DJ Bobo feierte im Europa Park Rust eine gelungene Premiere. Foto: dpa/Philipp von Ditfurth

DJ Bobo steht seit 30 Jahren auf der Bühne - und ist erfolgreicher denn je. Premiere feiert die neue Show seit vielen Jahren im Europa Park in Rust. Ein Besuch in einer anderen Welt mit Konfetti, Feuer und einem sehr großen Löwenkopf.

Es läuft sehr gut für DJ Bobo derzeit. Die Tickets für seine Tour verkaufen sich bestens. Es verspricht die erfolgreichste Tournee seiner Karriere zu werden, die am 5. Mai dann offiziell in der Stuttgarter Porsche-Arena startet. Der etwas kryptische Titel lautet „Evolut3on“. Die Zahl ist deshalb in dem Wort „Evolution“ verankert, weil René Baumann, den die Welt eigentlich nur unter dem Künstlernamen DJ Bobo kennt, 2023 sein 30-jähriges Bühnenjubiläum feiert. Der 55-jährige Schweizer ist in den 1990er Jahren mit langen Haaren und Hits wie „There is a Party“, „Everybody“ und „Dance With Me“ bekannt geworden. Er war mit Michael Jackson auf Tour, die Backstreet Boys sangen bei ihm im Vorprogramm. Damals, sagte er neulich in einem Interview, sei er der Nicht-Prototyp eines Popstars gewesen. Aber ein durchaus sehr erfolgreicher Außenseiter. Und er ist vor allem immer noch da. Als noch physische Musik verkauft wurde, bringt er es auf mehr als 15 Millionen Tonträger. Sein 15. Album wird bald erscheinen. Auf der Prioritätenliste aber ganz oben sind seine Tourneen.

Klassische Win-Win-Situation

Premiere der neuen Show ist am Freitagabend – wie immer seit 2008 – im Europa Park Rust. Das passt wie Deckel auf Topf, wie Faust aufs Auge, wie Eurodance zu den neunziger Jahren. Es geht im Europa Park wie auch bei einer Show von DJ Bobo um die Flucht aus dem tristen Alltag, um Glanz und Glitzer und ganz viel gute Laune. Drei Abende und einen Nachmittag (!) in Folge ist die Show in der Arena in Rust ausverkauft. Für die Shows von Bobo wurde hier die Halle gebaut: 14 Meter hoch, damit seine spektakulären Bühnen hinein passen. Für die drei DJ-Bobo-Tage hat der bis März geschlossene Freizeitpark extra geöffnet. Das könnte man als klassische Win-Win-Situation bezeichnen.

Es ist eine symbiotisch-freundschaftliche Beziehung zwischen der Europa-Park-Betreiberfamilie Mack und DJ Bobo. „Die Zusammenarbeit ist fantastisch. Wir können hier in absoluter Ruhe arbeiten, haben perfekte Bedingungen“, schwärmt der Popstar am späten Freitagabend nach der Premiere.

Zwei güldene Mikrofone liegen bereit

Freitagnachmittag, 16.30 Uhr. Seit gut zehn Tagen ist DJ Bobo mit einem Team von mehr als 100 Leuten vor Ort in Rust. In der Arena herrscht vorfreudige Anspannung. Viele sprechen schönes melodisches Schweizerdeutsch, die Tänzerinnen und Tänzer proben in legeren Jogginghosen. Zwei goldene Mikrofone - eines für DJ Bobo, eines für seine Frau Nancy - liegen hinter der Bühne zwischen all der immensen Technik bereit.

René Baumann ist gelernter Bäcker und stammt aus dem Dorf Kölliken im Kanton Aargau. Baumann ist nicht nur ein grundsympathischer Geschäftsmann, sondern ein sehr fleißiger dazu, der alles im Blick hat. Von seiner eigenen Firma werden Verlagsrechte, Autorenrechte, Merchandising, Sponsoring, Tour und Platten bearbeitet. Alles aus einer Hand.

Zweieinhalbstündiger Magic-Life-Cluburlaub - gute Laune all inclusive

„Ich hätte nie gedacht, dass ich diesen Beruf so lange ausüben kann. Das ist einfach unglaublich“, sagt DJ Bobo. In der Zeit, als Eurodance aufkam, gab es Hip-Hop und Grunge, die vermeintlich Coolen tanzten nicht zur Musik von DJ Bobo in den Clubs, die damals noch Discotheken hießen. Und heute interessiert das Genre sowieso keinen mehr.

