Zum Wachdienst am Kirnbergsee bei Unterbränd gehört auch ein Boot. Hier sind Daniela Bernhard (von links), Christian Dages und Janik Ratzel von der Ortsgruppe Baar im Einsatz. Foto: Lutz Rademacher

Immer häufiger sterben Menschen im Wasser. Die DLRG will dagegen steuern mit Schwimmkursen, Wachdienst und Aufklärung. Bäderschließungen erschweren den Rettern jedoch ihre Arbeit.

Immer mehr Menschen sterben bei Badeunfällen – damit beschäftigt sich vor allem die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG). Die Wasserretter rüsten sich, um dagegen anzukämpfen. Aber was kann überhaupt gemacht werden?

 

Oft spiele Selbstüberschätzung eine Rolle, vor allem bezüglich der eigenen Fähigkeiten, sicher zu schwimmen. „Da bleibt uns nur, weiterhin viel Wache zu halten, viel Ausbildung zu machen“, sagt Simone Schwanenberger. Sie ist die DLRG-Bezirksvorsitzende. Denn wer als Kind schon ein sicherer Schwimmer ist, habe die Chance, das auch im Erwachsenenalter zu halten und beim Schwimmen nicht in Gefahr zu geraten.

Das sind die Zahlen

Das klappt nicht immer. „Die Ertrinkungszahlen in Deutschland haben sich leider wieder erhöht“, mahnte Schwanenberger anlässlich der Jahreshauptversammlung der Ortsgruppe Baar in Donaueschingen. Die Zahlen dazu: 2023 starben in Deutschland 378 Personen bei Badeunfällen, das sind 23 mehr als im Vorjahr. In Baden-Württemberg waren es 43 Personen, 14 mehr als 2022. Allein elf Personen ertranken im vierten Quartal, was völlig untypisch ist. „Das Wichtigste ist Vorbeugung“, fügt Thomas Moch hinzu, Vorsitzender der DLRG-Ortsgruppe Baar.

Aufgaben der DLRG Er beschreibt die Aufgaben der DLRG in der Reihenfolge ihrer Wichtigkeit. Ganz oben stehen hier die Schwimmkurse. Um diese veranstalten zu können, müssen Ausbilder ausgebildet werden. Danach kommt die Ausbildung von Rettungsschwimmern. Diese halten Wache an Seen und unterstützen Bademeister in vielen Schwimmbädern. Bleibt noch der Rettungsdienst. Wenn dieser ausrücken muss, ist es jedoch meistens zu spät. Denn eine reelle Chance habe nur, wer sofort entdeckt werde, beispielsweise durch den Wachdienst.

Seepferdchen und Co. Das Beispiel der Ortsgruppe Baar zeigt, wie das in der Praxis aussieht: Von insgesamt 661 Seepferdchen im Bezirk Schwarzwald-Baar wurden 115 in der Ortsgruppe Baar abgenommen. Beim Schwimmkurs im Hüfinger Hallenbad werden jeden Samstag im Durchschnitt 114 Kinder von 21 Ausbildern betreut. Und wenn sie dann das Seepferdchen haben, kommen sie anschließend in eine Fortgeschrittenengruppe, mit dem Ziel, dass man sie danach allein ins Wasser lassen kann. So kamen im vergangenen Jahr noch 134 Schwimmabzeichen dazu, 14 Kinder absolvierten eine Ausbildung zum Junior-Retter. 26 Rettungsschwimmer in Bronze und 14 Rettungsschwimmer in Gold wurden ausgebildet, hinzu kamen diverse bestandene Wiederholungsprüfungen in Silber und Gold.

Wachtage An 18 Wachtagen leistete die Ortsgruppe Baar 598 Stunden Rettungswache am Riedsee und steuerte 266 Wachstunden am Kirnbergsee bei, der im Sommer von mehreren Ortsgruppen aus dem Bezirk in Kooperation betreut wird. Die Einsatzgruppe musste dreimal ausrücken. Seit zwei Jahren bietet die Ortsgruppe auch Schwimm- und Rettungskurse im Wolterdinger Freibad an. Im benachbarten Hubertshofener Freibad veranstaltet die eigene kleine Ortsgruppe ebenfalls jedes Jahr im Sommer Schwimmkurse. Aktuell stehen dort allerdings 165 Kinder auf der Warteliste.

