Nicht alle Besucher sind überzeugt, dass den Worten der Podiumsteilnehmer zum sozialen Wohnungsbau auch Taten folgen. Foto: Bombardi

Ein sozialer Missstand, der sich immer stärker in VS verbreitet, ist der Notstand an bezahlbarem Wohnraum. Vor allem für sozial schwächere Familien mit mehreren Kindern gibt es kaum noch freie Wohnkapazität. Doch welche Möglichkeiten bieten sich für eine Stadt wie VS und gibt es bereits Lösungsansätze im Bund oder im Land?

VS-Schwenningen - Diesem Problem stellte sich eine Podiumsdiskussion, die unter dem Titel "Wohnen ist ein Menschenrecht" mit Initiative der evangelischen Erwachsenenbildung und der Attac Schwarzwald-Baar-Kreis in der Pauluskirche stattfand. Zu Gast waren die Bundestagsabgeordnete Derya Türk-Nachbaur (SPD), die Landtagsabgeordneten Martina Braun (Grüne), Frank Bonath (FDP), die Gemeinderäte Nicola Schurr (SPD), Cornelia Kunkis (Grüne) und Obereschachs Ortsvorsteher Klaus Martin (CDU). Die Diskussionsleitung hatte Angela Imdahl. Auf dem Podium zu Gast waren zudem Geschäftsführer der Wohnungsbaugesellschaft VS, Rainer Müldner, und der Kölner Philosoph Werner Rügemer.

Rasche Schaffung von sozialem Wohnraum

Rainer Müldner bezeichnete VS als eine funktionierende Gemeinschaft mit einer funktionierenden Wohnungsbaugesellschaft. Diese wäre bereit, über beispielsweise Gesellschafterdarlehen den sozialen Wohnungsbau weiter voranzutreiben, sofern sie die notwendige Erlaubnis dazu erhält. Aus Sicht der Mietenden sprach er von einer untragbaren Situation, die viele vor eine existenzielle Lage stellt. "Was ist der Gesellschaft der soziale Frieden wert?", sah Müldner eine Gefahr aufsteigen, die nur durch eine rasche Schaffung durch genügend sozialen Wohnraum gelöst werden kann.

Doch aus dem Publikum war verbreitet Skepsis zu spüren, ob die Politik in der Lage ist, ein derartiges Problem zu lösen. "Ich gehe so enttäuscht, wie ich gekommen bin. Außer vielen Wohnbauprogrammen und leeren Worthülsen habe ich keine neuen Erkenntnisse erhalten", bedauerte ein Zuhörer.

Absage an Vorhaltepraktiken beim Grundstückskauf

Nicola Schur sieht ein weiteres Problem darin, dass jeder städtische Grundstückskauf für sozialen Wohnungsbau einen mehrheitsfähigen Beschluss der Gemeinderäte benötigt. Vorhaltepraktiken beim Grundstücksverkauf erteilte er eine Absage. "Wir haben keinerlei Aufstellung, was den Leerstand betrifft", appellierte er, rasch alle notwendigen Grundlagen zu erarbeiten, die es benötigt, um die Misere im sozialen Wohnungsbau ein Ende zu bereiten.

Wohnraummanager und Wohnungsbörsen für jede Gemeinde?

Derya Türk-Nachbaur sah die Politik in der Pflicht, mit einer weitsichtigen und vorausschauenden Politik die richtige Richtung im sozialen Wohnungsbau einzuschlagen. Sie schlug vor, dass jede Gemeinde einen Wohnraumanager und Wohnungsbörsen hat. Klaus Martin verwies darauf, dass es nicht einfach ist, Eigentümern, die allein in ihrem Haus wohnen, gegen ihren Willen zu einem Umzug zu bewegen. Zuhörer Reinhold Hummel hoffte, dass für den sozialen Wohnungsbau so viel Geld vorhanden ist, wie unlängst für die Aufrüstung. Er forderte, eine Wohnungsstrategie mit der Stadt als zentrale Anlaufstelle zu errichten. "Es herrscht Wohnungsnot in VS, die unter dem alleinigen Aspekt der Rentabilität nicht gelöst werden kann", appellierte Rose Zenth-Hummel im Namen von Attac zur raschen Umsetzung der zahlreichen existierenden Programme, die es zum sozialen Wohnungsbau bereits gibt.

Doch eine sofortige Lösung des Problems war an diesem Abend nicht in Sicht. Umso wichtiger ist es, das Thema in den politischen Gremien ernsthafter zu diskutieren.