der unter Kommandant Fritz Treiber gegründeten Jugendwehr, geworben.

Es folgten ereignisreiche Jahre. In Stängles 20 Kommandantenjahre fallen unter anderem die Beschaffung mehrerer Fahrzeuge, so des LF16 und zweier MTW, das erste noch gebraucht und teils über Spenden finanziert, sowie des heutigen Paradefahrzeugs, des LF20 KatS. Auch neue Einsatzkleidung und der Anbau am Feuerwehrhaus fallen in die Ära. "Wie viele Aufgaben wir bewältigt haben, wurde uns erst so richtig bewusst", sagen Stängle und Grässle, "als wir sie für unsere Nachfolger aufgelistet haben." Vom Hansi-Hinterseer-Konzert 2009 bis zu Mitorganisation der Dobler Schlittenhunderennen war die Wehr unter Führung des Duos immer am Start. "Gleich 2002 geriet das Höhenfeuer aus den Fugen", erzählt Stängle von der jährlichen Festveranstaltung, bei der sie stets die Brandwache übernehmen, "das nagelneue Löschfahrzeug kam zum Einsatz." Das Feuerwehr-Dorfwiesenfest bauten sie zum Themenfest aus. Von Skandinavien über die Schweiz bis zum Weltall – der legendäre Skywalk – waren die Feuerwehrkameraden schon "auf der ganzen Welt" im Festeinsatz.

Doch auch die Übungen für den Ernstfall wurden ausgebaut, um realistische Szenarien ergänzt, die Zusammenarbeit mit umliegenden Wehren erweitert: "Wir sind stolz auf den hohen Ausbildungsstand unserer Wehr." Stängle und Grässle werden weiterhin als Kreisausbilder fungieren, ihrer Wehr dort, wo Bedarf ist, beratend zur Seite stehen und als Atemschutzträger, Stängle außerdem als Maschinist, zur Verfügung stehen. In Zeiten steigender Anforderungen an Mensch und Technik und bei zunehmender Bürokratie dürfte dies dringend notwendig sein.

Denn auch die Zahl der Einsätze ist zuletzt deutlich gestiegen. Nicht immer handelt es sich dabei um so "heitere" wie das Wiederaufsetzen einer Spitze auf den Maibaum mittels Feuerwehrleiter. Vielmehr hat die Wehr komplexe und belastende Einsätze zu leisten. Große Brände seien in den vergangenen Jahren dabei gewesen, erzählen die beiden Feuerwehrkameraden, so wie der jüngst auf dem Schwalbenhof oder kurz vor dem Jahreswechsel in Dobel selbst. Bei Dennach habe es vor Jahren einen größeren Waldbrand gegeben. Um dafür den notwendigen Wasserdruck für die Wasserentnahme am Hydranten herzustellen, sei Feuerwehrkamerad und Wassermeister Stefan Kraft von der Polizei zu seiner Arbeitsstätte gefahren worden. Auch der Körper eines Selbstmörders hätte mit einigen Kameraden einmal im Wald geborgen werden müssen. "Das war für manchen sehr belastend", erinnert sich Stängle. Nicht zu allen Zeiten habe es Krisenintervention gegeben.

Mordfall nicht alltäglich

Ganz sicher nicht alltäglich war der Mordfall des erschossenen Irakers an der Straße nach Bad Herrenalb. Verkehrsunfälle sind beiden gravierend in Erinnerung. Sei es in der berüchtigten Kurve vor Neusatz oder unweit des Dreimarksteins, teils Landkreis übergreifend. Da hatten sie 2017 Richtung Eyachbrücke bereits den Landeplatz für den Rettungshubschrauber vorzubereiten, nachdem ein Motorradfahrer schwer verunfallt war, da ereignete sich oberhalb noch einmal ein schwerer Motorradunfall. "Ich fuhr mit dem MTW hin", berichtet Stängle, "half noch bei der Reanimierung, aber alle Bemühungen kamen doch zu spät." Bei solchen Einsätzen "schaut man schon, welche Kameraden man an die vorderste Front lässt", beschreibt es Grässle sachlich. Und danach "sitzen alle zusammen und reden, das ist wichtig", ergänzt Stängle.

Nun ist es also vorbei mit der "Eto-Kratie", nach Stängles Spitzname "Eto". Kameradschaft war ihm oberstes Gebot und als Kommandant in vorderster Reihe als Vorbild zu stehen wichtig: "Dass heute noch alle im Guten mit mir sprechen, lässt mich hoffen, dass ich niemandem zu arg auf den Schlips getreten bin." Geprägt sind die letzten Jahre vom großen Vertrauen zwischen ihm und Stellvertreter Grässle. Stolz sind beide, dass der Übergang "sauber und gut vorbereitet" über die Bühne ging, dass ihnen ein "starkes Dreigespann" nachfolgt.

Auch Bürgermeister Christoph Schaack dankte dem langjährigen Kommandanten: "Wenn es den Werner Stängle nicht gäbe, man hätte ihn erfinden müssen. Für ihn war und ist Feuerwehr nicht nur eine Aufgabe, sondern Passion. Oliver Stängle war als stellvertretender Kommandant ein ideales Pendant, mit seiner ausgleichenden Ruhe der Mit- und Gegenpol."

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