Die Gemeinde Loßburg hat auf Facebook einen „Appell an alle Hundehalter“ geteilt. Manche Nutzer reagierten verärgert. Nun äußert sich Bürgermeister Christoph Enderle zu der Kritik.
„Es ist so abartig ekelhaft“, „bin total erschrocken und angewidert“, „eine Sauerei“ – so lauten ein paar der Kommentare unter dem Facebook-Post der Gemeinde Loßburg. Insgesamt 64-mal wurde der Beitrag kommentiert.
„Bitte entsorgen Sie den Hundekot Ihrer Vierbeiner ordnungsgemäß! Hierzu stehen Ihnen unter anderem unsere öffentlichen Hundetoiletten zur Verfügung“, schreibt die Gemeinde auf Facebook und erinnert an die polizeiliche Umweltschutzverordnung. Anlass waren liegengelassene Hundehaufen.
„Wir haben vermehrt Beschwerden erhalten, dass in den Bereichen Kindergärten und Schulen Hundekot hinterlassen wird“, erklärt Bürgermeister Christoph Enderle auf Anfrage unserer Redaktion. Es sei darum gebeten worden, dass der Bauhof die Hinterlassenschaften entfernt. Da dieser das jedoch nicht leisten könne, wurde ein „Appell an alle Hundebesitzer“ veröffentlicht.
Die Meinungen spalten sich
Während einige Nutzer den Frust der Gemeinde teilten, gab es jedoch auch ernste Kritik. Ein Nutzer bemängelte etwa fehlende Hundetoiletten: „In Wittendorf gibt es genau zwei Hundetoiletten! Ich nehme den Kot meines Hundes immer mit, kann aber schon auch nachvollziehen, warum er oft liegen bleibt!“
Enderle erklärt: „Die Gemeinde Loßburg hat derzeit über 20 Hundetoiletten aufgestellt, kann dies aber nicht überall leisten, da eine Leerung auch gewährleistet sein muss. Es wird in Abständen überprüft, ob an stark frequentierten Wegen oder Grünanlagen Optimierungsbedarf besteht.“ Ein Ausbau sei somit nicht ausgeschlossen. Er betont jedoch auch: „Infrastruktur kann unterstützen, ersetzt aber nicht die Eigenverantwortung des Hundehalters.“
Hundesteuer ist häufigster Kritikpunkt
Der häufigste Kritikpunkt betrifft jedoch die Hundesteuer, die erst kürzlich, zum neuen Jahr erhöht wurde: „Hauptsache die Hundesteuer jedes Jahr fleißig erhöhen“; „Bekommt doch jedes Jahr eine Menge Hundesteuer, die ihr kaum für die Hunde ausgebt, also stellt euch nicht so an“.
Allerdings ist die Hundesteuer nicht zweckgebunden. „Das bedeutet, die Einnahmen fließen in den allgemeinen Haushalt und dienen der Finanzierung vielfältiger öffentlicher Aufgaben“, erklärt Enderle. Davon profitierten auch Hundehalter. „Jährlich kauft die Gemeinde für die Hundebesitzer 150 000 Mülltüten für das Geschäft deren Hunde!“
Rote Ausrufezeichen und wütende Emojis
Manch ein Nutzer fühlte sich durch den Appell an „alle“ Hundehalter etwas unter Generalverdacht gestellt: „Nur weil ein paar Hundebesitzer den Kot nicht wegmachen, sind gleich alle schuld. Hundesteuer dürfen wir bezahlen. Einfach nicht gerecht.“
Enderle erklärt, Ziel des Aufrufs sei es gewesen, auf ein gemeldetes Problem aufmerksam zu machen und für mehr Sensibilität der Hundehalter zu werben. „Dabei sollte der Appell keineswegs pauschal alle Hundebesitzer unter Generalverdacht stellen. Der Gemeinde Loßburg ist bewusst, dass sich die überwiegende Mehrheit verantwortungsvoll verhält.“
Sprachlich hielt sich die Gemeinde jedoch auch sonst nicht zurück. Der in dem Facebook-Beitrag gewählte Kommunikationsstil ist geprägt von roten Ausrufezeichen und wütenden Emojis. Damit konfrontiert, bleibt Enderle sehr allgemein: „Kommunikation – insbesondere in Sozialen Medien – muss angemessen und respektvoll sein“. Das Anliegen der Gemeinde Loßburg sei es gewesen, Bürger mitzunehmen, nicht zu polarisieren. „Wenn es auch verständlich ist, dass das Problem emotional diskutiert wird“, so Enderle.