Die Gedenkstätte für Eugen Finkbeiner und Christian Här im Wald.Foto: Gegenheimer Foto: Schwarzwälder Bote

Heimatgeschichte: Nachkriegsmord an Eugen Finkbeiner und Christian Här am 5. September 1945

Als vor 50 Jahren, im Sommer 1970, Pilzsammler im Dobler Wald oberhalb der Landesstraße zwischen Dreimarkstein und Eyachbrücke auf von Tieren freigescharrte menschliche Skelettteile stießen, kam Licht ins Dunkel eines Mordfalls, der sich am 5. September zum 75. Mal jährt.

Dobel/Neuenbürg. Wie Heimatforscher Fritz Barth in seinem Buch "Hoffnung Krieg Not" detailliert und zugleich berührend beschreibt, kam mit diesem Fund im Wald Licht in das Dunkel des Schicksals zweier Neuenbürger, die seit dem 5. September 1945 spurlos verschwunden waren.

An jedem Tag fuhren Eugen Finkbeiner, 62, und Christian Här, 53, im Auftrag der Pektin-Fabrik mit einem derer mit Holzgas betriebenen Lastwagen nach Niederbühl bei Rastatt, um dort Sauerstoffflaschen abzuholen. Akribisch hat Heimatkenner Barth nachgeforscht: Gegen 17.30 Uhr an diesem 5. September fuhren die beiden Männer vom Hof der Badischen Sauerstoff-Fabrik. Von da an fehlte von ihnen jede Spur.

Als fast 25 Jahre später die Knochen nur wenige Hundert Meter unterhalb des Dreimarksteins durch Zufall aufgefunden wurden, konnten Finkbeiner und Här zweifelsfrei identifiziert werden.

Wie sich Enkel Dieter Finkbeiner noch heute erinnert, kam die Kriminalpolizei zu seinen Eltern. Alfred Finkbeiner konnte die speziell geformten Hausschlüssel seines Vaters, die neben den Opfern gefunden worden waren, ebenso zuordnen wie eine silberne Taschenuhr, die, so Fritz Barth, auch vom Uhrmacher erkannt wurde.

Die rechtsmedizinische Untersuchung in Tübingen brachte an den Tag, dass die beiden Männer, Rücken an Rücken mit Draht zusammengebunden, in geringer Tiefe im Waldboden verscharrt worden waren, also einem grausamen Kapitalverbrechen zum Opfer gefallen waren. Nur wenige Kilometer vor ihrem Ziel und Zuhause in Neuenbürg. Der Lastwagen und die Gasflaschen – bis auf eine, die unerklärlicherweise in Hechingen auftauchte – blieben verschwunden.

Wie schwer das Schicksal die Familien der beiden Opfer so kurz nach Ende des Zweiten Weltkrieges noch einmal traf, erzählt Chronist Barth am Beispiel von Här: Der war erst im Juni 1945 als schwerkranker, gebrochener Mann aus russischer Kriegsgefangenschaft entlassen worden. Die Fahrt am 5. September war seine erste für die Pektinfabrik – und zugleich seine letzte. Seine Witwe fristete mit ihrem Sohn nach dem spurlosen Verschwinden ein äußerst karges Leben. Bis zu ihrem Tod hat sie nichts zum Schicksal ihres Mannes erfahren. Ähnlich bei der Familie von Eugen Finkbeiner. Jener hatte zum Ende des Ersten Weltkrieges den Schlossereibetrieb vom Vater übernommen, wie in der Firmenchronik nachzulesen ist. Nachkriegsjahre, Inflation und dann der Zweite Weltkrieg stellten den Schlossermeister und die Firma vor große Herausforderungen. Erst zwei Monate nach seinem spurlosen Verschwinden am 5. September 1945 kam sein Sohn Alfred aus der Kriegsgefangenschaft zurück, gerade mal 24 Jahre alt. Mit viel Entschlossenheit, Mut und Fleiß baute er, dem nun Vater, Chef und Lehrherr zugleich fehlten, die Firma wieder auf und aus.

Keine Gewissheit

Über den Tod des Vaters und die Täter gab es immer wieder Spekulationen, aber bis heute keine Gewissheit. Auch Eugen Finkbeiners Witwe starb, ohne vom Schicksal ihres verschwundenen Mannes – trotz privater Nachforschungen – je noch etwas erfahren zu haben. Nach dem Auffinden der sterblichen Überreste von Christian Här und Eugen Finkbeiner 1970 errichteten die Familien an der Fundstelle eine kleine Gedenkstätte. Das letztjährige Weihnachtsgesteck des jüngst verstorbenen Enkels Ernst ist Zeuge dafür, dass der Großvater, auch wenn die Enkel ihn nicht mehr persönlich gekannt haben, doch in ihren Herzen blieb.

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