Die städtischen Unterkünfte für Geflüchtete in Hechingen sind nicht ausgelastet. Im Gemeinderat kam die Frage auf, ob einzelne Unterkünfte nicht geschlossen werden könnten.
Derzeit werden dem Zollernalbkreis im Vergleich zum Vorjahr weniger Asylsuchende zugewiesen. Konkret um etwa 60 bis 70 Prozent seien die Zahlen zurückgegangen, teilt das Landratsamt auf Anfrage mit. Der Landkreis ist für die vorläufige Unterbringung der Geflüchteten zuständig. Für die Anschlussunterbringung, meist nach Genehmigung des Asylantrags, sind die Städte und Gemeinden verantwortlich.
In Unterkünften der Stadt Hechingen sind derzeit insgesamt 103 Personen, darunter auch Obdachlose, untergebracht. Das geht aus einer Anfrage von Frank Balbach, Stadtrat der Freien Wähler, an die Stadtverwaltung hervor. Demnach sind insbesondere die Gemeinschaftsunterkünfte bei weitem nicht ausgelastet. Ein Beispiel: In den Containern in der Weilheimer Straße sind 13 von 20 Plätzen belegt, in den Gebäuden in der Ermelesstraße 50 von maximal 130. Dazu wohnen in drei Wohnungen im Eigentum der Stadt 14 Personen, die sich auf drei Familien aufteilen. Weiter hat die Stadt Wohnraum für 26 Personen angemietet – der Bedarf in der Hochphase des Geflüchtetenzustroms vor rund zwei Jahren war da.
Abhängig von den Krisenherden in der Welt
Bürgermeister Philipp Hahn betonte in der jüngsten Gemeinderatssitzung: „Wir sind abhängig von den Krisenherden in der Welt.“ Die Stadt Hechingen habe ihre Hausaufgaben gemacht und halte nun genügend Wohnraum für Geflüchtete vor, sollte sich die Lage doch wieder ändern. Eine Prognose zu treffen, sei quasi nicht möglich. Durch die geringe Auslastung gestalte sich zudem die Betreuung und Integration der Bewohner leichter.
Dem stimmten die Stadträte zwar zu, Frank Balbach gab aber zu bedenken, ob sich die Stadt angesichts der angespannten Haushaltslage diese komfortable Situation leisten könne. Der Hintergrund seiner Anfrage sei gewesen, ob einzelne Gemeinschaftsunterkünfte nicht geschlossen oder umfunktioniert werden könnten. Zuvorderst führte er die Unterkunft unterhalb des ehemaligen Kreiskrankenhauses an. Er forderte zusätzlich zu den Belegungszahlen eine Analyse der Kosten, die die Unterkünfte verursachen.
Diese, so versicherte Bürgermeister Hahn, werde die Verwaltung nachliefern. Doch er gab den Hinweis: „Natürlich können wir darüber diskutieren, die Unterkunft in der Weilheimer Straße zu schließen. Aber wir wissen nicht, wie die Situation im Januar aussieht.“ Im Neubau in der Ermelesstraße sei eine Umnutzung nicht möglich; die Stadt ist dort zehn Jahre daran gebunden, Geflüchtete unterzubringen.
Angemietete Wohnungen werden gekündigt
Almut Petersen, Fraktionsvorsitzende der Bunten Liste, regte an, ob nicht einzelne Gebäude in sogenannte Sozialwohnungen umgewandelt werden könnten. Denn: An jenen mangele es auf dem Wohnungsmarkt besonders. Auch hier wiegelte Hahn ab: „Die Standards in Gemeinschaftsunterkünften sind nicht mit denen in Sozialwohnungen vergleichbar.“ Ohne kostspielige Sanierungsmaßnahmen sei eine Umnutzung nicht möglich.
Und außerdem, ergänzte Ordnungsamtsleiter Patrick Loll, sei die Stadt nicht untätig und trenne sich peu à peu von den gemieteten Wohnungen. Zwischen Juli 2024 und November 2025 seien elf von 25 Mietverträgen gekündigt worden. Die Bewohner hätten mithilfe der Stadtverwaltung und der Caritas entweder einen eigenen Mietvertrag mit dem Vermieter geschlossen oder eine andere Wohnung gefunden. Ziel sei es, im Laufe des kommenden Jahres weitere gemietete Wohnungen zurückzugeben. Loll abschließend: „Es wäre zu kurz gedacht, Unterkünfte komplett umzubauen.“
Nutzungsdauer der Container auf zehn Jahre angelegt
Landkreis auf Container angewiesen
Die Gemeinschaftsunterkunft für Geflüchtete in der Weilheimer Straße wird vom Landkreis und der Stadt Hechingen gemeinsam betrieben. Insgesamt können 60 Personen untergebracht werden, davon stehen 40 Plätze dem Landkreis für die vorläufige Unterbringung und 20 der Stadt Hechingen für die Anschlussunterbringung zur Verfügung. Von den 40 Plätzen des Landkreises sind 20, von den 20 der Stadt 13 belegt. Aus dem Landratsamt heißt es auf Nachfrage: „Die Landkreisverwaltung ist derzeit und auch künftig auf die Container in Hechingen angewiesen.“ Die Kreisbehörde macht auch deutlich, dass die Nutzungsdauer der Container auf circa zehn Jahre angelegt ist. In Betrieb genommen wurde die Unterkunft im Sommer 2025.