Schon in Kürze dürfte der DFB wieder einmal einen neuen Präsidenten benötigen. Oder gibt es bald die erste Präsidentin?
Stuttgart - Jetzt steht also auch der Winzer aus Südbaden vor einem Scherbenhaufen. Der Rücktritt von Fritz Keller scheint unvermeidbar – nahtlos würde sich der 64-Jährige einreihen in die Riege gescheiterter Präsidenten des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). Nicht nur über eine geschenkte Luxusuhr stolperte vor ihm der Ex-Politiker Reinhard Grindel; dem jovialen Ex-Pressesprecher Wolfgang Niersbach war der Umgang mit der Sommermärchen-Affäre zum Verhängnis geworden. Wieder einmal lautet nun die Frage: Wer kann den DFB aus der Dauerkrise führen? Die Nachfolgediskussion ist in vollem Gange.
Die Anforderungen an den Chef des deutschen Fußballs sind gewaltig. Ein Herz für die Amateure an der Basis sollte er oder sie haben, gleichzeitig aber dem Kommerzstreben der Profis nicht im Wege stehen. Stallgeruch, Netzwerk und Erfahrung wären hilfreich, Integrität, gesellschaftspolitisches Verantwortungsbewusstsein und persönliches Format sind Grundvoraussetzungen. Gesucht wird nicht weniger als die Eier legende Wollmilchsau.
Der Makel der Großkaliber aus München: beide sind vorbestraft
An fehlender Expertise im Fußballgeschäft und den internationalen Kontakten würde es bei zwei Großkalibern aus München nicht scheitern: Uli Hoeneß (69) und Karl-Heinz Rummenigge (65) macht auf dem Funktionärsparkett keiner etwas vor. Allerdings sind auch beide vorbestraft, der eine wegen Steuerhinterziehung, der andere wegen Uhrenschmuggels. Blütenweiß ist zwar die Weste von Philipp Lahm (37), einem weiteren Alphatier aus Reihen des FC Bayern – als Funktionär jedoch ist der Weltmeisterkapitän von 2014 noch nicht in Erscheinung getreten. Christian Seifert (51) wiederum, scheidender Chef der Deutschen Fußball Liga (DFL), gehört zu den klügsten Köpfen der Branche, hat sich während der Coronapandemie weiter profiliert und wäre wohl die Ideallösung. Doch warum sollte er sich den nächsten Job als Fußball-Krisenmanager antun, wenn er in der Wirtschaft die freie Auswahl hat? Undenkbar.
Auch zwei Frauen sind im Gespräch für die Führung des Verbands
Da ist es sogar wahrscheinlicher, dass sich der seit jeher von älteren Herren dominierte DFB dazu durchringen kann, erstmals einer Frau die Führung des Verbands zu übertragen. Einen „kompletten Neuanfang fernab von alten Seilschaften“ fordert Dagmar Freitag (68), Vorsitzende des Sportausschusses im Bundestag – als Bewerbung in eigener Sache will sie ihre Kritik aber nicht verstanden wissen.
Bliebe die ehemalige Weltfußballerin Nadine Keßler (33), die als blitzgescheit gilt und beim europäischen Verband Uefa die Entwicklung des Frauenfußballs vorantreibt. Zumindest eines wäre sicher: Die Pfälzerin stünde wie kaum eine andere für den geforderten Neuanfang.