Immer wieder ertrinken Kinder

Inwieweit hat dies mit dem Ansteigen der Ertrinkungszahlen zu tun? „Es sind auch immer wieder Kinder betroffen, die im Wasser ertrinken“, sagt Schwanenberger. Das hänge damit zusammen, wie viele Schwimmkurse angeboten werden können, wie viel Trainingszeiten die DLRG habe und wie oft Schwimmen in der Schule, insbesondere der Grundschule, noch angeboten werde.

Problem: Bäder schließen Das große Thema sei, dass immer mehr Schwimmbäder schließen. Für die DLRG werde es dadurch immer schwieriger, Trainingszeiten zu bekommen, weil die Öffentlichkeit natürlich auch in die verbliebenen Bäder möchte. Dies bedeute aber auch, dass die DLRG-Zeiten in den Nachmittag hineinrutschen oder wie bei der Ortgruppe Baar am Samstagmorgen stattfinden. Infolge dessen werde es schwierig, zu diesen Zeiten genügend qualifizierte Ausbilder zu finden. „Die Ausbilder sind berufstätig und haben Familie", erklärt die DLRG-Bezirksvorsitzende.

Wartelisten werden länger „Man möchte die Badezeiten für die Öffentlichkeit nicht einschränken, was verständlich ist. Natürlich fehlt die Zeit den Vereinen, die Wartelisten der Kinder, die nicht schwimmen können, werden länger.“ Und auch die Schulen haben weniger Möglichkeiten, Schwimmunterricht anzubieten. Denn das Bad muss schnell erreichbar sein, sonst ist Schwimmunterricht in einer Doppelstunde nicht möglich. Zurzeit wird in der Doppelstadt darüber diskutiert, ein neues zentrales Bad zu bauen und die anderen beiden zu schließen.

Jede Ortsgruppe bietet Seepferdchen-Kurse an

Jede Ortsgruppe im Bezirk bietet im Rahmen ihrer Möglichkeiten Seepferdchen-Ausbildungen an, manche auch Erwachsenenschwimmkurse oder Kurse für Erwachsene, die sich im Wasser nicht sicher fühlen. Seit Kurzem gibt es auch Angebote für Geflüchtete. Ein wichtiger Beitrag zur Sicherheit der Schwimmer ist der Wachdienst, nicht nur am Riedsee, am Kirnbergsee oder am Klosterweiher in St. Georgen.

Viel ehrenamtlicher Einsatz In fast allen Freibädern sind DLRG-Mitglieder als Unterstützung der Bademeister zu finden. Kleine Bäder wie Hubertshofen müssten ohne die Unterstützung der Ehrenamtlichen schließen. Bademeister sind mittlerweile Mangelware, es gibt mehr offene Stellen als Bewerber. Zu deren Arbeit gehört auch die Betreuung der Technik, darin sind die DLRG-Mitglieder aber nicht ausgebildet. „Es bleibt uns nichts anderes übrig, als weiter Menschen zu sicheren Schwimmern auszubilden, Angebote für Erwachsene zu machen, die Bevölkerung aufzuklären und weiterhin Wachdienste zu stellen und das alles im Ehrenamt“, fasst Simone Schwanenberger zusammen.

3219 Mitglieder

Der DLRG-Bezirk Schwarzwald-Baar
besteht aus den Ortsgruppen Bad Dürrheim, Baar (Donaueschingen), Blumberg, Furtwangen, Hubertshofen, Löffingen, St. Georgen, Vöhrenbach und Villingen-Schwenningen und hat aktuell 3219 Mitglieder. Das sind 7,3 Prozent und damit 218 mehr als im Vorjahr. Allgemein freut sich die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) derzeit über einen großen Mitgliederzuwachs. In Baden waren es 4,4 Prozent. Zusammen mit Württemberg sind nun mehr als ein Prozent der Bevölkerung im Land Mitglied bei den Wasserrettern.