Weder Menschen noch Tiere sollen künftig die Namen für öffentliche Flächen in Rottweil liefern. Diese Meinung vertritt mancher Gemeinderat, wenn es um den künftigen Moses-Katz-Weg geht.
Sollen in Rottweil künftig weder Plätze noch Straßen nach Persönlichkeiten oder Tieren benannt werden? Die Diskussion um den Moises-Katz-Weg im Ausschuss jedenfalls förderte so manche Sichtweise zu Tage, mit der man so gar nicht gerechnet hatte.
Der Verein Ehemalige Synagoge war mit dem Wunsch einer Straßenbenennung im öffentlichen Raum mit dem Namen einer jüdischen Persönlichkeit an die Stadt herangetreten. Moises Katz stand zur Wahl– ein Händler und Banker, der in Rottweil lebte und sich zu Zeiten der napoleonischen Belagerung Rottweils um die Befreiung der Reichsstadt verdient gemacht hatte.
Von Moises Katz zu Friedrichsplatz
Das Stadtarchiv ordnete Katz’ Leben und seine Verdienste um Rottweil geschichtlich ein, die Stadt schlug den Fußweg entlang der Synagoge hinauf zur Achert-/Eichendorffschule vor. Wohl wissend, dass „die Überprüfung einer Person niemals abgeschlossen ist“, wie es OB Christian Ruf in der Sitzung des Kultur-, Sozial- und Verwaltungsausschusses formulierte. Sprich: Es besteht immer die Möglichkeit, dass ein Mensch – ganz gleich welche Verdienste dieser vorzuweisen hat – auch eine dunkle Seite haben kann, von der man aktuell noch nichts weiß.
Thematisch daran anknüpfen lässt sich da die aktuelle Diskussion um den Friedrichsplatz, dessen Umbenennung in Rindermarkt sich SPD+FFR vorstellen können, weil Herzog Friedrich II von Württemberg den Rottweilern während dessen Besatzung Anfang des 19. Jahrhunderts das Leben schwer machte.
Grünes Licht und Diskussionen
Im Falle von Moises Katz jedenfalls gab auch die israelitische Gemeinde grünes Licht, wie OB Ruf erklärte. Und damit hätte es eigentlich auch erledigt sein können. Die Grünen fanden die Idee „sehr gut“, SPD+FFR eigentlich auch. Allerdings wollte sich Elke Reichenbach aufgrund ihrer persönlichen Meinung enthalten. „Wir wissen nicht, wie Menschen wirklich sind“, sagte sie. Deshalb sei sie selbst der Meinung, öffentliche Plätze, Wege, Gassen und Straßen sollten nicht nach Personen benannt werden.
Und damit stand sie nicht allein. Auch die CDU – mit Ausnahme von Rasmus Reinhardt – wollten es „grundsätzlich nicht befürworten“, dass öffentliche Flächen nach Personen benannt werden. „Wir hatten in der Vergangenheit schon Diskussionen“, sagte Monika Hugger. Und fügte hinzu – „keine Umbenennung, weder nach Personen noch nach Tieren!“
Von dunklen Flecken
Ihr Fraktionskollege Rasmus Reinhardt – „jetzt bin ich das schwarze Schaf“ – hielt die Diskussion für „Quatsch“ und stellte die Frage in den Raum: „Müssen wir so woke sein, Plätze und Straßen nicht mehr nach Menschen zu benennen?“ Jeder habe dunkle Flecken und Moses Katz sei „zum jetzigen Zeitpunkt passend“.
Am Ende stimmte der Ausschuss mit neun zu drei Gegenstimmen und einer Enthaltung mehrheitlich zu. Der Gemeinderat hat das Thema nach der Fasnet am 25. Februar auf dem Tisch.