Im Sommer 2025 wurde das geplante Baugebiet „Hinter der Kirche“ in Hochmössingen zeitweise zum Forschungsgebiet. (Archiv-Foto) Foto: Baur

Die Nachricht, dass ihr Baugebiet gestorben ist, hat die Hochmössinger hart getroffen. So schnell will mancher Stadtrat das Thema aber nicht begraben – besteht doch noch Hoffnung?

„Wir wollen Hochmössingen nicht im Stich lassen“, machte Bürgermeister Matthias Winter deutlich. Aber mit dem Gebiet „Hinter der Kirche“ weiterzumachen, das könne man einfach nicht verantworten, meinte er im Ausschuss für Technik und Umwelt (ATU). Mancher Stadtrat sieht das aber offenbar anders.

 

Ursprünglich sollte alles ganz schnell gehen. Mithilfe des beschleunigten Verfahrens nach Paragraf 13b des Baugesetzbuches wollte die Stadt Oberndorf zügig neuen Wohnraum in Hochmössingen schaffen: 20 Wohnbaugrundstücke auf einer Fläche von 2,2 Hektar nördlich der Kirche St. Otmar. 2022 wurde der Bebauungsplan „Hinter der Kirche“ aufgestellt.

Weil archäologische Funde in dem Gebiet als möglich erachtet wurden, mussten Sondierungsgrabungen durchgeführt werden. Aufgrund des Zeitdrucks wegen des 13b-Verfahrens fanden die aber nicht vorab, sondern erst im Sommer 2025 statt und bestätigten den Verdacht. Unter anderem wurde ein intaktes menschliches Skelett freigelegt. „Aus der Historie heraus nicht sonderlich überraschend“, merkte Winter im ATU an. Schließlich waren nicht weit entfernt bereits Gräber aus der Merowinger Zeit gefunden worden. Bislang seien nun Kosten in Höhe von rund 111 000 Euro angefallen.

Erhebliche Kosten

Wenn man nun am Baugebiet festhalte, müssten weitere Untersuchungen des Gebietes erfolgen, erklärte Winter – vom Fundort aus in verschiedene Richtungen und so lange, bis man nichts mehr finde. Die zu erwartenden Gesamtkosten bezifferte die Stadtverwaltung mit rund 3,3 Millionen Euro.

Schon mit den bisherigen Kosten würde das, auf den Baupreis umgelegt, bedeuten, rund 300 Euro pro Quadratmeter zu verlangen. Wer wolle da noch ein Grundstück kaufen? Zumal das Risiko, dass noch mehr gefunden werde, bestehe und zu Lasten der Käufer ginge.

Ersatzplan im Hintergrund

Auch wenn das Ganze also maximal schmerzhaft für Hochmössingen und die Gesamtstadt sei, sollte man nicht an „Hinter der Kirche“ festhalten, so der Rat des Bürgermeisters.

Die Verwaltung arbeite bereits mit Hochdruck an einem Plan B in Hochmössingen, den man dem Ortschaftsrat bereits in der nächsten oder darauffolgenden Sitzung nicht-öffentlich vorstellen wolle. Dabei wolle man insbesondere auch Baulücken miteinbeziehen. Bedingung sei dabei aber natürlich, dass die betreffenden Eigentümer ihre Grundstücke an die Stadt verkaufen.

„Wir hoffen sehr auf diesen Plan B“, machte FWV-Stadträtin und Hochmössingens Ortsvorsteherin Sabine Jaud deutlich. „Die jungen Familien laufen uns davon.“ Der Ortschaftsrat sei sehr enttäuscht, verstehe die Entscheidung aber.

Befunde bleiben im Boden

Jens Glatthaar (FWV) wies darauf hin, dass sich Baugebiete von Stadtteilen, die als Nächstes dran gewesen wären, ja nun auch verzögerten. Es gebe Überlegungen für Beffendorf und Altoberndorf unter anderem, bestätigte Winter, zuvor wolle man aber Hochmössingen zum Zug kommen lassen. Er warnte aber vor dem Hintergrund der Zinssituation und Kurzarbeit in vielen Unternehmen davor, überall das maximal Mögliche zu realisieren. Man müsse die Vermarktungschancen stets im Auge behalten.

Auf Ruth Hunds’ (SPD) Frage, ob man mit einer Besichtigung des Grabungsgebiets nicht Akzeptanz schaffen könne, meinte Sabine Jaud, vor Ort gebe es nichts mehr zu sehen. „Das wurde alles wieder zugeschüttet.“ Alles, was dort möglicherweise noch zu finden sei, bleibe da drin.

CDU-Stadtrat Wolfgang Hauser wunderte sich stark darüber. Auf seine Frage, ob das Denkmalamt denn kein Interesse daran habe, die „Schätze“ zu heben, meinte Winter, das Interesse bestehe darin, dass nichts zerstört werde. Natürlich könne man weitergraben – auf eigene Rechnung.

Auf andere Zeiten warten?

Es helfe nichts. 2024 habe man gesagt: „Wir legen mal die Ohren an und machen uns auf den Weg“ – und sei damit ein Risiko eingegangen. Nun sei der Worst Case eingetroffen, ganz überraschend könne das aber nicht sein, meinte der Bürgermeister.

Hauser schlug vor, man könne das Bebauungsplanverfahren doch einfach im aktuellen Zustand „stehenlassen“. Vielleicht baue ein privater Investor deutlich günstiger und wolle sich des Gebiets annehmen. Winter zweifelte diese Chance stark an – ebenso wie Christoph Seidels (CDU) Annahme, die zunehmende Wohnungsnot könnte die Sichtweise auf das Thema Denkmalschutz doch irgendwann ändern. Die Sichtweise werde sich sicherlich nicht so massiv verändern, dass dann ohne Rücksicht auf Verluste mit einem großen Bagger alles niedergewalzt werden dürfte, meinte er.

Bodenuntersuchung zu spät

Thomas Hartmann bezeichnete die ganze Sache als „volle Katastrophe für Hochmössingen“. Eigentlich hätte man die Bodenuntersuchungen bereits 2018 in Angriff nehmen müssen, meinte er. Winter, der damals noch nicht im Amt war, ging darauf nicht weiter dein, sondern meinte abschließend, es mache nun schlichtweg keinen Sinn mehr. Das Verfahren jetzt „stehenzulassen“ könnte allenfalls falsche Hoffnungen wecken, deutete er an.

Trotzdem gab es für die Empfehlung an den Gemeinderat, den Bebauungsplan „Hinter der Kirche“ aufzuheben, am Ende nur eine knappe Mehrheit mit sechs zu fünf Stimmen. Die endgültige Entscheidung wird der Gemeinderat am Dienstag, 24. März, treffen.