Die DLRG Württemberg möchte keine AfD-Funktionäre in ihren Reihen. Die Wasserretter sind damit nicht allein.
Es sei schon gewaltig was los gewesen, heißt es beim DLRG Württemberg. Nachdem diese Zeitung veröffentlicht hatte, dass die Wasserretter ihre Satzung dahingehend geändert hatten, dass führende AfD-Mitglieder nicht mehr Mitglied bei den Lebensrettern sein können, musste die Kommentarfunktion bei Instagram und Facebook vorübergehend abgestellt werden. Wie man mit den Bemerkungen, die zum Teil deutlich unter der Gürtellinie gewesen seien, umgehe, das werde man noch beraten, sagt Justiziar Alf Andrews.
Im Fokus sind die Funktionäre der Partei
Der Verein hatte die Satzung dahingehend erweitert, dass kein DLRG-Mitglied „werden oder sein kann“, wer „Organisationen, Vereinigungen oder Parteien aktiv unterstützt, deren Ziele in Wort und Tat mit der freiheitlich demokratischen Grundordnung unvereinbar sind“. Das sei insbesondere der Fall, wenn die Organisation, Vereinigung oder Partei „im Verfassungsschutzbericht des Bundes oder des Landes Baden-Württemberg aufgeführt ist“. Die AfD ist in der DLRG-Satzung damit nicht ausdrücklich genannt, allerdings liegt es auf der Hand, gegen wen sich die Formulierung richtet. Ebenso wird in der Satzung deutlich gemacht, dass sich der Passus nicht gegen einfache Parteimitglieder oder Wähler, sondern gegen AFD-Funktionäre richtet.
Auch außerhalb von Württemberg zieht das Thema Kreise. Es sei „sehr präsent“, heißt es von der DLRG in Baden. Bereits im März 2024 habe man sich zusammen mit anderen süddeutschen Verbänden „klar gegen menschenfeindliche Politik und rechtsextreme Ideologien“ ausgesprochen, sagt Präsident Felix Strobl. Noch älter sei der Beschluss, „keinen Kontakt zu Parteifunktionären und Mandatsträgern der AfD zu pflegen“. Ein Antrag zur Änderung der Satzung liege nach Kenntnis des Vorstandes nicht vor, heißt es. Allerdings ist der badische Landesverband auch anders organisiert als die Kollegen in Württemberg, eine Satzungsänderung wäre hier ungleich komplizierter.
Bundesverband unterstützt die Württemberger
Der Bundesverband der Lebensretter hat nach Bekanntwerden der Württemberger Entscheidung eine Stellungnahme auf seiner Homepage veröffentlicht. „Wir dulden keinen Rassismus, keine Ausgrenzung und keine Ideologien, die Menschen abwerten oder unsere Verfassung in Frage stellen“, heißt es darin. Die Württemberger sehen das als Bestätigung für ihr Vorgehen an.
Das Thema sorge auch im Bereich der Sportvereine immer wieder für Diskussionen, heißt es beim Württembergischen Landessportbund (WLSB). Die können bisweilen heftig sein. Der TSG Balingen hatte im vergangenen Jahr seinen Vorsitzenden abgewählt, nachdem dessen Nähe zur AfD bekannt geworden war. Inzwischen sitzt der Mann für die Partei im örtlichen Gemeinderat. Für die etwa 5700 Sportvereine in Württemberg, die rund 60 Verbände und 24 Sportkreise stellt der WLSB Informationsmaterial für Satzungsänderungen bereit. Man dürfe zwar keine Parteien unterstützen, allerdings könnten Vereine für Werte und gesellschaftspolitische Positionen einstehen und sich diese auf die Fahne schreiben, heißt es.