Baiersbronns Bürgermeister Michael Ruf kämpft gegen die Windkraft-Fläche in Igelsberg. Warum er jetzt auf die Regionalversammlung hofft.
Bürgermeister Michael Ruf (CDU) und OB Adrian Sonder (CDU) aus Freudenstadt hoffen auf die Regionalversammlung. Sie wollen, dass die Windkraft-Fläche in Igelsberg, die an der Grenze zur Gemarkung Baiersbronn liegt, gestrichen wird.
Ruf hat in einer Brandmail zwei Tage vor der Sitzung des Planungsausschuss am Mittwoch, 4. Februar, im Rathaus Calw den Vergleich zwischen dem Großen Hau und Igelsberg gezogen. Ergebnis des Vorentscheids: Igelsberg soll auch in eine dritte Beteiligungsrunde kommen.
Der Regionalverband habe bei der Fläche bei Horb-Rexingen vorbildlich gehandelt – neue Daten zum Rotmilan seien ernst genommen, eine Einzelfallprüfung durchgeführt und die Fläche gestrichen worden. Genau dieses Vorgehen fordere er jetzt auch für Igelsberg.
Baiersbronns Bürgermeister Michael Ruf schreibt unter anderem an Verbandsvorsitzenden Klaus Mack (CDU) und Verbandsdirektor Sascha Klein: „Wie erklären Sie, dass vier Fachbeitrags-Arten bei WF 14 (Großer Hau, Anm. d. Red.) eine Streichung rechtfertigen – aber 13 Fachbeitrags und fünf Sonderstatus-Arten bei WF 4 (Igelsberg) nicht? Sie können es nicht erklären. Weil es nicht erklärbar ist.“
Ruf: Igelsberg für Windkraft „sofort streichen“
Ruf fordert, dass Igelsberg für Windkraft sofort gestrichen wird. Der Grund: „Die Streichung von WF 14 (Großer Hau) war die richtige Entscheidung. Wenden Sie dieselben Maßstäbe auf WF 4 (Igelsberg) an – und treffen Sie auch dort die richtige Entscheidung.“
Ist Igelsberg wertvoller als der Große Hau in Horb?
In der Stellungnahme der Gemeinde heißt es: „Es liegen hier beispielsweise Daten vor zu windkraftsensiblen Arten Rotmilan, Auerhuhn, Schwarzmilan, Wespenbussard, Schwarzstorch, Kraniche, Fischadler, Kuckuck, Bergfinken, Graureiher, Uhu, Eulen, Wanderfalke, Baumfalke, Mäusebussard, windkraftsensible Fledermausarten, auch sehr seltene Arten wie Nordfledermaus, Zweifarbfledermaus. Es handelt sich zudem um einen überregional wichtigen Flugkorridor und überregional bedeutsamen Vogelzugkorridor mit Nachweis eines über ein mehrere Jahre bestätigten Verdichtungsraums.“
Die Einzelheiten des Vergleichs
Vier geschützte Arten für den Großen Hau listet Ruf in einer Tabelle auf. Für Igelsberg 13. Im Großen Hau bei Horb-Rexingen gibt es nur vier „Fachbeitragsarten“, in Igelsberg dagegen 13.
Rotmilan
Brutplätze des Rotmilans gibt es laut Liste im Großen Hau keine, in Igelsberg dagegen drei bis vier. Ruf fragt: „Wie erklären Sie einem Gericht, dass Rastplätze nicht brütender Rotmilane bei WF14 zur Streichung führen – aber aktive Horste brütender Rotmilane + Rast und Schlafplätze bei WF4 in Nationalparknähe ignoriert werden?“
Fledermäuse
Bei den Fledermäusen wurde im Großen Hau nur eine Art gezählt; auf dem Igelsberg gibt es fünf. Auf dem Großen Hau ist es die Rauhautfledermaus, in Igelsberg leben unter anderem drei FFH-Arten: die Bechsteinfledermaus (eine Fledermausart, die zur Gattung der Mausohren gehört), das Große Mausohr und die Wimpernfledermaus.
Sonderstatus-Arten
Sonderstatus-Arten existieren im Großen Hau laut Tabelle keine, in Igelsberg gibt es fünf. Darunter der Schwarzstorch und das Auerhuhn.
Moor-Biotope
Moor-Biotope: Der Große Hau hat keines, in Igelsberg gibt es einen geschützten Hochmoor-Niedermoor-Komplex. Auch einen Wildtierkorridor gibt es im Großen Hau nicht, in Igelsberg jedoch einen, der „international bedeutsam“ ist.
Kulturdenkmale
Kulturdenkmale existieren im Großer Hau eines und in Igelsberg zwei. In Horb gibt es Hinweise auf Grabhügel. Im Einzugsgebiet von WF 4 gibt es das Kloster Reichenbach und die Hofanlage Ziegelteil.
Politische Vorstöße
Politische Vorstöße lassen sich ebenfalls vergleichen. Während der Gemeinderat Horb zu Windkraft auf dem Großen Hau keine Stellungnahme abgeben hat, haben sich sowohl Freudenstadt als auch Baiersbronn gegen die Flächen in Igelsberg ausgesprochen.
In der Vorentscheidung hatte der Planungsausschuss der Regionalversammlung Nordschwarzwald beschlossen, dass sowohl Igelsberg als auch Großer Hau in eine neue Beteiligungsrunde gehen. Das muss die Regionalversammlung in Freudenstadt beschließen.