Mehrere Dunninger Gemeinderäte sind der Meinung, dass zuerst die Dächer in der Gesamtgemeinde (hier die Seedorfer Grundschule) mit Photovoltaikanlagen bestückt werden sollen, bevor man größere Anlagen auf freier Fläche errichtet. Foto: Weisser

Zu einem grundsätzlichen Ja zu Freiflächen-Photovoltaikanlagen auf Gemeindegebiet, allerdings unter strikter Einhaltung bestimmter Kriterien, haben sich der Dunninger Gemeinderat und der Lackendorfer Ortschaftsrat durchgerungen.

Dunningen - Der Katalog mit den Bestimmungen muss erst noch erstellt werden. Ein Arbeitskreis soll hierbei helfen. Mehrere Gemeinderäte erklärten sich spontan zur Mitarbeit bereit.

Eigentlich wollte die Verwaltung nur ein erstes Stimmungsbild aus dem Gemeinderat zu dieser Thematik gewinnen. "Wir fassen heute noch keine Beschlüsse", betonte Bürgermeister Peter Schumacher ausdrücklich. Am Ende wurden die Ratsmitglieder doch um eine Stimmabgabe gebeten.

Prozedere geht Ortschaftsrat zu schnell

Dem Lackendorfer Ortschaftsrat Volker Haag ging das Prozedere zu schnell. Seine Reaktion: "Ich muss mich in diesem Fall enthalten." Würde der Gemeinderat grundsätzlich Freiflächenanlagen ablehnen, erübrigten sich weitere Überlegungen, gab Schumacher als Begründung für die Kehrtwende an.

Nach den Rückmeldungen der Ratsmitglieder formulierte er einen zweistufigen Beschlussvorschlag. Dieses Unterfangen erwies sich als nicht einfach. In seinen Ausführungen stellte Schumacher fest, dass für die Errichtung von Freiflächenanlagen im Außenbereich – sogenannte nicht privilegierte Vorhaben – grundsätzlich ein Bebauungsplan und gegebenenfalls eine Änderung des Flächennutzungsplanes erforderlich sei.

Zwei potenzielle Investoren haben angefragt

Anlass für die Beratung in den Gremien waren Anfragen von zwei potenziellen Investoren zur Errichtung von Freiflächen-Photovoltaikanlagen in Lackendorf und Seedorf.

In der engagiert geführten Diskussion am Montagabend wurde immer wieder die Forderung laut, zuerst die Dächer in der Gemeinde mit PV-Anlagen zu bestücken. Die grundsätzlichen Befürworter waren weit in der Überzahl. "Wenn die Kriterien stimmen, führt kein Weg daran vorbei", meinte Markus Holl. Für seinen Kollegen Andreas Wilbs ist "der Standort entscheidend". Florian Haag sieht in den Freiflächenanlagen eine "Energieverpflichtung" und meinte: "Wir sollten das unbedingt machen."

Konzept am Bodensee könnte interessant sein

Simone Spengler sprach von "zwei hochwertigen Gütern", gibt der Nahrungsmittelproduktion jedoch den Vorrang. "Doch müssen sich beide gegenseitig ausschließen?", fragte sie in Anlehnung an ein Konzept am Bodensee in die Runde. Dort wurde eine Freiflächen-Photovoltaikanlage entwickelt, die auch eine landwirtschaftliche Nutzung zulässt. Das werde hier nicht funktionieren, entgegnete Inge Erath. Sie sprach sich gegen den "Landverbrauch" aus.

"Hin- und hergerissen" zeigte sich Wolfgang Gerst. Sein Hinweis: Die Nutzflächen für Biogasanlagen dienten auch nicht der Nahrungsmittelproduktion. "Wir brauchen am Ende des Tages beides, sowohl Lebensmittel als auch Energie", äußerte Ortschaftsrat Christian Stemplinger. Er forderte pragmatisches Handeln. Gewisse Flächen sollten für solche Anlagen präferiert, andere Gebiete wiederum geschützt werden.

Landwirtschaft und Energiegewinnung wichtig

Der Lackendorfer Ortsvorsteher Hermann Hirt rechnet damit, dass künftig mehr Felder zur Bewirtschaftung von Biogasanlagen herangezogen werden. Gemeinderat Markus Hils, der Nebenerwerbslandwirt ist, sieht sowohl für die Landwirtschaft wie auch für die Energiegewinnung einen Nutzen. Martin Hangst regte eine Bürgerbeteiligung an: "Jeder sollte etwas davon haben." Für Helmut Faller sind die Freiflächenanlagen nicht die Lösung. "PV-Anlagen auf den Dächern sind wichtiger als Großanlagen", sagte er.