Laufen ist nicht das Herz von Albstadt, sondern sieht von Burgfelden aus nur so aus. Der Stadtteil am westlichen Stadtrand fühlt sich auch politisch und finanziell zu wenig im Zentrum und daher gibt es dort manche, die über eine Abspaltung von der Stadt Albstadt nachdenken. Foto: Martin Kistner

Die Tunnelsanierung und die damit verbundene Belastung der Anwohner in Laufen durch den Verkehr war nicht das einzige heiße Eisen in der ersten Ortschaftsratssitzung nach der Sommerpause. Am Eyachstrand gib es Separatismus-Tendenzen.

Zahlreich waren die Zuhörer in der ersten Sitzung des neuen Ortschaftsrats nach der Sommerpause und trugen in der Bürgerfragestunde Anliegen vor, die Gegenstand munterer Diskussionen waren. Vorrangiges Thema war neben der Tunnel-Baustelle das äußere Erscheinungsbild des Ortes.

 

Nachdem Ortsvorsteher Peter Landenberger den wiedergewählten Ortschaftsrat André Simmack verpflichtet hatte, ging es ans Eingemachte: Wann geplant sei, die Behelfsbrücke für Fußgänger über die Ortsdurchfahrt zu errichten, wollte ein Bürger wissen. Laut Landenberger soll das Mitte bis Ende September geschehen, also noch einige Wochen, bevor der gesamte Verkehr durch den Ortskern geleitet wird.

Autos mit „haarsträubender Geschwindigkeit“

Über die wilde Nutzung der Abkürzung Richtung Balingen über die Untere Halde beschwerte sich einer der Anwohner. Die Straße sei nicht ausgebaut und in keinem Fall für derartigen Durchgangsverkehr geeignet, monierte er.

Neben den Autos, die dort in teils haarsträubender Geschwindigkeit unterwegs seien, nutzten auch Transporter, Taxis und sogar Kieslaster den geschotterten Weg. Die Ortschaftsräte waren sich schnell einig, dass dort eingegriffen werden müsse, bevor ein schwerer Unfall passiere. „Da gehört ein Pfosten rein“, formulierte es Wolfgang Bolkart kurz und prägnant.

„Lange schauen wir uns das nicht mehr an“

André Simmack fragte: „Wie kann man den geteerten Radweg Richtung Frommern sperren und den anderen nicht?“ Für die Anlieger war klar: „Lange schauen wir uns das nicht mehr an, dann stellen wir halt mal ein Auto dort hin.“ Ohnehin sei ja bisher nicht viel an der Baustelle vor der Tunneleinfahrt geschehen, so ein weiterer Zuhörer, der täglich die Baustelle begutachtet. In den vergangenen Wochen sei die halbseitige Sperrung definitiv unnötig gewesen, da die meiste Zeit weder Arbeiter noch Baufahrzeuge dort zu sehen gewesen seien.

„Am Gässle muss dringend gehandelt werden“

Über den schlechten Zustand des Verbindungswegs zwischen der Gallus- und der Weidenstraße, dem „Gässle“, beschwerte sich eine Besucherin. Immerhin sei er sicher der meist genutzte Fußweg in Laufen und zudem Teil des Kindergarten- und Schulwegs. Dort müsse dringend etwas getan werden, forderte sie. Auch der aktuelle Zustand der Kriegsgräber auf dem Friedhof sei schlimm. „Das ist ja wirklich eine Schande“, so die Zuhörerin.

Einig waren sich alle, dass es in Laufen mehrere Stellen gebe, die in „erbärmlichem Zustand“ seien. „Ich melde regelmäßig über den Mängelmelder“, erklärte Rätin Stefanie Oehrle. Manchmal werde danach etwas behoben, meist jedoch nicht. Laufen lebe seit Jahrzehnten von der eigenen Substanz, so die Meinung aus den Zuhörer-Reihen. „Wenn man eh kein Geld für uns hat, wieso lösen wir uns dann nicht einfach von der Stadt Albstadt?“, so die provokante Frage eines Zuhörers. Denn auch in Sachen Hochwasser, Hangwasser und Hangrutschung passiere kaum etwas von Seiten der Stadt, obwohl das große Probleme für ganz Laufen bringe.

Einig waren sich die Bürger darin, durchaus einmal ernsthaft darüber nachdenken, ob aus Albstadt-Laufen nicht langfristig die eigenständige Gemeinde Laufen an der Eyach werden könne. Die Stadt Albstadt müsse sich im Klaren darüber sein, dass zufriedene Bürger ihre Zufriedenheit auch nach außen tragen, so die Zuhörer.

Die Wunschliste an die Kämmerin

Über die mittelfristige Finanzplanung
haben die Laufener Ortschaftsräte diskutiert. Neues war jedoch nicht dabei: „Es sind dieselben Punkte wie seit fast 40 Jahren“, sagte Wolfgang Bolkart resignierend. Bislang sei nichts davon umgesetzt worden. Im Bereich Hochbau
priorisiert der Ortschaftsrat das Thema Feuerwehrhaus. Auf Platz zwei setzten sie die Erhaltung der Turn- und Festhalle sowie auf Platz drei die Aussegnungshalle auf dem Friedhof.

Im Bereich Tiefbau
sieht das Gremium Vorrang für die Erschließung von Baugebieten gemäß der mit dem Stadtplanungsamt beschlossenen Vorgehensweise, das Gewerbegebiet „Wäsen“ sowie die Unterhaltung der Grünpflege, Pflanzbeete und die Fremdvergabe von Heckenschnittarbeiten. Außerdem solle darauf hingewiesen werden, dass ein Betrag für den Hochwasserschutz aufgrund der immer häufiger auftretenden Schäden durch Starkregenereignisse aufgenommen werden müsse.

All diese Themen
wollen Ortsvorsteher Peter Landenberger und die Ortschaftsräte beim Ortschaftstag mit der Stadtverwaltung diskutieren. Dieser findet statt am Dienstag, 1. Oktober. Start ist um 19 Uhr an der Festhalle in Laufen.