Die Diskussion über die Änderung der täglichen Höchstarbeitszeit ist neu entbrannt. Was im Extremfall drohen könnte und was diskutiert wird.
Die Debatte um die Arbeitszeit in Deutschland nimmt seit Tagen an Schärfe zu. Am Donnerstag meldete sich auch der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) mit deutlicher Kritik zu Wort. Von einem „Angriff auf humane Arbeitszeiten“ und dem „Versuch, ausbeuterische Geschäftsmodelle politisch zu legitimieren“ sprach DGB-Chefin Yasmin Fahimi in den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Doch worum geht es in der aktuellen Diskussion – und welche Fakten liegen tatsächlich auf dem Tisch?
Auslöser sind Regierungspläne, künftig vor allem eine wöchentliche Höchstarbeitszeit festzulegen. Union und SPD hatten diesen Ansatz bereits im Koalitionsvertrag angelegt. Nun taucht er auch in der „Nationalen Tourismusstrategie“ auf: Die Bundesregierung will „im Einklang mit der europäischen Arbeitszeitrichtlinie“ die rechtliche Grundlage für eine wöchentliche statt einer täglichen Höchstarbeitszeit schaffen. Ziel sei eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Kritiker hingegen sehen darin einen möglichen Türöffner für extrem lange Arbeitstage.
Tatsächlich erlaubt die entsprechende EU-Richtlinie im Durchschnitt maximal 48 Arbeitsstunden pro Sieben-Tage-Zeitraum, Überstunden eingeschlossen. Entscheidend ist dabei der Durchschnittswert: Je nach nationaler Ausgestaltung kann dieser über mehrere Monate hinweg berechnet werden.
Schon heute ist der klassische Acht-Stunden-Tag in Deutschland keine starre Grenze. Das Arbeitszeitgesetz erlaubt Arbeitstage von bis zu zehn Stunden, sofern diese später ausgeglichen werden. Im Durchschnitt dürfen Beschäftigte über sechs Monate oder 24 Wochen dennoch nicht über acht Stunden pro Tag kommen. Die absolute Obergrenze liegt bei zehn Stunden täglich. Ausnahmen gelten etwa bei tariflich geregelten in wenigen Sonderfällen, etwa bei Bereitschaftsdiensten oder in Notfällen.
Vieles noch offen
Fest steht: Die Bundesregierung will die bestehenden Arbeitszeitvorschriften anpassen. Wie die Reform konkret aussehen wird, ist derzeit jedoch offen. In der aktuellen Tourismusstrategie findet sich bisher nur die Formulierung aus dem Koalitionsvertrag von Union und SPD. Bis in den kommenden Monaten konkrete Details vorliegen, dürfte die Diskussion weiter intensiv geführt werden.