Der Neubau des Oberen Neckarstegs hat im Gemeinderat zu einer breiten Debatte geführt. Neben dem Standort der neuen Brücke stand ebenfalls das verwendete Material zur Diskussion.
Die Entscheidung kam einigermaßen überraschend. Hatte in der Vorberatung des Ausschuss Technik und Umwelt (ATU) zur Sanierung – oder besser gesagt zum Neubau – des Oberen Neckarstegs scheinbar fraktionsübergreifende Einigkeit geherrscht, fiel das Ergebnis im Gemeinderat deutlich anders aus.
Wie die Woche zuvor stellte Werkhofbetriebsleiter Alexander Beller das Anliegen zur Vergabe der Ingenieurleistungen vor. Denn der 1947 geplante und ein Jahr später errichtete Neckarsteg sei in die Jahre gekommen und müsse erneuert werden.
Neubau wird gefördert
Eine Sanierung koste die Kommune rund 325 000 Euro. Allerdings gebe es dabei keine Zuschüsse, weil es sich nur um eine Fußgängerbrücke handle, auch eine Erneuerung des Daches sei nicht inbegriffen.
Beim Neubau sei eine Aluminiumbrücke mit 990 000 Euro und 90-prozentiger Förderung mit einem Eigenanteil von 127 000 Euro die wirtschaftlichste Lösung, so die Einschätzung. Eine Stahl-Holzbau-Konstruktion würde 1 050 000 Euro kosten, eine Holzfachbrücke mit Dach sogar 1,2 Millionen Euro.
Barrierefreier Zugang möglich
„Es ist technisch möglich, die Brücke weiter flussabwärts zu setzen“, ging der Werkhofbetriebsleiter auf die Anfrage André Amons (SPD) ein, ob man so die Barrierefreiheit des Übergangs verbessern könnte. „Der Plan ist dementsprechend abgeändert“, versicherte er. Damit werde der Zugang zum Radweg deutlich einfacher sein.
Hatte Jürgen Herbst (GAL) in der ATU-Sitzung der Aluminiumbrücke grundsätzlich positiv gegenübergestanden („Finanziell spricht nichts dagegen, nur um das schöne Holzbrückle ist es schade“), sah seine Fraktionskollegin Gabriele Brucker dies in der Gemeinderatssitzung anders.
„Die Basis von Aluminium ist Bauxit, das in China, Indien oder Brasilien oftmals mit Kohlestrom abgebaut wird“, kritisierte sie. Neben dem hohen Energieverbrauch fielen auch noch hochgiftige Abfälle beim Abbau an. „Wir haben einen eigenen Wald und viel holzverarbeitendes Gewerbe – können wir die Wertschöpfung nicht in der Region halten?“, fragte sie. Zusätzlich sollte man auch nach Fördertöpfen für nachhaltiges Bauen suchen, so ihre Meinung.
Welcher Standort?
Beller erläuterte, dass es sich bei dem verwendeten Aluminium zu 90 Prozent um recyceltes Material handele. Und Bürgermeister Jens Keucher erklärte: „Die Ausschreibung wird zeigen, ob eine regionale Firma den Zuschlag für die Brücke erhält.“
Heidi Kuhring (GAL) wandte sich gegen den Vorschlag der Brückenversetzung. „Sie sollte flussaufwärts zur Schule hin verschoben werden“, wünschte sie sich. Und auch Amon überdachte seinen ursprünglichen Vorschlag noch einmal. „Vor 76 Jahren wurde die Brücke dort errichtet, weil das Siedlungsgebiet dort endete“, sagte er. Doch könne man heute nicht sagen, wo die letzten Häuser in 75 Jahren stehen werden. Deshalb sei eine Prüfung für einen weiter flussaufwärts gelegenen Standort angebracht. „Ich stelle den Antrag auf Vertagung und Rücküberweisung an den ATU“, erklärte Amon. Dieser wurde mit elf Ja- und acht Nein-Stimmen angenommen.
Offene Fragen klären
„Die Kosten für die Holzbrücke stehen fest, einer Alu-Brücke wurde auch in Glatt zugestimmt“, wunderte sich Bürgermeister Keucher über die aufgekommene Diskussion. Nun wird sich der Kernstadtbeirat mit den noch offenen Fragen beschäftigen.