Wohin mit dem Atommüll? Es wird nach einem Standort für ein Atommüll-Endlager gesucht. Sulz scheint jedoch aus dem Rennen zu sein. (Symbolbild) Foto: C-stock.adobe.com

Lieber bunte Blumen als Behälter mit Atommüll – Bürgermeister Jens Keucher erklärt im Sulzer Gemeinderat, warum das Thema „Endlager“ für die Kommune kein Thema mehr ist.

Das ist Bürgermeister Jens Keucher noch wichtig, loszuwerden. „Es gibt neue Informationen in Sachen Endlagersuche“, erklärte er am Ende des öffentlichen Teils der Gemeinderatssitzung.

 

Denn kürzlich habe die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) den aktuellen Sachstand zur Suche nach einem Endlager für den deutschen Atommüll vorgestellt. „Die interaktive Karte ist online abrufbar“, erläuterte er.

Endlager im Salzstollen?

Denn vor gut einem Jahr hatte der Stadtrat Stefan Link (AfD) dies ins Gespräch gebracht. Anlässlich der Diskussion um Windkraftanlagen auf kommunalen Waldflächen sprach er sich für „ein eigenes kleines Kernkraftwerk im InPark A81“ aus.

Und dachte noch weiter. „Wir hätten sogar gleich ein Endlager für Atommüll in Sulz parat. Mit dem Sulzer Salzstollen. Perfekter kann man es gar nicht haben wie wir Sulzer hier“, erklärte er im November 2024.

Andere Gebiete im Fokus

Auf diese Äußerungen bezieht sich Keucher, als er die Ergebnisse der Forschungsgruppe beschreibt. „Das Gebiet um Sulz erscheint als eine gelbe Fläche – das ist die Kategorie C“, sagte er. Und was bedeutet das? „Ungeeignet oder geringe Eignung“, ging der Bürgermeister ins Detail.

„Es gibt andere Gebiete in Deutschland, in denen weitergesucht wird, aber nicht in Sulz“, stellte er klar. Von ehemals 54 Prozent der Bundesrepublik hatten die zuständigen Experten die geeigneten Regionen auf 25 Prozent der deutschen Landesfläche eingegrenzt.

Ganze Region „ungeeignet“

Den Flächen der hellgrün dargestellten Kategorie B wird eine „gute Eignung“ bescheinigt – etwa Laupheim im Landkreis Biberach oder – das bayerische – Vöhringen. Blau abgebildete Flächen seien hingegen „noch in Bearbeitung“, heißt es auf der Webseite der BGE. Im „Endlagersuche-Navigator“ sind das unter anderem die Standorte Bad Rippoldsau-Schapbach, Alpirsbach, Bad Wildbad, Höfen und Enzklösterle.

Doch die Einschätzung, Sulz als „ungeeignet“ zu klassifizieren, überrascht nicht allzu sehr. Denn schon im November 2024 hatte die BGE eine Karte für potenzielle Regionen eines Endlagers veröffentlicht – und das Gebiet südlich von Stuttgart, und somit auch Sulz, waren aufgrund der geologischen Beschaffenheit schon damals nicht dabei.

Alternative als Zwischenlager?

Die rund 27 000 Kubikmeter hoch radioaktiven Atommülls, der in mehr als 60 Jahren Atomkraftnutzung angefallen ist, wird also andernorts seine letzte Ruhestätte finden. Doch gehe es nach Link, müsse es ja auch nicht für ewig sein.

„Ich könnte mir auch ein Zwischenlager für eine bestimmte Zeit vorstellen – in dem Stollen, der von Bergfelden nach Haigerloch führt“, hatte er Mitte Januar die Verantwortlichen des BGE kontaktiert.

Chrysanthemen statt Castor

Worauf ihn die Öffentlichkeitsabteilung der BGE unverzüglich darauf hinweist, dass er bei ihnen an der falschen Adresse sei. „Bezüglich Ihres Hinweises auf die Nutzung des Stollens in Ihrer Region zur Zwischenlagerung radioaktiver Abfälle wenden Sie sich bitte an die BGZ Gesellschaft für Zwischenlagerung“, heißt es im Antwortschreiben.

Die Chancen scheinen also eher gering, dass Sulz eine derart „strahlende“ Zukunft hat. Mit Blick auf die Gartenschau-Bewerbung für 2031 setzt die Stadtverwaltung ohnehin eher auf Chrysanthemen statt als auf Castor-Behälter.

Denn: „Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir eine positive Rückmeldung bekommen – noch in diesem Jahr“, hatte Bürgermeister Keucher am Tag der Beschlussfassung den Stadträten Mitte des Monats versichert.