Grüner Sichtschutz zwischen Zollernstraße und Fürstengarten? Die Meinungen sind auch in der Nachbarschaft geteilt. Das zeigt unsere Umfrage.
Eine neue Hecke zwischen Zollernstraße und Fürstengarten? „Aber auf gar keinen Fall“, ruft Dr. Anja Hoppe aus, als unsere Redaktion sie mit der aktuellen Hechinger Gretchenfrage konfrontiert.
Die Verwalterin der Burg Hohenzollern wohnt schräg vis-à-vis von der Villa Eugenia im Haus Zollernstraße 9, dem ehemaligen fürstlichen Forstamt, und genießt den freien Blick auf den Fürstengarten in vollen Zügen, seit vor einem Jahr wegen der Zollernstraßen-Baustelle die alte Hainbuchenhecke gerodet wurde. „Die ganze Villa wirkt doch jetzt viel offener, viel freier“, schwärmt sie. „Das ist ein Traum.“
Und überhaupt: „Man darf doch nicht die Champs-Élysées von Hechingen durch eine Hecke stören.“ Dazu komme, dass ohne die Hecke der Weg entlang des Fürstengartens für Frauen deutlich sicherer sei.
Von Hahn infrage gestellt
Anja Hoppe ist eine von vielen Hechingerinnen und Hechingern, die sich an die heckenfreie Einfahrt zum Zylinderviertel gewöhnt haben – und innig hoffen, dass die Zollernstraße nicht wieder eingefasst wird. Im Bereich des Möglichen ist das, seit Bürgermeister Philipp Hahn am 24. März 2025 beim offiziellen Baustart für die neue „Zollernallee“ die Neupflanzung der Hecke erstmals öffentlich infrage stellte. „Viele Bürgerinnen und Bürger“, sagte er damals, „melden sich jetzt und sagen: Der Fürstengarten wirkt viel luftiger, und die Villa wirkt erst jetzt.“ Er wollte mit der Hecken-Entscheidung warten, „bis unsere neue Prachtstraße fertig ist“. Auf dem Abschnitt zwischen „Museum“ und Weißem Häusle ist die neue Zollernstraße inzwischen so gut wie fertig.
Und deshalb, so hat Hahn jüngst in seiner Haushaltsrede angekündigt, soll der Gemeinderat in seiner Januar-Sitzung den Daumen über die Neupflanzung heben oder senken.
Mit allem Nachdruck auf eine neue Hecke beharren die „Freunde des Fürstengartens“, die schon gegen die Rodung der alten Hecke gekämpft hatten – und denen die Stadtverwaltung im Gegenzug die möglichst rasche Neupflanzung mit Jungpflanzen „in Brusthöhe“ versprochen hatte. So, wie es seit einigen Wochen auf der östlichen Seite der Zollernstraße zu besichtigen ist.
Villa-Verein will die Hecke
Ganz vorn im Boot der Pro-Hecken-Fraktion sitzt auch der Förderverein Villa Eugenia. Dessen Vorsitzender Joachim Wien bekräftigt: „Unsere fast 200 Mitglieder wollen alle eine Hecke.“ Als „optischer Abschluss“ für das Ensemble sei diese einfach unverzichtbar. „Wer keine Hecke will, sind die, die mit dem SUV vorbeifahren“, lautet der pointierteste Wien-Satz zu diesem Thema. Klar, Innen- und Außenblick unterscheiden sich. „Wenn man bei Kaffee und Kuchen auf der Terrasse der Villa sitzt, will man die Parkanlage sehen und nicht vorbeifahrende Autos“, sagt Wien, der aber nicht nur mit der Optik argumentiert, sondern auch mit der Sicherheit: „Wegen des Schaukelpfades sind viele Familien mit kleinen Kindern im Park. Ohne Begrenzung muss man die Kinder dauernd an der Hand halten, damit sie nicht auf die Straße rennen.“
Gegen die Hecke
Zurück zur Außenperspektive: „Uns gefällt es ohne Hecke besser“, sagt Waldemar Wallenwein, der seit August gegenüber vom Weißen Häusle wohnt. „Es wäre ja jammerschade, wenn man die Villa nicht mehr sehen würde.“ Und überhaupt sei die alte Hecke doch sehr ungepflegt gewesen.
Auch Wilfried Hahn ist nicht gut auf die Hecke zu sprechen. Der Zollernstraßen-Anwohner erzählt: „Solange sie noch ganz hoch war, standen bei mir die Leute mit Torten vor der Tür. Die wollten zu einer Hochzeit in die Villa Eugenia und haben sie nicht gefunden.“ Nein, beharrt der Architekt: Er vermisse die Hecke nicht. „Wir haben so einen schönen Fürstengarten. Den muss man nicht verstecken.“
Eine Hecke, aber niedriger
„Irgendeine Barriere muss sein“, meint dagegen Kinochef Ralf Merkel, der sein Büro an der Zollernstraße hat. „Sonst rennen bald alle Füchse kreuz und quer, und irgendwann parken die Autos im Fürstengarten.“ Merkels Vorschlag, den er als Kompromiss zwischen Heckengegnern und -befürwortern versteht: „Eine Hecke als Abgrenzung, aber nur 60 bis 90 Zentimeter hoch.
Dann sieht man weiterhin wunderbar in den Fürstengarten rein.“ Das wäre auch ganz im Sinne von Gerda Nestel. Die Frankstraßen-Bewohnerin bekennt: „Am Anfang war ich darüber erschrocken, dass die Hecke wegkam.“ Dann habe sie sich daran gewöhnt, „dass der Blick offen ist“. Über Weihnachten habe sie nun mit ihrer Tochter das Thema diskutiert. Deren Vorschlag kann sie eine Menge abgewinnen. Er lautet: „Die Hecke wieder pflanzen, aber niedriger, damit ein Schutz da ist, aber der Blick offen bleibt.“
Für die Hecke
Und noch eine dritte Stimme geht in diese Richtung: Brigitte Demel will auf jeden Fall wieder eine Hecke, denn: „So wie es ist, ist es grauslich. Ohne Hecke endet der Park ja auf der Straße.“ Die Sicherheit der jungen Familien, die im Fürstengarten spazieren gehen, hat sie ebenso im Sinn wie das Gefühl der Feiernden in der Villa, die „nicht auf der Straße sitzen wollen“. Allerdings hält sie es mit Ralf Merkel und Gerd Nestel: „Die Hecke muss ja nicht so hoch sein wie früher.“ Vielleicht wäre das tatsächlich eine salomonische Lösung.