Das Gewerbegebiet "Egarten" wurde im Gemeinderat von Bad Liebenzell diskutiert. Schlussendlich stimmte das Gremium trotz einiger Bedenken den Plänen zu. Foto: Biermayer

Die Erweiterung des Gewerbegebiets "Egarten" in Bad Liebenzell-Unterhaugstett sorgt für Diskussionen um Gewerbe und Naturschutz. Trotz Kritik und Rückblick auf alte Entscheidungen billigt der Gemeinderat schlussendlich den Planentwurf.

Bad Liebenzell-Unterhaugstett - Das Gewerbegebiet "Egarten" hat auf seinem Weg zur Erweiterung die nächste Hürde genommen. Der Gemeinderat billigte den entsprechenden Bebauungsplanentwurf. Kritik an dem Vorhaben gibt es vor allem, weil für die Erweiterung die angrenzenden Waldflächen gerodet werden müssen.

Mit einem entsprechenden Anliegen meldete sich auch ein Bürger in der jüngsten Gemeinderatssitzung zu Wort. Der Wald und Umweltschutz seien ihm eine Herzensangelegenheit. Es würde schon so viel abgeholzt, wie beispielsweise in Stammheim beim Gebiet Lindenrain. Deshalb wolle er fragen, ob man die Erweiterung nicht auf die andere Straßenseite verlegen könne. Dort gebe es Wiesenflächen und man müsste dann keine Bäume fällen.

Rainer Becht vom Bauamt verneinte diesen Vorschlag. Mit dem "Egarten" beschäftige man sich schon seit knapp 20 Jahren. Diese Planung zurückzudrehen sei schwierig, zumal im Regionalplan eine Mindestflurzahl vorgegeben sei.

Und da Bad Liebenzell auf 70 Prozent der Gemarkung bewaldet sei, müsse man eben diese Flächen nutzen, um die Vorgaben einzuhalten. Außerdem habe die Stadt ein Ökopunktekonto. Und weil man durch die Maßnahme im Rosenhardt kräftig Punkte gesammelt habe, könne man diese mit der Rodung nun verrechnen.

Einzelheiten der Planung werden erklärt

Anschließend erklärte Jessica Jakubik vom Planungsbüro Schöffler aus Karlsruhe die Einzelheiten des Bebauungsplanentwurfs. 4,9 Hektar stünden an Gewerbeflächen zu Verfügung. Diese dürften allerdings nicht für eigenständige Lagerhäuser, Gastronomie, Wohnungen oder Einzelhandel genutzt werden. Außerdem müssten die Gebäude 20 Meter Abstand zur Straße haben und dürften eine Höhe von 13 Metern nicht überschreiten. Zudem seien nur Flachdächer und Pultdächer erlaubt. Diese müssten zudem zu 30 Prozent mit Photovoltaikanlagen versehen werden. Dies rief Erich Grießhaber (Grüne) auf den Plan. Die neue Landesregierung schreibe doch 100 Prozent in diesen Fällen vor. Er wollte wissen, warum dies im Entwurf nicht so vermerkt sei. Wenn das so sei, würde das so umgesetzt, entgegnete Becht. Grießhaber drang aber auf eine Festschreibung im Planentwurf. Becht meinte, wer baut, müsse sich auch an die gültigen Gesetzte halten.

Schnelle Änderung ist eher unrealistisch

Katrin Heeskens (UL) sprach von einem Dilemma. Einerseits verstehe sie die Sorgen um den Wald.

"Und heute ist nicht mehr damals", bezog sich sich auf Bechts Verweis auf lang zurückliegende Beschlüsse. Eine schnelle Änderung sei jedoch unrealistisch. Und andererseits sehe sie den Bedarf an weiteren Gewerbeflächen. Deshalb werde sie für den Entwurf stimmen.

Becht erinnerte daran, dass es schon vor knapp 20 Jahren Gegenstimmen gegeben habe, der Gemeinderat sich damals aber anders entschieden habe. Entwicklung und Umweltschutz müssten sich die Waage halten. Und man setzte die Ressource Wald hier gut ein, befand er.

Außerdem befinde sich der wirklich gute Wald ohnehin auf der anderen Seite des Tals. Und dort gebe es Ausgleichsmaßnahmen. Bürgermeister Dietmar Fischer verwies auf den langen Abwägungsprozess. Außerdem seien auch Arbeits- und Ausbildungsplätze wichtig.

Eigentumsverhältnisse damals zu kompliziert

"2003 war Nachhaltigkeit noch kein Thema", warf Thomas Becker (UL) ein. Man war damals für das Gewerbegebiet an dieser Stelle, weil es hieß, auf der anderen Seite der Landstraße seien die Eigentumsverhältnisse zu kompliziert, so Becker. Man habe sich also lieber für die einfache Variante entschieden. Er sei gegen den Planentwurf. "Es war nicht der einfachste Weg, sondern der idealste", erwiderte Fischer.

Den Grünen falle die Entscheidung nicht leicht, meinte Grießhaber. Man könne das Vorhaben streichen, dann falle kein Baum. Es sei in der Vergangenheit aber so beschlossen worden.

Deshalb stimme er, wenn auch "mit viel Bauchweh", zu. Der Bebauungsplanentwurf wurde anschließend vom Gemeinderat gebilligt. Katrin Heeskens (UL) und Frank Reichardt (Grüne) enthielten sich. Thomas Becker und Michaela Simsek (beide UL) stimmten dagegen.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: