Das Schulsystem im Allgemeinen, G9 und Kitas – das waren die bestimmenden Themen einer Veranstaltung der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft mit den Landtagsabgeordneten in Lörrach.
Bildungspolitik ist Ländersache. Deshalb, so könnte man meinen, müsste Bildungspolitik ein großes Streitthema im Landtagswahlkampf sein. Doch eine Veranstaltung der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft mit den Kandidatinnen und Kandidaten von Grünen, CDU, SPD, FDP und Linken in der Stadtbibliothek Lörrach verlief vergleichsweise reibungsarm – mehr wie ein offener Austausch zwischen Lehrern, Gewerkschaft und Politikern.
Das Schlusswort der Landtagsabgeordneten Sarah Hagmann (Grüne), sie wünsche sich am Ende der nächsten Legislaturperiode in fünf Jahren, dass Schulen bis dahin ein Ort würden, an dem Schüler gerne lernen, hätten auch alle anderen Kandidaten unterschreiben können. Das gilt ebenso für den Wunsch von Jonas Hoffmann (SPD) und Lars Biesenthal (Linke), die derzeit noch eine zu große Bedeutung des Einkommens und des Bildungsgrads der Eltern für die Chancen der Kinder sehen. Auch der Wunsch von Peter Schelshorn (CDU) und von Felix Düster (FDP), die auf ein durchlässiges System mit einer starken beruflichen Bildung setzten, hätten an diesem Abend alle Beteiligten unterschrieben.
Ein paar Nuancen hat der von der früheren GEW-Kreisvorsitzenden Anja Hanke moderierte Abend dann doch noch hervorgebracht. Wie schnell und wie weitreichend die vorhandene Schullandschaft in ein zwei- oder sogar nur noch eingliedriges System umgewandelt werden sollte, wird von den Kandidaten etwas unterschiedlich gesehen. Peter Schelshorn, er ist Bürgermeister von Schönau, bedauert zwar den Wegfall der Hauptschule, sieht aber im Nebeneinander von Gemeinschafts- und Realschule sowie Gymnasium ein Dreigliedrigkeit.
Grüne und SPD sprechen sich für zwei Säulen aus, wobei Jonas Hofmann meinte, die Vision einer Schule für alle wäre wünschenswert, aber wegen der starken Lobby der Gymnasialeltern politisch nicht realistisch. Lars Biesental wollte sich mit solchen Erwägungen nicht aufhalten. Die Linken, die erstmals in den Landtag von Baden-Württemberg einziehen wollen, plädieren für die Einheitsschule.
Frühkindliche Bildung
Weitgehend einig war sich die Runde auch bei der Einordnung frühkindlicher Bildung. Deren Bedeutung für den Bildungserfolg wurde auch durch Rückmeldungen von Lehrern aus dem Publikum bestätigt. Peter Schelshorn, der als erklärter Kommunalpolitiker um die Belastungen der Gemeinden weiß, wollte im Interesse der Qualitätssicherung am vorhandenen Personalschlüssel in den Kitas nicht rütteln. Jonas Hoffmann mochte selbst als Oppositionspolitiker und als Vater den derzeit im Land gültigen Personalschlüssel nicht kritisieren – im Gegensatz auch zu einigen SPD-Oberbürgermeistern im Land. Mehr Gewicht legte er auf die alte SPD-Forderung nach gebührenfreien Kita-Plätzen, zumindest für das letzte Jahr. Diese Forderung steht auch im Wahlprogramm der Grünen. Außerdem wies Sarah Hagmann darauf hin, dass es dem Land mit Grün-geführten Regierungen gelungen sei, 70 Prozent mehr Personal in die Kitas zu bringen. Felix Düster schließlich schlug vor, das Land solle die Personalkosten für die Kindergärten übernehmen, um so die Kommunen zu entlasten.
Grundschulempfehlung
Ein Thema war auch die Grundschulempfehlung, die nach ein paar Jahren ohne Verbindlichkeit nun wieder quasi-verbindlich geworden ist. Peter Schelshorn verteidigte die Verbindlichkeit als gute Sache, „so hart es klingt“. Dem steht die von der stellvertretenden GEW-Landesvorsitzenden Andrea Wagner vorgetragene Position gegenüber, wonach die verbindliche Empfehlung „Druck auf Schüler und Eltern ausübt.“ Außerdem sollten nicht Dritte, also in diesem Fall einzelne Lehrer, über den Bildungsweg entscheiden können. Vielmehr sollte sich der Bildungsweg im Rahmen eines längeren gemeinsamen Lernens individuell herauskristallisieren.