Rückläufige Kinderzahlen und hohe Kosten. Der Gemeinderat beschließt Einsparung im Kindergarten St. Raphael. Es bleiben aber ausreichend Plätze erhalten.
Der Gemeinderat hat am Dienstag nach langen Diskussionen, auch unter Beteiligung von Eltern, beschlossen, die zweite Waldkindergartengruppe des katholischen Kindergartens St. Raphael zum Ende des Kindergartenjahres 2025/2026 zu schließen.
Hintergrund sind die seit Jahren rückläufigen Geburtenzahlen sowie die angespannte Haushaltslage. Erst im Kindergartenjahr 2022/2023 war die zweite Waldgruppe eingerichtet und dafür eine weitere Hütte am Mühlenberg gebaut worden. Ausschlaggebend waren damals die geburtenstarken Jahrgänge zwischen 2018 und 2020. Mittlerweile zeigt sich jedoch ein deutlicher Rückgang.
Nach aktuellen Berechnungen verfügt der Kindergarten St. Raphael damit künftig über rund 30 freie Ü3-Plätze als Reserve. Angesichts knapper Kassen und eines erwarteten Defizits von rund einer Million Euro im laufenden Haushaltsjahr schlug die Verwaltung vor, eine Gruppe zu schließen.
Gemeinsam mit der Geschäftsführerin und dem Leitungsteam des Kindergartens wurden verschiedene Möglichkeiten geprüft. Am Ende kam man zu dem Ergebnis, dass die Schließung einer Waldkindergartengruppe mit 20 Ü3-Plätzen die sinnvollste Lösung sei. In diesem Zusammenhang werde es auch personelle Anpassungen geben, Kündigungen seien jedoch nicht vorgesehen.
So viel wird dadurch gespart
Durch die Schließung könnten in den Haushaltsjahren 2026 und 2027 rund 145.000 Euro eingespart werden. Gleichzeitig behielte im Kindergarten weiterhin zehn Reserveplätze. Zudem verfüge der Kindergarten Gipfelstürmer am Fabrikberg noch über freie Kapazitäten. Trotz der Schließung könne allen Kindern weiterhin ein Kindergartenplatz angeboten werden.
Emotionale Sitzung
Die Sitzung des Gemeinderates am Dienstagabend war entsprechend emotional. Bürgermeister Frey begrüßte neben Vertreterinnen des Leitungsteams rund 60 Besucher im Sitzungssaal.
Frey erinnerte daran, dass der Gemeinderat einst schnell reagiert und die zusätzlichen Waldkindergartengruppen geschaffen habe. Schon damals sei aber klar gewesen, dass diese Gruppen bei sinkendem Bedarf wieder geschlossen werden könnten. Der Bürgermeister betonte mehrfach, dass ein verantwortungsvoller Umgang mit Steuergeldern gerade in der aktuellen finanziellen Situation notwendig sei. Eine Überkapazität von 30 Plätzen könne man bei Einsparungen von rund 150.000 Euro nicht rechtfertigen. Die Entscheidung, welche Gruppe geschlossen werde, liege letztlich beim Träger des Kindergartens, der Kirchengemeinde im Quellenland. Insgesamt seien lediglich sechs Kinder direkt von der Schließung der zweiten Waldkindergartengruppe betroffen. Diese könnten teilweise in der ersten Waldgruppe oder in St. Raphael untergebracht werden.
„Keineswegs eigenmächtig“
Frey nahm auch Bezug auf die bisherige Berichterstattung zu dem Thema. Die Schließung, die ausdrücklich nur vorübergehend sei, sei keineswegs eigenmächtig seinerseits beschlossen worden. Die vorübergehende Schließung sei auch mit den Förderstellen abgestimmt worden. Denn die Hütte für die zweite Kindergartengruppe war mithilfe von Fördermitteln gebaut worden.
Bernd Kaltenbach (FW) bewertete die Situation pragmatisch: „Weniger Kinder – weniger Bedarf – weniger benötigte Plätze.“ Kritisch sah er die geringe Rücklaufquote bei der Bedarfsermittlung von etwa 30 Prozent sowie die große Zahl auswärtiger Unterstützer einer Petition gegen die Schließung.
Silke Burger betonte, wenn 30 Plätze frei seien, liege es in der Verantwortung des Gemeinderates zu handeln.
Sechs Kinder betroffen
Anja Eckstein erklärte, dass für das Kindergartenjahr 2026/2027 derzeit fünf konkrete Anfragen für die zweite Waldgruppe vorlägen. Da einige Kinder eingeschult würden und die erste Waldgruppe nicht vollständig belegt sei, könnten durch eine Aufstockung der ersten Gruppe auf die maximal zulässigen 20 Plätze einige Kinder übernommen werden. Lediglich sechs Kinder müssten nach St. Raphael wechseln. Die Schließung einer Gruppe in St. Raphael würde deutlich mehr Kinder betreffen. Ihre Kollegin Burger ergänzte, dass laut Prognosen die zweite Waldkindergartengruppe spätestens 2027 ohnehin wegfallen würde.
Auch aus dem Gemeinderat kamen Vorschläge und Nachfragen. Josef Spath regte an, für die sechs Betroffenen individuelle Lösungen zu finden. Frey erklärte dazu, dass die erste Gruppe überbelegt werden und man Gespräche mit den Eltern führen könne. Eventuell seien einige Familien bereit, ihre Kinder nach St. Raphael wechseln zu lassen.
Gerhard Kienzler betonte, dass Einsparungen notwendig seien, die Entscheidung jedoch nicht überstürzt getroffen werden dürfe. Verständnis zeigte er für den Ärger vieler Eltern über die fehlende Kommunikation im Vorfeld.
Der Beschluss
Frey schlug als Beschluss vor, die zweite Waldgruppe zu schließen, für die sechs betroffenen Kinder individuelle Lösungen zu suchen und gleichzeitig sicherzustellen, dass die zweite Hütte bei schlechtem Wetter weiterhin genutzt werden könne. Dies wurde mit drei Gegenstimmen so befürwortet.