Tumlingen bietet seinen Bürgern genug – meinen einige Anwohner. Foto: Hopp

Nachdem der Gemeinderat im August dieses Jahres der Errichtung eines Schankgebäudes mit Biergarten in Tumlingen zugestimmt hat, üben sechs Einwohner in der Sitzung des Ortschaftsrats Kritik an dem Bauvorhaben.

Waldachtal-Tumlingen - Die Bürger vertreten unter anderem die Ansicht, dass es in der Ortschaft genügend Möglichkeiten zum Einkehren gebe. "Wir haben die Schenke, den Bäcker, das Schützenhaus und Sportheim. Was wollen wir denn mehr?", fragte ein Einwohner das Gremium. Das neue Gasthaus soll hinter dem Gasthaus Ochsen entstehen. Dieses gehört dem Bauherren ebenfalls. Er plant das Gasthaus zu reaktivieren, möchte jedoch zuerst die Außengastronomie forcieren.

Kein Ablehnungsgrund

Ortsvorsteher Kurt Kübler argumentierte, dass Tumlingen im Vergleich zu Lützenhardt und Salzstetten ein sehr geringes Gastronomieangebot habe. Für das Tumlinger Gremium habe es keinen rechtlichen Grund gegeben, um das Bauvorhaben abzulehnen. Grundlage der Entscheidung sei zudem gewesen, dass es sich bei dem Gebiet um ein Mischgebiet handele. Ein weiterer Bürger hinterfragte, ob die geplante Anzahl an Parkplätzen ausreichend sei. Für die Herstellung von elf Stellplätzen sowie einer Abstellmöglichkeit für Fahrräder und einer Ladestation für E-Bikes will der Bauherr zwei Flurstücke von der Gemeinde erwerben. Wie Tumlingens Ortsvorsteher Kurt Kübler im August bekanntgab, habe der OR Tumlingen bereits mehrheitlich dem Verkauf der Flurstücke zugestimmt. Wie dem Schwarzwälder Boten von Seiten eines Insiders berichtet wurde, soll auch der Gemeinderat dem Verkauf der genannten Flächen in seiner nicht öffentlichen Sitzung im August zugestimmt haben. Nun liege das Baugesuch in der Zuständigkeit des Gemeindeverwaltungsverbandes (GVV) Dornstetten. "Wir bekommen nur eine Rückmeldung, falls es Probleme mit dem Bauantrag gibt", gab Kübler den Einwohnern zu verstehen.

Parkplatz-Problem?

Ein solches könnte nach Ansicht der Bürger durch unzureichende Parkplätze entstehen. Einer der Kritiker bezog sich dabei auf die Auskünfte eines Anwalts, wonach pro fünf Quadratmeter Gastronomiefläche jeweils ein Stellplatz geschaffen werden müsse. Elf Stellplätze seien somit bei den geplanten 60 Außensitzplätzen sowie dem Schankraum (circa 48 Quadratmeter) mit bis zu 30 Plätzen bei Weitem nicht ausreichend. Dem widersprach Ortschaftsrat Mario D’Avino, welcher während der Sitzung im Internet recherchierte. Unter 700 Quadratmetern sei jeweils ein Pkw-Stellplatz pro 30 bis 50 Quadratmetern vorgeschrieben.

Standort-Unklarheit?

Daraufhin bemängelten die Bürger, dass der Standort des Bauvorhabens auf der Tagesordnung der August-Sitzung nicht klar ersichtlich gewesen sei. Auch Gemeinderat Gerd Schedler monierte im August, dass in der Einladung zur öffentlichen Sitzung des OR Tumlingen, unter dem Tagesordnungspunkt Baugesuche lediglich "Außengastronomie auf Flurstück 187" angegeben wurde. Daher sei es auch nachvollziehbar, warum keine Anwohner der OR-Sitzung im August beiwohnten. "Ein Normalsterblicher blickt das nicht", argumentierten die Einwohner heuer. Des Weiteren zeigten sich die Bürger dahingehend enttäuscht, dass die Anwohner nicht zuvor zu dem Bauvorhaben befragt wurden. Ortsvorsteher Kübler verriet, dass es Absicht der Verwaltung sei, dass die Gremien unabhängig von frühen Einwänden beraten sollen. Mittlerweile hätten die Anwohner ein Anschreiben von der Gemeinde erhalten, um etwaige Einwände gegen das Bauvorhaben zu erläutern. "Ihr sollt die Bürger zuerst anschreiben und fragen, was sie wollen und nicht einfach entscheiden", forderte ein Einwohner.

Täuschungsversuch?

Kübler entgegnete, dass zum Zeitpunkt der Einladung zur Sitzung gar nicht die Möglichkeit bestanden habe, auf alle Anwohner zuzukommen. Dass der Bauherr selbst zuvor mit den Anliegern gesprochen haben soll und dabei nur positive Rückmeldungen erhalten habe, wurde von Seiten der anwesenden Bürgern als Lüge bezeichnet. "Diese Vorgehensweise ist Absicht, damit das Baugesuch durchgeht", vermuteten die Kritiker. Ortschaftsrat Waldemar Schander versuchte die Aufmerksamkeit auf das bestehende Gastronomieangebot zu lenken. "Vor dreißig Jahren gab es drei Wirtschaften im Ort. Was haben wir denn jetzt noch?", fragte Schander die Anwohner. Diese gehen jedoch davon aus, dass der Biergarten hauptsächlich von Auswärtigen aufgesucht wird, die mit dem Auto anreisen.

Angst vor Reisebussen

Zwanzig Busse würden täglich durch die Allmendgasse fahren, und es würde ein Chaos entstehen, falls mehrere Autos entlang der Straße parken. "Glaubt Ihr nicht auch, dass es im Interesse des Betreibers ist, dass er nicht immer Anzeigen bekommt?", fragte Schander die Zuhörer. "Darauf wird es aber hinauslaufen", antworteten die Anwohner. Dass auf dem künftigen Dorfplatz neun Parkplätze entstehen sollen, würde dem Bauherrn zudem gut in die Karten spielen. Angeblich plane dieser nach Aussagen der Anwohner bereits einen Durchgang über das Gelände des Azubi-Hauses zu seinem Biergarten. "Die Gemeinde baut die Parkplätze und er nutzt sie", vermuten die Bürger. Ortsvorsteher Kübler versprach abschließend, dass der Ortschaftsrat die Bürger unterstützen werde, falls Missstände auftreten sollten.