Etwa 130 junge Menschen kommen der Einladung zum Jugendforum nach und warten gespannt auf die Antworten zu ihren Fragen. Foto: Anna-Sophie Zepf

Jugendliche treffen in Rottweil auf die Bundestagskandidaten. Es wird rege diskutiert. Über die AfD, über Bildung, über Sorgen und Nöte – und auch der Dönerpreis ist Thema.

Altersarmut, Inflation, Klimaerwärmung und Krieg, junge Wähler schauen in eine ungewisse Zukunft. Ein Grund mehr zu wählen, doch verstehen alle jungen und neuen Wahlberechtigten, die Bedeutsamkeit ihrer Stimme? Aus diesem Grund haben diverse Jugendreferate aus dem Landkreis am Dienstag Interessierte und Bundestagskandidaten zum Jugendforum in den Sonnensaal des Kapuziners in Rottweil eingeladen.

 

Den brennenden Fragen der versammelten Schüler aus der Nell-Breuning-Schule Rottweil, des Gymnasiums Rosenberg, des Leibniz Gymnasiums, einer Gruppe der Stiftung Lernen Fördern Arbeiten und anderen Interessierten stellten sich die Bundestagskandidaten Andreas Ragoschke-Schumm (Die Grünen), Andreas Anton (FDP), Rainer Büttner (BSW) aus dem Wahlkreis Freiburg, Anastacia Lausen (Die Linke), Mirko Witkowski (SPD) und Felix Lehmann (CDU) als Vertretung von Maria-Lena Weiss. Ein Kandidat der AfD war nicht anwesend, da die mehrmals verlängerte Anmeldefrist verpasst wurde.

Etwa 130 junge Menschen nehmen teil

Christiane Bondzio vom Jugendreferat Oberndorf und Susanne Wellhäuser vom Jugendreferat Dornhan führten durch das Event und zeigten die zweiminütigen Videos, in denen sich die Bundestagskandidaten vorstellten und parteilichen Standpunkte zu Themen wie gesellschaftliche Vielfalt, Klimawandel, Krieg und Frieden erläuterten.

In einer direkten Gegenüberstellung von je zwei Bundestagskandidaten an Tischgruppen konnten die etwa 130 Teilnehmer ihren Fragen freien Lauf lassen. Auch die Kandidaten verstrickten sich mit Begeisterung in die Diskussionen, die die vorgesehene Zeit für die Debatten immer wieder zu sprengen drohten.

Anastacia Lausen, Kandidatin der Linke, geht in der Diskussion mit der Rottweiler Jugend auf. Foto: Anna-Sophie Zepf

In Bezug auf die Migrationsabstimmung hatte auch Rainer Büttner (BSW) klare Worte: „Es wird immer wieder vorkommen, dass man gleich abstimmt wie die AfD.“ Aber sowohl er als auch Felix Lehmann (CDU) sehen das nicht als eine Form der Zusammenarbeit und schließen eine Kooperation mit der rechtsextremen Partei kategorisch aus.

Eine Pizzapause lockerte die intensiven Gespräche zwischenzeitlich auf, das hielt die Schüler und anderen Interessierten jedoch nicht davon ab, die Bundestagskandidaten in persönlichen Dialogen weiter auszuhorchen.

Die Grünen und die FDP werden sich nicht einig

In der Zweierkonstellation von FDP und Grünen sind sich die Kandidaten Anton und Ragoschke-Schumm nicht einig geworden. In Bezug auf die Schuldenbremse vertreten die beiden gegensätzliche Ansichten, die sie den Zuhörern mit Leidenschaft erläuterten. Die Grünen möchten die Schuldenbremse reformieren, so Ragoschke-Schumm. Anton stellte sich klar dagegen. Die Schuldenbremse müsse bestehen bleiben. „Die Politik muss zur Disziplin gezwungen werden“, führt er in Bezug auf die Ausgaben des Bundeshaushalts aus.

Während sich Anton für neue Technologien im Bereich erneuerbare Energien aussprach, betont Ragoschke-Schumm, das die Infrastruktur rund um das Elektroauto gestärkt werden solle.

Auf Pinnwänden konnten die Teilnehmer ausdrücken, was ihnen an der Veranstaltung gefallen hat und was nicht, warum sie wählen gehen, aber auch, was sie sich von der zukünftigen Bundesregierung wünschen.

Mehr Geld für Bildung

Neben Wünschen wie einen Döner für 2,50 Euro, mehr Geld für Bildung und weniger Steuern, fanden sich auch Sorgen der jungen Menschen. „Ich geh’ wählen, weil ich nicht abgeschoben werden will“, stand gleich zweimal auf den Wänden. „Ich geh’ wählen, weil ich keine Angst haben möchte“, macht deutlich wie wichtig der Gang zur Wahlurne am 23. Februar wirklich ist.

In einer Fragerunde, drückten die jungen Menschen aus, dass die Veranstaltung ihnen viel gebracht habe und sie froh seien, teilgenommen zu haben. „Ich weiß jetzt eher, wen ich wählen möchte“, führte ein Teilnehmer aus und bringt das Jugendforum somit zu einem gelungen Abschluss.