Eurodance ist Kirmes-Musik. Enthusiasmiert wie auf dem Rummel zwischen Autoscooter, dem Duft von Popcorn und pappsüßer Zuckerwatte an den Fingerkuppen fühlt man sich auch hier bei der Premiere der neuen Show. Es ist ein zweieinhalbstündiger Magic-Life-Cluburlaub - gute Laune „all inclusive“.

Junge Fans kommen nach

Jede Zeit erlebt irgendwann ihre Renaissance - und ein bisschen Nostalgie ist für den ein oder anderen Besucher bestimmt mit dabei heute Abend, wenn DJ Bobo aus einem Acht-Meter-großen Löwenkopf steigt und seine alten Lieder anstimmt. Es gibt eine wahnsinnig große Bühne, die eben jenen Löwenkopf ziert, der sich aber dank topmoderner Technik in eine Medusa mit Schlangenhaaren, einen Affenkopf oder eine amerikanische Straßenszene verwandeln kann - und DJ Bobo singt „Chihuahua“. Dass das alles nicht unbedingt Sinn ergibt: geschenkt. Klar, dass die Bewegungen des 55-jährigen schon mal schneller waren. DJ Bobo ist einer, der Fleiß stets über Talent gestellt hat. „In der ersten Dekade bist du der heiße Scheiß, in der zweiten der letzte Loser. Aber wenn du die überstehst, wirst du in der dritten Dekade unantastbar sein. Dann bist du eine Marke, welche die Zeit überdauert“, sagte Baumann jüngst in einem Interview mit dem „Stern“.

Die Show ist ein Spektakel

Seine neue Show ist ein visuelles Spektakel. Es gibt Konfetti, Pyrotechnik und Lasershow und vor allem eine beeindruckende Videotechnik, die die Bühne in Sekunden verändert. Bis zu vierzig Akteurinnen und Akteure sind da auf den drei verschiedenen Bühnen, Gespenster schweben durch die Halle, eine Discokugel dreht sich auf einem überdimensionalen Plattenspieler. In einem Videozusammenschnitt gratulieren die Backstreet Boys und Michael „Bully“ Herbig dem Schweizer Popstar zum Jubiläum.

Der hat sich längst ein neues Publikum erschlossen. Familien sind immer noch hier, Kinder mit Kopfhörern und Leuchtstäben. Aber überraschenderweise auch viele sehr junge Menschen, die noch gar nicht geboren waren, als DJ Bobo genau am 13. Januar 1993 zum ersten Mal in den Charts auftaucht.

DJ Bobo ist ein solcher Showprofi, dass er schon längst andere Stars mit seinen Bühnenerfahrungen versorgt. Bekanntestes Beispiel ist die Schlagersängerin Andrea Berg, mit der er seit mehr als zehn Jahren zusammenarbeitet, für den Gesamtlook auf der Bühne verantwortlich zeichnet.

Nach der nächtlichen Pressekonferenz geht es weiter

Jetzt aber geht es die kommenden Monate wieder um DJ Bobo. Die Show dauert zweieinhalb Stunden, das Wörtchen „kurzweilig“ wurde wohl nur dafür erfunden. Dreißig Minuten nach Showende steht eine Pressekonferenz an, die der Popstar nachts um 23 Uhr gibt. DJ Bobo ist keiner, der sich selbst auf die Schulter klopft, sondern erstmal alles kritisch seziert: Mit den Wegen zu den drei Bühnen sei es noch problematisch, in den großen Arenen werden die dann noch länger, erklärt er. „Manchmal passiert auch zu viel auf den drei Bühnen gleichzeitig“, sagt DJ Bobo. Und fügt an: „Das schreibe ich sofort alles auf. Jetzt ist es noch frisch.“ Nach der Pressekonferenz setzt er sich mit seinem Choreografen zusammen, um die zweieinhalb Stunden Aufzeichnung nochmal anzuschauen und zu analysieren. Wo hakt es noch? Was lässt sich verbessern? The Show must go on. Und zwar schon am nächsten Tag zur Nachmittagsvorstellung.

Info

DJ Bobo gastiert mit seiner Tour am 5. und 6. Mai in der Stuttgarter Porsche-Arena. Weiter geht es unter vielen anderen Stationen in Leipzig, Hannover, Oberhausen, München, Nürnberg und Mannheim. Auch Auftritte im Ausland sind geplant.