Das Kappler Rathaus war am Montagabend gut besucht. Zahlreiche Bürgerverfolgten die Gemeinderatssitzung und nutzten, wie hier stehend Regina Bührle von der Initiative der Gegner, die Gelegenheit, um Fragen und Bedenken zu äußern. Foto: Dahms

Der Gemeinderat hat einstimmig dafür votiert, dass eine Einäscherungsanlage im Gewerbegebiet Grafenhausen zulässig ist – trotz Protesten der Bevölkerung.

Ohne Gegenstimmen und Enthaltungen entschied der Gemeinderat am Montagabend, dass ein Krematorium im Gewerbegebiet Grafenhausen grundsätzlich infrage kommt. Und das, obwohl sich einige Kritiker zu Wort gemeldet hatten, ehe abgestimmt wurde. Einige Bürger richteten in der Frageviertelstunde das Wort an die Verwaltung – oft eher in Form von Aussagen als Fragen.

 

„Welche neuen Erkenntnisse müssten in diesem Verfahren auftreten, damit die Gemeinde dieses Gespräch später noch stoppt?“, erkundigte sich Regina Bührer. Sie hatte vor einigen Tagen mit fünf anderen Bürgern einen Brief an die Gemeinde verfasst, in dem sie ihre Bedenken zum Bauprojekt dargelegt hatten. Die Gruppe hatte auch Unterschriften im Ort gegen das Bauvorhaben gesammelt (wir berichteten). Christoph Windscheif von der Fertighauswelt in Grafenhausen war ebenfalls zur Sitzung erschienen. Er erkundigte sich bei den Räten, ob diese das Schreiben mitsamt der Unterschriften erhalten hätten, was der Bürgermeister ihm zusicherte.

Philipp Klotz betont, dass das Projekt noch ganz am Anfang steht

Philipp Klotz wies darauf hin, dass sich das Projekt erst in den Startlöchern befinde und man die Bedenken im Prozess zu jedem Zeitpunkt ernst nehme. „Ich kann ehrlicherweise keine Auskunft dazu geben, welche Bedenken da auftreten müssten. Wir befinden uns da jetzt in einem ganz normalen Verfahren, bei dem alle Belange geprüft werden.“

Der Beschluss zum „ Bebauungsplan Kleinoberfeld III“ ist in drei Unterpunkte gegliedert. Dabei ging es etwa darum, ob dort künftg auch Hotels betrieben werden können – damit waren die Ratskollegen einverstanden. Tagesordnungspunkt 5.6 betraf dann den Sachverhalt, wegen dem der Saal an diesem Abend so gut gefüllt war. Um alle Bürger auf den neuesten Stand zu bringen, wiederholte Klotz, wie das Verfahren bis zu diesem Punkt abgelaufen war.

Außerdem erklärte der Rathauschef die von der Verwaltung in der Ratsvorlage vorgestellten Vor- und Nachteile, eine Fläche im Gewerbegebiet Grafenhausen als Sondergebiet auszuweisen und so den Bau eines Krematoriums zu ermöglichen. „Viel ausführlicher kann ich eine Vorlage ehrlich gesagt nicht beschreiben“, so Klotz.

Zahlreiche Ratsmitglieder meldeten sich ebenfalls zu Wort. „Wir reden über alles, wir schauen uns alles an, was auf den Tisch kommt“, appellierte Clemens Sedler (CDU) an die Bürger. „Aber ich bitte immer zu bedenken: wir brauchen Geld, wenn wir unsere Pläne so durchziehen, sind wir in vier Jahren pleite.“ Die Lage der Fläche in Grafenhausen sei außerdem für das Vorhaben gut geeignet: „Die Schwanauer wären froh, sie hätten so ein Gelände gehabt. Hier bei uns kann ich die Leute schnell zählen, die direkt dran wohnen.“

Räte beschweren sich über die Umgangsweise

Auch Nadine Schrempp (Pro KG) betonte, dass sich die Verwaltung Gedanken mache und die Belange der Bürger ernst nehme. „Die Gegner sind lauter, aber wir nehmen auch die Befürworter wahr. Mir ist allerdings aufgestoßen, dass auch Rückmeldungen kamen, die wenig mit demokratischen Prozessen zu tun hatten, und bei denen es mehr um persönliche Interessen ging. Das vergiftet die Stimmung.“

Diesen Punkt griff auch Marius Bührle (Pro KG) auf: „Wir haben jetzt einen Bürgermeister mit Tatendrang, das habe ich beim alten vermisst. Wenn man dann so angreift ohne jeden Grund, das finde ich völlig daneben.“

Bevor der Beschluss zur Abstimmung ging, richtete Klotz noch einmal das Wort an die Bürger. Er habe mitbekommen, dass man ihm vorwerfe, die Bedenken der Kritiker nicht ernst zu nehmen. „Ich bin kein kleiner Autokratenbürgermeister, ich habe eine von 15 Stimmen in diesem Rat. Wir beraten alles öffentlich und entscheiden hier demokratisch.“ Während der Rat die Vorlage einstimmig beschloss, blieb es ruhig im Publikum. „So, und jetzt lüften wir hier erstmal“, schloss Klotz den Tagesordnungspunkt ab.

So geht´s weiter

Nachdem der Beschluss darüber, den Bebauungsplan zugunsten eines Krematoriums zu ändern jetzt gefallen ist, soll im nächsten Schrittt ein Ingenieurbüro eine schalltechnische Untersuchung vornehmen. Die Ergebnisse sollen dann wiederum genutzt werden, um einen Entwurf zur Bebauungsplanänderung zu erarbeiten.